Die Verhältnismäßigkeit der Abmahnungen dürfe in einzelnen Fällen hinterfragt werden, hieß es dazu beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Zudem sei zweifelhaft, ob sich Media Markt mit der neuerlichen Abmahnwelle in der öffentlichen Wahrnehmung einen Gefallen tue, sagt Roland Fesenmayr, Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce im BVDW.
Eines dürfte klar sein: Mit Service und guten Preisen wird es für den Branchenprimus immer schwerer, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Marktbeobachter berichten, dass die Billig-Märkte der MSH beispielsweise bis in den Sommer überproportional von der Absatzflaute bei PCs betroffen waren. Noch im Sommer habe Saturn die Annahme einzelner Computer-Bestellungen komplett verweigert, Media Märkte hätten die Annahme teilweise zumindest verschoben, heißt es in der Branche. Das komme zwar im Handel immer wieder mal vor, berichtet ein intimer Kenner des Geschäfts, "aber dass das nun auch Media-Saturn betrifft, ist doch markant".
Wettbewerber berichten zudem, dass auch die einst so erfolgreichen Werbebroschüren der MSH-Märkte an Zugkraft verloren haben. "In Spitzenzeiten haben Lieferanten teils mehr als 20 000 Exemplare von den Produkten abgesetzt, die auf den Titelseiten der ,Geiz-ist-geil‘- oder ,Ich-bin-doch-nicht-blöd‘-Flyer beworben wurden", heißt es aus dem Markt.
Mittlerweile sollen die Verkaufszahlen vielfach nur noch vierstellig sein, berichten Multimediaexperten im Handel. Der Inlandsumsatz von MSH stieg zwischen Januar und September zwar leicht um 2,6 Prozent, flächenbereinigt, also ohne Neueröffnungen, sieht das mit minus 2,4 Prozent deutlich düsterer aus. Und es wird für die Ingolstädter in Deutschland immer schwieriger, Geld zu verdienen. Zwischen Januar und September stieg zwar der Gewinn vor Zinsen und Steuern der gesamten Media-Saturn-Gruppe von 196 auf 234 Millionen Euro um fast 20 Prozent, doch wie viel davon im Inland erwirtschaftet wird, darüber schweigt die Metro.
Marktbeobachter führen den Umsatzrückgang auch darauf zurück, dass insbesondere komplexe Endgeräte wie High-End-Flachfernseher bei den Kunden gefragt sind. "Dank des aktuellen Technologiewechsels wächst dieser Markt im Wert um 25 Prozent über dem September des letzten Jahres", sagt Handelsexperte Gunter Redwitz von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).
Gerade diese beratungs- und serviceintensiven Waren aber scheinen die Kunden lieber bei klassischen Fachhändlern zu kaufen als bei Media Markt oder Saturn. "Unsere Verkäufe wachsen gerade in dem Segment schneller als der Markt", berichten übereinstimmend führende Manager von den großen mit den MSH-Märkten konkurrierenden Fachhandelsketten. Untermauert wird das durch Zahlen der GfK. Die GfK-Experten ermittelten bei der sogenannten Braunen Ware, also bei Radios, Stereoanlagen und Fernsehern, ein branchenweites Umsatzplus von Januar bis September von elf Prozent, bei Weißer Ware, also bei Kühlschränken, Waschmaschinen oder Trocknern, einen Zuwachs von sieben Prozent.
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