
LondonJahrelang war es für Stephen Kaufer eine Frage der Ehre, die Nummer eins zu sein. Weltweit hat das der Mitgründer und Chef des Reisebewertungsportals Tripadvisor auch geschafft. Aber nicht in Deutschland, dem größten Reisemarkt Europas. Hier liegt Holidaycheck vorn. Und daran wird sich nach Meinung der Branche so bald auch nichts ändern.
Kaufer jedenfalls hat im Streben an die Spitze anscheinend resigniert. „Deutschland ist für uns der schwierigste Markt in Europa“, sagt er. Holidaycheck werde hier immer mehr Seitenaufrufe und Nutzer haben. Aber, so fährt er fort, es sei auch ein Reiseportal mit einem anderen Geschäftsmodell.
Das bestreitet Holidaycheck allerdings: „Wir sind beides Reisebewertungsportale, die von Vermittlungsentgelten leben“, sagt Deutschland-Chef Patrick Feil. Die Internettochter des Medienkonzerns Burda, die vom Schweizer Ufer des Bodensees operiert, gibt sich selbstbewusst. „Es gelingt uns sogar, den Abstand zu Tripadvisor zu vergrößern“, sagt Feil.
Die Zahlen geben ihm recht: Nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) verzeichnete Holidaycheck zuletzt im Dezember 12,9 Millionen einzelne Nutzer (Unique User). Tripadvisor hingegen kam mit sechs Millionen Einzelbesuchern nicht einmal auf die Hälfte.

Doch es gibt einen kleinen Trost für den unterlegenen Anbieter: Laut Kaufer ist die deutsche Tochter zumindest profitabel. Außerdem wachse sie. Zahlen für einzelne Länder veröffentlichen die Amerikaner aber nicht.
Doch auch der Konkurrent aus dem Hause Burda mit seinen 300 Mitarbeitern baut sein Geschäft aus. Mittlerweile zählt das Reisebewertungsportal mehr als zwei Millionen Einträge und hat über 80000 Fans auf dem Freundeportal Facebook. Teilweise erzielte der Holidaychef Umsatzsprünge von 50 Prozent – auch wenn Feil vornehm von „zweistelligem Wachstum“ spricht.