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Kaufverhalten: Ostdeutsche kaufen lieber bei Netto als Aldi

exklusivDas Kaufverhalten von West- und Ostdeutschen zeigt große Unterschiede. Die Deutschen kaufen zwar am liebsten bei Discountern, doch während im Westen Aldi häufiger angesteuert wird, ist Netto im Osten beliebter.

Ein Einkaufswagen an einer Aldi-Nord-Filiale. Quelle: dapd
Ein Einkaufswagen an einer Aldi-Nord-Filiale. Quelle: dapd

DüsseldorfDas Einkaufsverhalten von Discount-Kunden unterscheidet sich deutlich zwischen Ost- und Westdeutschland, zeigt eine Studie, die Handelsblatt Online vorliegt. Zwei Drittel der Deutschen kaufen regelmäßig bei Discountern – doch regional steuern die Kunden unterschiedliche Läden an. Wie eine Umfrage des Instituts für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung (IMK) zeigt, ist in Ostdeutschland Netto der beliebteste Discounter – mit Abstand vor der Konkurrenz.

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In ihrem Buch „Aldi - welche Marke steckt dahinter“ testet Martina Schneider das Aldi Sortiment, von Süßigkeiten bis zu Hygieneartikeln. Die Produktklassiker und ihre Firmenverflechtungen: Quelle: picture-alliance/dpa
In ihrem Buch „Aldi - welche Marke steckt dahinter“ testet Martina Schneider das Aldi Sortiment, von Süßigkeiten bis zu Hygieneartikeln. Die Produktklassiker und ihre Firmenverflechtungen: Quelle: picture-alliance/dpa

Mehr als ein Viertel der Ostdeutschen steuert die Kette regelmäßig an, Aldi und Lidl hingegen nur jeder Fünfte. Im Westen dominiert – der Befragung von 2000 Supermarkt-Kunden zufolge – hingegen Aldi. Vier von zehn Käufern, nennen die Kette als Ort, an dem sie einkaufen. Bei Lidl kauft nicht einmal jeder Vierte und bei Netto nur jeder Zehnte.

Netto hat über 4000 Filialen und ist in Ostdeutschland stark vertreten. Die dort ebenfalls vertretene Kette Aldi Nord hat deutschlandweit über 2500 Filialen, davon etwa 750 in den fünf östlichen Bundesländern und Berlin.

Warum Aldi billig ist

  • Es ging ums Sattwerden

    Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

  • Zahl der Artikel

    Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

  • Das oberste Gebot

    Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

  • Die Revolution

    Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

  • Markenartikel? Nein, Danke!

    Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

  • Aldis Problem

    Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

  • Harte Gespräche mit Lieferanten

    Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

  • Die große Verlockung

    Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

  • Das Preisdiktat

    Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

  • Wie preissensibel ist der Kunde

    Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Auch bei der Kundenstruktur gibt es der Studie im Auftrag der MDR-Werbung zufolge Unterschiede. „Je älter die Befragten im Osten werden, desto lieber kaufen sie beim Discounter. Im Westen ist es dagegen genau umgekehrt“, sagt  IMK-Geschäftsführer Sören Schiller. Während zwei von drei Ostdeutschen bis 29 Jahre regelmäßig bei Discountern einkaufen, sind es im Westen drei bis vier. In der Altersgruppe ab 65 Jahre sind die Verhältnisse fast umgekehrt. Ein Grund für die Unterschiede könnte darin liegen, dass in Ostdeutschland die Kunden weniger häufig pro Woche einkaufen als in den westlichen Ländern.

Brand-Index 2012 in Bildern Die beliebtesten Marken der Deutschen

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  • 24.01.2013, 00:24 UhrBrutto

    Laut eigener Homepage www.netto.de beschäftigt der Discounter Netto in Deutschland ca. 4000 Mitarbeiter. Da muss ich die im Artikel genannte Zahl von über 4000 Filialen doch sehr stark anzweifeln! Oder auf welches Gebiet bezieht sich diese Angabe?

  • 24.01.2013, 00:10 UhrFindeisen

    Welcher Netto ist denn eigentlich gemeint? Der schwarze Netto oder der rote Netto?
    Der schwarze Netto ist in Westdeutschland ja kaum bis gar nicht vertreten.

  • 23.01.2013, 14:15 UhrGandhi

    es gibt zudem 2 verschiedene "Nettos" in good old germany.
    die eine zentrale ist ist maxhütte, die andere, unabhängig von der ersteren, in stavenhagen.
    liebes hb, bitte etwas genauer !

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