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„Traumschiff“ in Not

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Viel Charme, wenig Extras

Man sieht das, wenn man mit Konstantin Bissias über Deck streift, vorbei am Pool und ihm zuhört, wie er über sein Schiff und die Pläne der Reederei spricht. Der 41-Jährige stammt aus einer griechischen Familie mit Reedertradition. Bissias, Typ gemütlicher Seebär, verantwortet den Vertrieb und ist damit von Berufs wegen Optimist. Aber auch ihm fällt es schwer, seine Botschaften rein positiv rüberzubringen.

Zu sehr lebt das Schiff vom Charme vergangener Tage, in den Kabinen dominiert das früher vielleicht einmal als edel angesehene Wurzelfurnier, heute wirkt es eher billig. Das Schiff, Jahrgang 1998, ist in der Branche bereits eine alte Dame, entspricht nicht den Standards heutiger Riesenschiffe, auf denen beinahe jeder Gast einen eigenen Balkon hat.

Auf der MS Deutschland lassen sich noch nicht einmal die Gucklöcher in der Kabine öffnen. Die öffentlichen Bereiche kommen dafür umso glamouröser daher: schwere Teppiche in grün oder hellblau, goldene Applikationen, Stuck an den Decken, Kronleuchter. Das Interieur spricht ein spezielles, nicht gerade zukunftsgewandtes Publikum an. Das Durchschnittsalter liegt, so sagen Branchenexperten, bei 62 Jahren.

Ranking Die größten Reedereien der Welt

Platz 10:

434.300 Standardcontainer bewegte die Reederei Mitsui O.S.K Lines nach Angaben des Branchendienstes Alphaliner zum 1.Januar 2012. Das sind 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit landet das japanische Unternehmen auf dem zehnten Platz der größten Reedereien der Welt. Foto: die Alligator Bravery im Hafen von Oakland, Kalifornien

Bild: ap

Und das Schiff ist relativ klein: Gerade 500 Passagiere passen an Bord. Bei 390 Euro Preis pro Tag und Person macht das pro einwöchiger Fahrt 1,36 Millionen Euro Umsatz – höchstens. Kleinigkeiten für die Kreuzer der Konkurrenz, die Schiffe mit über 1000 Kabinen haben.

Zudem belasten Schulden das schwimmende Hotel. Branchenkenner schätzen, dass das Unternehmen immer noch einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an Schulden mit sich rumschleppt. Letztes Jahr wurden sechs Millionen Euro an Schulden fällig.

2011 musste das Schiff für zweieinhalb Wochen in die Werft. Neben Routinechecks verordnete Aurelius-Chef Dirk Markus dem Kreuzer eine Generalüberholung, ließ ein neues Teakdeck und neue Teppiche verlegen, Flachbildschirme einbauen. Mehrere Millionen Euro hat die Reederei bereits in den Aus- und Umbau des Schiffes investiert.

Dennoch scheint die Modernisierung schwierig: „Das Schiff bietet zwar viel Charme, aber wenig Extras. Deshalb kann die MS Deutschland die Preise nicht weiter erhöhen – die Kunden würden einfach auf die größeren, komfortableren Schiffe umsteigen“, sagt ein Kenner des Unternehmens.

Streit um MS Deutschland Deutsche Flagge weht weiter am Heck des Traumschiff

Für manche Fans des ZDF-„Traumschiff“ war der Gedanke unerträglich: Ihre „MS Deutschland“ sollte aus Kostengründen künftig unter der Flagge Maltas fahren. Diese Pläne sind nun vom Tisch, die Reederei lenkte ein.

Streit um MS Deutschland: Deutsche Flagge weht weiter am Heck des Traumschiff

Zwar haben auch andere Reedereien alte Schiffe, etwa Tui Cruises, doch sie haben die Schiffe erheblich umgebaut. Sie haben einen großen Touristikkonzern im Hintergrund, dessen Geschäft auf mehreren Sparten fußt, der mehrere Schiffe besitzt oder auch Hotels. Deilmann aber hatte nur die MS Deutschland.

Als die Schwestern Gisa und Hedda Deilmann 2003 die Reederei aus Neustadt in Holstein nach dem Tod ihres Vaters, dem Unternehmensgründer Peter Deilmann, übernahmen, hatte das Unternehmen in der Zentrale noch 100 Mitarbeiter, 1200 Menschen arbeiteten auf den Schiffen – zehn Flusskreuzfahrern und zwei Hochseeschiffen. 2010, längst in große Finanznöte geraten, verkauften sie an Aurelius. Nur noch die MS Deutschland war übrig.

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Zu den Wahrheiten gehört also auch: Die heile Welt der MS Deutschland zerbrach nicht erst, als der Finanzinvestor an Bord kam. Im Gegenteil: „Mit Aurelius ist vieles besser geworden“, sagt Branchenexperte Oliver Mueller der einen Kreuzfahrtguide herausgibt. „Da sind wieder Unternehmensfachmänner am Werk.“

  • 18.08.2012, 12:08 Uhrfehlerteufel666

    > „Da sind wieder Unternehmensfachmänner am Werk.“

    Beim Handelsblatt sind allerdings keine Fachmänner für deutsche Sprache am Werk - sonst stünde da "Fachleute".

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