
DüsseldorfVier Jahre bleibt der Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns durchschnittlich im Amt. Nicht so bei Metro, Deutschlands größtem Handelskonzern: Dort gaben sich sechs Chefkontrolleure in zehn Jahren die Klinke in die Hand - und wenn Jürgen Kluge morgen sein Mandat offiziell niederlegen wird, ist der Posten schon wieder frei.
Kluge geht nicht ganz freiwillig, auch wenn er das offiziell behauptet. Einige Metro-Aufsichtsräte lasten ihm das Chaos um die Vertragsverlängerung für (Noch-)Vorstandschef Eckhard Cordes an. Und ihr Wort hat Gewicht. Spitzenmanager wie Wulf Bernotat (Ex-Eon-Chef), Jürgen Fitschen (Vorstand Deutsche Bank) Klaus Mangold (Ex-Daimler-Vorstand) oder Bernd Pischetsrieder (ehemaliger BMW- und VW-Chef) haben dem Treiben lange zugesehen. "Intriganten-Stadel" war noch eine freundliche öffentliche Schelte für den Metro-Aufsichtsrat.

Deutschlands größter Handelskonzern blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Der Vorstandsvorsitzende der Metro AG, Eckhard Cordes, konnte für 2010 einen Gewinnsprung melden und wird die Dividende erhöhen. Im laufenden Jahr soll der Umsatz weiter wachsen und der operative Gewinn vor Sonderfaktoren um 10 Prozent zulegen. Trotzdem hat der eigentlich stark aufgestellte Konzern einige Probleme. Handelsblatt Online zeigt die Stärken und Schwächen des Metrokonzerns. Foto: AP

Stärke 1: Europameister im Elektonikhandel. Groß ist geil. Mit den scheinbaren Wettbewerbern Media-Markt und Saturn hat sich der Metro-Konzern im Elektronikfachhandel längst die Europameisterschaft erkämpft. Mit einem Umsatz von 20,8 Milliarden Euro lassen die Ingolstädter den Zweitplatzierten, die britische Kette Dixons Store Group (DSG), deutlich hinter sich. Foto: dpa

Die Größe zahlt sich beim Poker um die Preiskondition aus, die Media-Saturn den Lieferanten abringt. Kaum ein Elektronikhändler in Deutschland dürfte bei der Industrie derzeit günstiger einkaufen. Durch aggressive Werbung präsentieren sich die beiden Ketten zudem als Billigheimer, ohne den Kunden tatsächlich hohe Preisabschläge bieten zu müssen. Allerdings gibt es jetzt Streit mit den Media-Saturn-Gründerfamilien Kellerhals und Stiefel, die Metro vorwerfen, sie wolle ihre Sperrminorität im Media-Saturn-Gesellschafterausschuss aushebeln. Foto: dpa

Stärke 2: Ordentliche Kapitalrendite. Das für das Geschäftsvermögen der Metro eingesetzte Kapital verzinst sich deutlich besser, als es die vergleichsweise bescheidene Umsatzrendite vermuten lässt. Der Grund: Die Düsseldorfer genießen bei ihren Lieferanten zwar nur selten die besten Einkaufspreise. Dafür haben ihre zinslosen Lieferantenkredite meist eine deutlich längere Laufzeit als bei der Konkurrenz. Insider berichten, dass viele Rechnungen erst nach zwei Monaten zu bezahlen seien. Foto: ap

Dies aber hat deutliche Auswirkungen auf die Rendite des eingesetzten Konzernkapitals. Analysten von Bank of America/Merrill Lynch entdeckten Erstaunliches, als sie für 2010 den Return on Capital Employed (Roce) errechneten. Hier lässt Metro - bis auf den belgischen Wettbewerber Colruyt und den Portugiesen Jeronimo Martins - sämtliche europäischen Wettbewerber hinter sich. Selbst Tesco, Carrefour und Ahold reichen nicht an die Kapitalrendite der Düsseldorfer heran. Nur Wal-Mart ist besser. Foto: dpa

Stärke 3: Leicht zu exportierendes Ladenformat. Bei seiner Expansion ins Ausland profitiert der Metro-Konzern davon, dass sich seine Cash-&-Carry-Märkte wie kaum ein anderes Handelsformat mühelos ins Ausland exportieren lassen. Weil ein großer Teil der Ware oft direkt die Abholgroßmärkte erreicht, müssen die Düsseldorfer im Ausland mit vergleichsweise wenigen Zentrallagern arbeiten. Foto: dpa

