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Konjunktur: Abwrackprämie erzürnt den Handel

Die Abwrackprämie treibt Deutschlands Verbraucher in die Autohäuser - und vergrätzt den klassischen Einzelhandel. Im Januar ließen die Kunden weniger Geld in den Geschäften, trotz gesunkener Preise. Die Regierung will die Vorschriften für die Prämie derweil nochmals ändern, damit auch Interessenten für Autos mit langen Lieferzeiten nicht leer ausgehen.

Einkaufszentrum in Regensburg: "Der Staat lenkt Konsummittel in den Autohandel um". Quelle: dpa
Einkaufszentrum in Regensburg: "Der Staat lenkt Konsummittel in den Autohandel um". Quelle: dpa

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Zählten die Ladeninhaber im Dezember noch 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr in ihren Kassen, blieben im Januar die Kunden aus. Im Vergleich zum Januar 2008, sei am Jahresanfang 1,2 Prozent weniger bei den Ladenbesitzern gelandet, meldete das Statistische Bundesamt. "Der Staat lenkt seit Jahresbeginn die Konsummittel in den Autohandel um", moniert Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Die Subventionspolitik der Bundesregierung sorge für ärgerliche Marktverzerrungen.

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"Geht es der Autobranche schlecht, geht es uns gut", weiß auch Toom-Geschäftsführer und Baumarkt-Verbandspräsident Georg Rothacher, schließlich könnten die Menschen ihr Geld nur einmal ausgeben. Dank Abwrackprämie, so steht zu befürchten, könnte sich das Pendel wieder in die andere Richtung bewegen.

Die Sorgen der Einzelhandelsverbände sind berechtigt. Die Verschrottungsrichtlinie, von der Bundesregierung am 14. Januar verabschiedet, verspricht jedem Neuwagenkäufer 2 500 Euro Prämie, sofern er seinen mindestens neun Jahre alten Wagen zum Alteisen befördert. Insgesamt 150 000 Anträge seien bis Ende Februar eingereicht worden, erklärte dazu das Bundeswirtschaftsministerium - für Deutschlands Verbraucher eine hohe finanzielle Belastung: Bei einem durchschnittlichen Neuwagenpreis von 15 000 Euro summieren sich die damit verbundenen Ausgaben auf fast zwei Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Januar 2009 setzten Deutschlands Läden zusammen 30 Mrd. Euro um.

Der Einzelhandel scheint im übrigen nicht die einzige Konsumbranche, die seit Jahresbeginn unter Kaufzurückhaltung leidet. Auch über das Touristikgeschäft brach kurz nach Weihnachten die Flaute herein. "Die ersten drei Wochen im Januar lief überhaupt nichts", sagt Dietmar Gunz, Chef des Reiseveranstalters FTI. Norbert Fiebig, Touristik-Vorstand des Kölner Rewe-Konzerns, klagt ebenfalls über ausbleibende Buchungen.

Allein der Kfz-Handel, der von der Einzelhandelsstatistik nicht erfasst wird, hat derzeit Grund zur Freude: Die Abwrackprämie hat den Automarkt im Februar erstmals seit Monaten kräftig angeschoben. So schnellten die Zulassungszahlen im Februar im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel nach oben. Verglichen mit Januar 2009 zogen die Neuzulassungen sogar um 46,7 Prozent an. Dank des subventionierten Schubs sieht es laut Autoverband VDA fürs Gesamtjahr im Inland nicht mehr ganz so düster aus. Die Neuzulassungen in Deutschland, so der Verband, könnten 2009 die Marke von drei Mio. zu überspringen - nach 3,09 Mio. verkauften Autos im Vorjahr.

Inklusive der Kfz-Verkäufe, hat Deka-Bank-Volkswirt Andreas Scheuerle errechnet, werde der private Konsum sogar von Januar bis März gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozentpunkte mehr zunehmen, als er es ohne den künstlichen Kaufanreiz getan hätte. Im Gesamtjahr dürfte er zwar nicht deutlich zulegen, aber immerhin das Wirtschaftswachstum nicht zusätzlich bremsen.

Für den Einzelhandel sehen die Prognosen verhaltener aus. Nominal werde der Umsatz deutschlandweit bestenfalls stagnieren, glaubt der HDE, schlimmstenfalls sogar um ein Prozent nach unten gehen.

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