Erste Details zum Fall Zumwinkel: Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Chef der Deutschen Post nach eigenen Angaben wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in Höhe von einer Million Euro. Zumwinkel ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Doch nicht nur ihn haben die Fahnder im Visier.
ke/HB BOCHUM/KÖLN. Dem Post-Chef Klaus Zumwinkel wird von der Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung von rund einer Million Euro vorgeworfen. Die Ermittlungen richteten sich gegen mehrere Verdächtige im Zusammenhang mit Geldanlagen in Liechtenstein, teilte die Staatsanwaltschaft Bochum mit. Sie ist sich ihrer Sache sicher. "Für einen Haftbefehl benötigt man einen dringenden Tatverdacht", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück dem Handelsblatt. In Ermittlerkreisen heißt es, außer Zumwinkel selbst sollen auch "Familienangehörige" in den Fall verwickelt sein. Von der Ehefrau von Zumwinkel ist die Rede.
Bei Zumwinkel, dessen Privat- und Büroräume am Morgen durchsucht wurden, gehe es um einen Betrag von einer Million Euro, sagte ein Sprecher der Behörde. Ein Haftbefehl gegen Zumwinkel sei nicht vollstreckt worden, weil der Manager sich kooperativ gezeigt habe und zudem eine Sicherheitsleistung "in nicht unerheblicher Höhe" angeboten habe.
Bild für Bild: Wo Zumwinkel überall die Strippen zieht
Die Fahnder waren gegen 7 Uhr mit unauffälligen Zivilfahrzeugen vor Zumwinkels Villa vorgefahren. Gut fünf Stunden später sperrten uniformierte Polizei die Straße vor dem Haus ab, anschließend verließ Zumwinkel das Haus und stieg in ein ziviles Polizeifahrzeug. Kurz darauf verließen auch die Fahnder den Ort. Zu den durchsuchten Orten gehörte nach Angaben einer Post-Sprecherin auch das Büro des Managers in der Konzernzentrale.
Der größte Einzelaktionär der Post, der Bund, reagierte zunächst zurückhaltend. "Das haben wir nicht zu kommentieren", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Das sei eine Sache der Staatsanwaltschaft.
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Zumwinkel steht seit 19 Jahren an Spitze der Post. In seine Ära fällt der Börsengang des einstigen Staatskonzerns und die Verwandlung des eher trägen Monopolisten in ein weltweit agierendes Logistikunternehmen. Der Vertrag des 64-jährigen läuft Ende des Jahres aus. Zumwinkel ist außerdem noch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom,
Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Lufthansa
und Mitglied des Board of Directors der US-Investmentbank Morgan Stanley.
Bild für Bild: Die Razzia in Köln-Marienburg
Allerdings hatte der Manager nicht immer eine glücklich Hand bei seinen privaten Finanzgeschäften. Erst im Dezember vergangenen Jahres sorgte Zumwinkel für Negativ-Schlagzeilen, als er den Höhenflug der Postaktie nach dem "Ja" zum Mindestlohn nutzte, Post-Aktien aus einem Optionsprogramm im Wert von 4,7 Millionen Euro zu verkaufen. Zumwinkel hatte angesichts der Kritik später eingeräumt, er habe einen Fehler gemacht und die Tragweite seiner Verkaufsentscheidung nicht bedacht.
Anwälte äußern in Zusammenhang mit den jüngsten Vorwürfen Zweifel an Zumwinkels Täterschaft. Er hätte unproblematisch von der vor wenigen Jahren durchgeführten Amnestie für Steuersünder Gebrauch machen können. "Der ist eigentlich zu schlau für eine solche Tat", heißt es in Anwaltskreisen. Steuerfahnder hingegen verweisen darauf, dass viele Täter sich ihrer Sache zu sicher seien. "Es gibt immer welche, die glauben, niemand kommt ihnen auf die Schliche", sagte ein mit dem Zumwinkel-Fall betrauter Fahner. Es sei auch in den Bankenverfahren nicht selten vorgekommen, dass Täter bis zuletzt gehofft hätten davonzukommen.Die Post-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachricht von der Razzia bei Zumwinkel. Händler erklärten, der Markt spekuliere auf den Abschied des Managers. "Zumwinkel gilt als Bremser", sagte ein Börsianer unter Hinweis darauf, dass ein neuer Konzernchef der Aktie neuen Schwung geben könnte.
Die Deutsche Post
hat Gerüchte über einen Rücktritt ihres Chefs jedoch zurückgewiesen. "Wir dementieren die Spekulationen, dass Herr Zumwinkel zurückgetreten ist", sagte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag.