Die schmucklosen Großmärkte sind in ihren Verkaufsräumen standardmäßig mit Hochregal-Lagerflächen ausgestattet. Hinzu kommt, dass die Märkte stets nach dem Baukastensystem entstehen, was die Kosten drückt. Ein neuer Cash-&-Carry-Markt ist schon für 15 Millionen Euro Investitionssumme zu haben - gerechnet auf den prognostizierten Quadratmeterumsatz damit ein Schnäppchen. Foto: dpa

Schwäche 1: Renditeschwache SB-Warenhäuser. Metros größte Problemsparte sind die SB-Warenhäuser von Real. Die Mönchengladbacher Tochter, vor Jahren zusammengewürfelt aus etlichen Zukäufen - darunter Allkauf, Kriegbaum, Wal-Mart Deutschland -, leidet unter chronischer Ertragsschwäche. Allerdings verzeichnete das langjährige Sorgenkind Real 2010 einen operativen Gewinn vor Sonderfaktoren von 132 Millionen Euro nach 52 Millionen Euro im Jahr zuvor. Real kann nun auf einen Verbleib unter dem Konzerndach der Metro hoffen. Foto: dpa

Auch aggresssive Konkurrenten wie Kaufland setzen der Metro-Tochter zu. Fünf Topmanger nacheinander versuchten sich bislang an der Sanierung. Metro-Vorstand Joël Saveuse brachte Real in den letzten beiden Jahren zwar wieder auf den Ertragspfad, von der gewünschten Ebit-Marge von zwei bis drei Prozent ist die Metro-Tochter aber immer noch weit entfernt. Zudem ist Real das einzige Pferd im Stall, das seine Kapitalkosten nicht verdient. Foto: dpa

Schwäche 2: Deutsche Großmärkte verlieren. Metros einstige Ertragssäule, die deutschen Cash-&-Carry-Märkte, werden für den Gesamtkonzern zunehmend zu einer Belastung. Dem Großhändler, der seine Märkte im Schwerpunkt für Kioskbesitzer und Gastronomen öffnet, laufen im Heimatmarkt die Kunden davon. Die Standorte verlieren Umsatz auf vergleichbarer Fläche, weil kleinere Wettbewerber und Discountmärkte die Preise des Marktführers unterbieten. Foto: ap
Deutschlands größter Handelskonzern blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Der Vorstandsvorsitzende der Metro AG, Eckhard Cordes, konnte für 2010 einen Gewinnsprung melden und wird die Dividende erhöhen. Im laufenden Jahr soll der Umsatz weiter wachsen und der operative Gewinn vor Sonderfaktoren um 10 Prozent zulegen. Trotzdem hat der eigentlich stark aufgestellte Konzern einige Probleme. Handelsblatt Online zeigt die Stärken und Schwächen des Metrokonzerns. Foto: AP
So werden einige der Kontrolleure die Sitzung unter Kluges letztmaliger Führung wohl nutzen, um Frust abzulassen und Manöverkritik zu üben. Dazu hatten sie bislang kaum Gelegenheit. Denn Kluge habe trotz zahlreicher Probleme viel zu wenige Sitzungen anberaumt, monieren seine Kritiker.
Auch die neueste Personalspekulation wird morgen ein strittiges Thema sein, obwohl erst auf der Aufsichtsratssitzung zwei Wochen später entschieden wird. Metro-Vorstand Joël Saveuse soll Cordes' Nachfolger werden, heißt es. Anscheinend ist der 58-jährige Franzose aber nur Übergangskandidat, weil er sich eigentlich längst in den Ruhestand verabschieden wollte und sein Vertrag im April 2013 ausläuft. Und: Einige Metro-Kontrolleure auf der Kapitalseite halten Saveuse für den falschen Kandidaten.

Joël Saveuse hat den Ruf eines "Bewahrers", Olaf Koch den eines "Machers" Die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat stützen ihn, weil er bei den Mitarbeitern beliebt ist. Angeblich wird er auch von Großaktionär Haniel, dem gut 34 Prozent der Metro gehören, getragen. Ein Haniel-Sprecher versicherte aber, es gebe keine Vorentscheidung.
Ohnehin wird sich Franz Markus Haniel die Kür des neuen Metro-Chefs vorbehalten wollen. Er will sich Mitte November zum Vorsitzenden des 20-köpfigen Metro-Aufsichtsrats wählen lassen. Das Oberhaupt der 650 Gesellschafter der Familie Haniel stand bereits zweieinhalb Jahre an der Spitze des Gremiums, hatte aber 2010 an seinen Holding-Manager Kluge übergeben. Dennoch hatte Haniel einige der selbstbewussten Metro-Aufseher düpiert.