
Frankfurt"Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Name Neckermann überlebt", sagte Insolvenzverwalter Michael Frege der "Wirtschaftswoche". Im Oktober will der Verwalter ein isoliertes Bieterverfahren für die Kundendaten, Web-Adressen und Markenrechte des Frankfurter Versandunternehmens starten. Eine Reihe von Investoren soll bereits Interesse signalisiert haben. Für die Job-Perspektiven der rund 2000 Mitarbeiter zeigte sich Frege zuversichtlich. "Wir gehen davon aus, dass zwischen 200 und 300 Mitarbeiter sofort bei einem neuen Arbeitgeber starten werden."
Unterdessen erhebt Frege schwere Vorwürfe gegen den früheren Eigentümer des Konzerns, den US-Finanzinvestor Sun Capital. Die Amerikaner hatten 2008 die Mehrheit an dem Unternehmen übernommen. "Bei Neckermann haben wir keine Substanz vorgefunden", sagte Frege dem Magazin. "Ob Kundendaten, Markenrechte oder Internetadressen - die meisten Werte waren an den Eigentümer verpfändet." Selbst die Konten habe der Finanzinvestor Sun Capital sperren lassen und damit "die Ausgangslage erheblich erschwert".
Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.
Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.
Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.
Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden
Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.
Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.
Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.
Der letzte Interessent ist abgesprungen. Damit wird das Unternehmen zum 30. September geschlossen. Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten letztlich abgewunken, teilte die vorläufige Insolvenzverwaltung mit. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen.
Potenzielle Investoren hatten laut Frege ein "schonungsloses Urteil" gefällt. Sie kritisierten demnach nicht nur den massiven Investitionsstau bei dem Unternehmen, sondern schreckten vor möglichen Kündigungsschutzklagen von Mitarbeitern zurück. Das Geld für eine Transfergesellschaft, um das Risiko zu minimieren, fehlte.
Den Gläubigern Neckermanns macht der Verwalter indes wenig Hoffnung. Im ersten Halbjahr habe Neckermann jeden Monat rund 20 Millionen Euro Verlust verbucht. "Die Betriebskosten haben jeden Gewinn aufgesogen", sagte Frege. "Wir hätten nicht einmal mehr den nächsten Monatslohn für die Mitarbeiter überweisen können." Der Anwalt kündigte an, beim Insolvenzgericht die drohende Masseunzulänglichkeit zu erklären.
Neckermann hatte mit seinem Kataloggeschäft und dem berühmten Slogan "Neckermann macht's möglich" über Jahrzehnte den Versandhandel in Deutschland geprägt. Auf das boomende Internetgeschäft hatte der Konzern aber zu spät gesetzt.

Josef Neckermann war nicht nur eine Symbolfigur des deutschen Wirtschaftswunders. „Neckermann macht's möglich“ - der Slogan des Versandunternehmens galt auch für das „Sozialwerk des deutschen Sports“, wie sich die Sporthilfe einst bezeichnete. Und Neckermann machte so vieles möglich: Als Spitzenmann dieser Organisation trug „Necko“, wie ihn seine Weggefährten nannten, von 1967 bis zu seinem Rückzug Ende 1988 rund 230 Millionen Mark zusammen. Er selbst nannte sich als Sporthilfe-Vorsitzender „Bettler der Nation“.
Das Foto stammt aus dem Dezember 1979.

Der am 5. Juni 1912 in Würzburg geborene und am 13. Januar 1992 im hessischen Dreieich gestorbene Neckermann war eine prägende Gestalt seiner Zeit, nicht nur als Unternehmer, auch als Sportler und Sportfunktionär ...

Neckermann war ein Mann des Reitsports. Mit deutschen Dressurmannschaften gewann er zweimal Olympia-Gold. Zweimal wurde er mit deutschen Dressurmannschaften Olympiasieger, gewann insgesamt sechs olympische Medaillen.

Es gab aber immer wieder auch Kritik an Neckermann. Dem Sohn eines Kohlenhändlers wurde vorgeworfen, sein Unternehmen auf der Grundlage von Firmen aufgebaut zu haben, die zuvor jüdischen Kaufleuten gehört hatten und in der Zeit des Nationalsozialismus zwangsweise „arisiert“ wurden. Neckermann wickelte unter anderem Großaufträge für Hitlers Wehrmacht ab - ein Vorwurf, der ihn zeitlebens verfolgte.

Mit fein akzentuierter Sprache stellte Neckermann sich den Fragen - und besonders gern dann, wenn es um eines seiner Lebenswerke ging: die Sporthilfe. Unermüdlich warb er bei allen, die ihm über den Weg liefen, um Gelder für sein „Sozialwerk“. Fast 17 000 deutsche Sportler profitierten bis zu seinem Abgang als Sporthilfe-Chef von seinem Wirken.

Das Unternehmen Neckermann gründete er 1950. Hier der erste Katalog − zu seiner Zeit noch „Preisliste“ genannt − umfasst 12 Seiten und 133 Textilangebote bei einer Auflage von 100.000 Exemplaren. Das Sortiment der ersten Preisliste besteht aus fünf Frühlingskleidern für Damen. Für Herren zählen Flanell− oder Popelinhemden zum anfänglichen Sortiment.

Zum ersten Mal wird 1953 im Katalog ein Radiogerät zum Sensationspreis von 187 DM angeboten. Ein Jahr später folgt der erste Fernseher (s. Foto). Als Antwort auf die Boykottversuche von Einzelhandel und Handwerk − wegen des günstigen Preises verweigern sie die Reparatur von Neckermann-Geräten − gründet Neckermann den eigenen Technischen Kundendienst (TKD).

Die beiden großen Konkurrenten im Versandhandel, Quelle und Otto, hatten bereits 1958 bzw. 1966 höhere Umsätze erzielt als Neckermann. Dazu kam seit den 1960er-Jahren neue Konkurrenz durch Discounter und Großmärkte wie Metro.

1977 übernahm Karstadt die Mehrheit bei Neckermann und es kam zu Massenentlassungen. 1999 gingen Karstadt und Quelle zusammen, woraus später Arcandor entstand.

Das Geschäft blieb schwierig - da halfen auch keine prominenten Werbefiguren. Hier ein Bild aus dem Jahr 2004: Gebhard Stammler, Vorstandsmitglied Vertrieb und Marketing des Neckermann Versand, präsentiert den neuen Neckermann-Katalog. Gottschalk war damals neuer Werbepartner der Neckermann Versand AG.
Josef Neckermann war nicht nur eine Symbolfigur des deutschen Wirtschaftswunders. „Neckermann macht's möglich“ - der Slogan des Versandunternehmens galt auch für das „Sozialwerk des deutschen Sports“, wie sich die Sporthilfe einst bezeichnete. Und Neckermann machte so vieles möglich: Als Spitzenmann dieser Organisation trug „Necko“, wie ihn seine Weggefährten nannten, von 1967 bis zu seinem Rückzug Ende 1988 rund 230 Millionen Mark zusammen. Er selbst nannte sich als Sporthilfe-Vorsitzender „Bettler der Nation“.
Das Foto stammt aus dem Dezember 1979.