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Interview: Bilfinger-Chef optimistisch für 2013

Roland Koch, Chef des Bau- und Ingenieurdienstleistungskonzerns Bilfinger, geht für 2013 von einer positiven Unternehmensentwicklung aus. Auch die Weltkonjunktur schätzt Koch optimistisch ein.

Roland Koch hält für potentielle Übernahmen Ausschau nach mittelständischen Unternehmen. Quelle: Reuters
Roland Koch hält für potentielle Übernahmen Ausschau nach mittelständischen Unternehmen. Quelle: Reuters

StuttgartBilfinger-Chef Roland Koch rechnet entgegen der Prognosen von Analysten 2013 nicht mit einem Gewinnrückgang in seinem Unternehmen. Mit Blick auf eine entsprechende Umfrage sagte Koch in einem am Mittwoch veröffentlichen Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters: "Das habe ich mit gewissem Erstaunen gelesen. Wir gehen nach wie vor von einer positiven Unternehmensentwicklung aus, da gibt es nichts zu korrigieren." Von Reuters befragte Analysten erwarten dagegen einen Rückgang des Überschusses auf 252 Millionen Euro nach 265 bis 275 Millionen Euro, die der Bau- und Ingenieurdienstleistungskonzern für 2012 in Aussicht gestellt hat. Auch an diesem Ziel ändere sich nichts, ergänzte Koch. Die vorläufigen Geschäftszahlen für das vergangene Jahr werden am 11. Februar veröffentlicht.

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Die für den internationalen Konzern maßgebliche Weltkonjunktur schätzt der Bilfinger-Chef verhalten optimistisch ein. "Weltweit wird sich die Konjunktur nicht abwärts, sondern seitwärts mit langsamen Aufwärtstendenzen entwickeln", sagte er. Als Anbieter von Planung, Bau und Wartung von Industrie- sowie Energieanlagen in Europa, Asien und Nordamerika beobachtet Bilfinger die weltweite Entwicklung in Schlüsselbranchen wie der Chemieindustrie sehr genau. Derzeit gebe es zwar in allen drei großen Wirtschaftsregionen beachtliche Risiken, sagte Koch. Doch aus Gesprächen mit vielen Kunden habe er den Eindruck, die Unternehmen gingen davon aus, dass diese Probleme lösbar seien.

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Bei Eurokrise das Schlimmste vorüber
So werde die Politik in den USA die Haushaltsklippe umschiffen und das Land nicht in eine Rezession stürzen. In China könne es der Regierung gelingen, das Wachstum mit sieben bis acht Prozent auf hohem Niveau zu halten. Am schwierigsten einzuschätzen sei die Euro-Schuldenkrise, weil hier mit 17 souveränen Nationen viele Politiker am Kampf gegen die Krise beteiligt seien. Koch ist aber der Ansicht, dass das Schlimmste vorüber ist. "Die gefährlichste Zeit für den Euro war im Spätherbst 2011", sagte der ehemalige hessische Ministerpräsident und CDU-Politiker. Damals sei Italien in den Krisenstrudel geraten. Doch seither habe sich die Erkenntnis verbreitet, welche Gefahren ein Zerfall des Euro auslösen würde. "Außerdem haben die Bemühungen der einzelnen Länder um Stabilität eine so eindeutige Richtung, dass sich die Marktspekulationen gegen den Euro in diesem Jahr in Grenzen halten werden", sagte Koch in seinem Büro in der Mannheimer Firmenzentrale. Auf einem Schrank hat der Ex-Politiker neben "Gablers Wirtschaftslexikon" viele Erinnerungsfotos aufgestellt, auf denen er mit prominenten Politikern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident George W. Bush oder dem Dalai Lama zu sehen ist.

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Der Mannheimer Konzern kann sich vom Auf und Ab der Konjunktur und von der Krise in der Euro-Zone gut abkoppeln. Mit Bau und Wartung von Kraftwerkskomponenten oder erneuerbaren Energieträgern arbeitet Bilfinger für eine Branche, die stärker von gesetzlichen Vorschriften wie Klimaschutzauflagen beeinflusst wird als von der Konjunktur. Im krisengeplagten Südeuropa ist Bilfinger außerdem nicht aktiv, sondern stärker in Norwegen oder nordeuropäischen EU-Staaten, die nicht der Euro-Zone angehören. In der deutschen Industrie herrscht Koch zufolge zwar große Unsicherheit, ob die Krise aus Südeuropa übergreifen kann. Doch in der Geschäftsentwicklung mache sich das nicht bemerkbar: "Wir reden bei der deutschen Industrieleistung darüber, ob sie noch so schnell steigen wird wie in der Vergangenheit, wir reden aber nicht über einen Rückgang."
Bilfinger bleibt auf Einkaufstour

Im Plan liegt Bilfinger nach den Worten Kochs auch mit seiner Wachstumsstrategie, die vor allem auf Unternehmenskäufe setzt. Im November 2011 hatte Bilfinger angekündigt, deutlich mehr als eine Milliarde Euro in Übernahmen zu investieren. Seither übernahmen die Mannheimer 22 Unternehmen zu einem Gesamtwert einschließlich Schulden von 700 Millionen Euro. Zugleich stockten sie ihre Übernahmekasse im Dezember um eine Anleihe über 500 Millionen Euro auf, sodass noch etwa 850 Millionen Euro für Zukäufe zur Verfügung stehen. Diese Summe werde in den kommenden beiden Jahren ausgegeben, sagte Koch.

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Bei den Übernahmezielen schaut sich Bilfinger vor allem im Mittelstand um. Ein Firmenwert von 350 Millionen Euro, wie im Fall des Berliner Anlagenbauers MCE, sei die Obergrenze. Ein "ganz großer Schlag" sei nicht zu erwarten, sagte Koch. Von den Regionen her liegt der Schwerpunkt neben Nordamerika in Asien. "Wir wollen vornehmlich in nicht-europäischen Wirtschaftsräumen wachsen", ergänzte er. Der bisherige Umsatzanteil Europas von 80 Prozent sei zu hoch. In Asien liege das Augenmerk vor allem auf Indien, wo Bilfinger schon mit dem Industriedienstleister Neo Structo und der niederländischen Ingenieurfirma Tebodin vertreten ist. Oftmals müsse Bilfinger nicht selbst auf die Suche gehen, sondern die Übernahmekandidaten klopften an: "Zu uns kommen potenzielle Verkäufer oder Unternehmen, die Interesse an einer Übernahme haben - wir sagen häufiger Nein als Ja."

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