
Düsseldorf/KölnDer Rewe-Konzern hat seinen Umsatz 2011 um 3,4 Prozent auf 40,3 Milliarden Euro gesteigert, ein Drittel davon wird im Ausland erzielt. Zu Jahresbeginn 2012 wuchs er von Januar bis März mit 5,1 Prozent noch schneller, wie das Unternehmen am Dienstag in Köln mitteilte. Zusammen mit selbstständigen Einzelhändlern näherte sich der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr mit 48,4 Milliarden Euro sogar der 50-Milliarden-Euro-Marke.
Der Konzerngewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings um fast elf Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Die Restrukturierung des Discounters Penny belastete Rewe mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Zum Netto-Gewinn äußerte sich Rewe nicht - Vorstand Norbert Fiebig signalisierte aber, dass Rewe auch unter dem Strich trotz der Belastungen noch schwarze Zahlen schrieb: Das Eigenkapital sei im vergangenen Jahr um rund 300 Millionen Euro auf 4,7 Milliarden Euro ausgebaut worden.
Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.
Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.
Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.
Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.
Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.
Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.
Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen.
Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.
Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.
Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.
Egal wie günstig ein Produkt ist – die Qualität muss stimmen: Aldi testet wie auch die anderen Discounter ständig seine aktuellen und auch mögliche neuen Produkte. Zudem nützt das tollste Sonderangebot nichts, wenn es um 11 Uhr ausverkauft ist.
Kein Produkt hat bei Aldi eine Existenzgarantie. Jeder Lieferant ist austauschbar. Und das lässt Aldi seine Partner ganz genau wissen. Es herrscht rigorose Preiskontrolle vom Einkauf bis zum Verkauf. Der Kunde entscheidet. Nimmt er ein Produkt nicht (mehr) an, fliegt es aus dem Sortiment. Das gilt besonders für Sonderverkäufe. Schlagen sie nicht ein, bekommen sie keine zweite Chance.
Im Fachjargon heißen sie Zugartikel, die Produkte, an denen Aldi praktisch nichts verdient. Die Marge liegt nahe null, aber sie sind dennoch sehr wichtig. Denn sie locken Kunden in den Laden. Und die Kunden kaufen dann eben auch andere Produkte, wo die Margen entsprechend höher liegen. Die sogenannte Quermarge stimmt also auch bei Zugprodukten.
Regale sind das eine, Vorstelltische das andere. Bei Aldi haben sie eine sehr hohe Bedeutung. Reste gehen hier rasant weg.
Der Filialleiter hat die wesentliche Aufgabe, sein Personal geschickt einzuspannen. Aldi näht hier auf Kante, sprich: Die Personaldecke ist extrem eng. Im Krankheitsfall bricht rasch der Notstand aus, wenn nicht umgehend Ersatz zur Hand ist: verdreckte Böden, unsortierte Regale, Schlangen an den Kassen. Entsprechend sind Filialleiter entscheidende „Produktchefs“ und es gelten hohe Standards.
Heute, in Zeiten der Piep-Piep-Kassen, ist es nicht mehr so wichtig: Aber groß geworden ist Aldi auch wegen einer vermeintlich selbstverständlichen Eigenschaft der Kassiererinnen und Kassierer: Sie kannten die Preise der Produkte auswendig und konnten sie blitzschnell in die Kasse eingeben.
Die Logistik dahinter ist alles andere als einfach: Wie bekommt man all die hohen Bargeldsummen, die sich in den Kassen auftürmen, sicher zur Bank? Das ist die eine Frage, die Discounter wie Aldi lösen müssen. Die andere ist, wie man die Liquidität möglichst schnell reinvestiert. Be einer Umschlaggeschwindigkeit der Waren von 8,5 Tagen und einem Zahlungsziel von 14 Tagen gegenüber dem Lieferanten ist die Ware nahezu zweimal verkauft, ehe sie einmal zu bezahlen ist. Und das mit zwei Prozent Skonto.
Wohin also mit dem Geld? Die erste Antwort lautet: Nicht mehr mieten, sondern kaufen – also die Immobilien, in denen sich die Filialen befinden. Zudem fließt bei Aldi viel Geld in die Familienstiftung. Dort wird es gefahrensicher angelegt. Zudem war Aldi frühzeitig darauf aus, in der Plastikindustrie zuzukaufen.
Aldi ging schon früh einen Weg, der damals alles andere als üblich war und setzte auf eigene Produkte. Die alte Kaufmannsweisheit, dass der Vertreiber nicht selbst produzieren soll, damit er nicht mit Reklamationen überschüttet wird, gilt heute längst nicht mehr. Aber damals war es etwas ziemlich neues. Es begann mit eigenem Kaffee, der in Herten produziert wurde.
Bei Aldi wird alles und ausnahmslos umgetauscht, wenn der Kunde dies wünscht. Jede eingequetschte Tomate und jede Laufmasche. Filialleiter dürfen unter keinen Umständen Einwände erheben.
