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„Kollaps“-Warnung: Kapazität von Hauptstadtflughafen fragwürdig

Laut eines Zeitungsberichts warnt ein neues Gutachten vor „massiven Engpässen“ bezüglich der Kapazität des künftigen Hauptstadtflughafens. Die Situation an den Gepäckbändern könne gar „zum Kollaps“ führen.

Check-in Schalter im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens. Quelle: dpa
Check-in Schalter im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens. Quelle: dpa

BerlinLaut einem neuen Gutachten sind die Gepäckbänder auf dem künftigen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER) schon bei der Eröffnung maximal ausgelastet. Die "Bild"-Zeitung zitierte am Freitag aus einem internen Gutachten des "Airport Research Centers" (ARC) Aachen, das vor "massiven Engpässen sofort nach der geplanten Inbetriebnahme 2013" warnt.

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"Die Anzahl an Gepäckbändern ist für die Verkehrslast der Wintersaison 2013 nur eingeschränkt ausreichend, da keinerlei Systemreserven zur Verfügung stehen", zitierte die Zeitung aus der ARC-Studie. Bereits ein Ausfall von einem der acht Gepäckbänder wäre demnach ein "Desaster". In diesem Fall schlössen die Gutachter einen Betriebsausfall ("system break") nicht aus. Verzögerungen bei der Gepäckauflage oder Einreisekontrolle würden "zum Kollaps" führen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

  • 1990er Jahre

    Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
    Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

  • 2004-2005

    August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
    April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

  • 2006-2008

    März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
    Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
    Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

  • 2010-2011

    Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
    Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

  • Januar 2012

    Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

  • Mai 2012

    Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

  • August 2012

    Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

  • September 2012

    Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

  • Januar 2013

    6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
    16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

  • Februar 2013

    13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
    19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

  • März 2013

    4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
    7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
    8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Der Flughafen erklärte auf Anfrage der "Bild": "Planung und Realisierung zusätzlicher Gepäckabgabebänder können nach Eröffnung im Bedarfsfall zeitnah vorgenommen werden."

Erst im November hatte ein Gutachten davor gewarnt, dass BER für die Zahl der erwarteten Passagiere zu klein geplant sei. "Die Kapazitäten des neu errichteten Flughafens liegen deutlich unterhalb der Nachfrage", hieß es in dem Gutachten der "FDC Airport Consulting" aus Offenbach, das die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag beauftragt hatte. Die Flughafengesellschaft wies die Kritik damals als "unbegründet" zurück.

Hauptstadtflughafen Neue Planungspannen und Baumängel

Ein neuer interner Bericht listet neue Planungspannen und schlimme Baumängel auf.

Der Flughafen soll Ende Oktober 2013 eröffnet werden, nachdem seine Inbetriebnahme mehrfach verschoben wurde. Auch der neue Starttermin wurde bereits mehrfach öffentlich angezweifelt, zuletzt von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

 

  • 06.01.2013, 20:43 Uhrrainer.riewe

    Warum haben die Berliner nicht so viel Geduld wie die Kölner?
    Die haben ja auch 600 Jahre warten müssen bis der Dom fertig war.

  • 04.01.2013, 14:17 UhrMikeBerlin

    So ein krankes Gebilde wie der BER, den kann man eigentlich nur abreissen. Ich würde mich gefährdet sehen von dem BER abzufliegen, da ich glaube, dass die Pleiten, Pech und Pannen nach Eröffnung nicht aufhören.

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