Die beiden Aldi-Unternehmen brüsten sich damit, nicht zu werben. Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint, schließlich sind die Anzeigen aus den regionalen und überregionalen Zeitungen nicht wegzudenken. Was Aldi meint ist, dass man die Kunden besonders anspricht, also über den Preis argumentiert und auf Mund-zu-Mund-Propaganda setzt.
Einmal im Jahr gibt es den bisweilen gefürchteten Vergleich zwischen Aldi Nord und Aldi Süd. Folgende Zahlen spielen darin die Hauptrolle: Hauptkostenarten bei Personal, Mieten, Energie usw. sowie Anzahl der Filialen, Umsätze und Gesamtkosten.
Bei Aldi gibt es praktisch keine innerbetrieblichen Veranstaltungen. Sozialkontakte erstrecken sich auf den gemeinsamen Einsatz für sprudelnde Umsätze. Als ein Geschäftsführer mal anlässlich der Heirat seiner Tochter Theo Albrecht nebst Gattin Chily einlud und es dort Zusammentreffen mit wichtigen Lieferanten gab, verzog Theo keine Miene. Das Arbeitsverhältnis wurde gelöst.
Das Sorgenkind des Konzerns, Penny, kommt Deutschlands zweitgrößten Lebensmittelhändler teuer zu stehen, obwohl die Discountsparte 2011 beim Umsatz um 3,6 Prozent zulegte. Rewe-Chef Alain Caparros sagte am Dienstag bei der Präsentation der Konzernzahlen nach einem vorab verbreiteten Manuskript: „Es liegt noch ein längerer Weg vor uns, bis Penny in Deutschland insgesamt wieder auf profitablem Kurs ist.“
Penny hat nach früheren Angaben 2011 rote Zahlen geschrieben und ist Deutschlands Nummer vier nach Aldi, Lidl und Netto. Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Erst 2015 werde die Tochter voraussichtlich wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte der zuständige Konzernvorstand Jan Kunath. Rewe hat aber laut Caparros die Kraft, „einen Turnaround wie Penny in Deutschland zu stemmen und zugleich die erfolgreiche Entwicklung unserer Wachstumssparten mit unverminderter Dynamik voranzutreiben“.
Er will Penny nicht zur Disposition stellen: „Es gibt keine Rewe Group ohne Penny in Deutschland.“ Rewe werde sich nicht aus einem Segment zurückziehen, dass 40 Prozent des deutschen Lebensmittelmarkts ausmache. Auch wenn dies vielleicht die härteste Branche im gesamten europäischen Lebensmitteleinzelhandel sei. National wuchs der Umsatz des Discounters allerdings nur um 1,9 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro, während er in den Auslandsmärkten Bulgarien, Italien, Österreich, Rumänien, Ungarn und Tschechien viel stärker um 6,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zulegte.
Bei der Sanierung der Sparte setzt der Handelskonzern auf neue, mit großem Werbeaufwand in den Markt eingeführte Eigenmarken, mehr Frischeprodukte und ein attraktiveres Ladenkonzept. Erste Erfolge seien bereits zu erkennen, sagte Spartenvorstand Kunath. Nach den Umsatzeinbußen der Vergangenheit habe Penny in der zweiten Jahreshälfte 2011 mit einem Umsatzplus von 9,1 Prozent das stärkste Wachstum aller Discounter erzielt. Und auch im laufenden Jahr setze sich der Aufwärtstrend fort. Er gilt allerdings nicht für die Zahl der Filialen in Deutschland, die Rewe im vergangenen Jahr um 100 reduzierte. Dieses Jahr sollen 70 weitere Geschäfte geschlossen werden.
Profitieren dürfte der Konzern bei der Penny-Sanierung davon, dass er seinen Schuldenberg im vergangenen Jahr um 1,3 Milliarden Euro auf 661 Millionen Euro verkleinert hat.
Caparros wies Spekulationen über eine Trennung von der Elektronikkette ProMarkt zurück. „Das ist und bleibt ein Gerücht.“ Rewe habe bei den Toom-Baummärkte gezeigt, dass der Konzern schwächelnde Töchter wieder auf Kurs bringen könne. „In jeder Familie gibt es kranke Kinder und wir haben ein paar kranke Kinder.“
Der Rewe-Chef ließ keinen Zweifel daran, dass er weiter auf Expansion setzt: „Wir wollen und werden die Möglichkeiten zum Wachstum durch Akquisitionen gezielt nutzen.“ Um die Entwicklung anzukurbeln, will er in diesem Jahr 1,4 Milliarden Euro investieren, der Schwerpunkt soll laut Caparros aber auf organischem Wachstum liegen. 2012 sei Rewe gut unterwegs, Umsatz und Rentabilität zu verbessern, sagte der Manager.
Die Tourismussparte, wo Rewe mit ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg, Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC Reisen direkter Verfolger des deutschen Marktführers Tui ist, steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Zum Jahresauftakt 2012 verkleinerte sich das Plus auf rund drei Prozent.
Einen Schub könnte Caparros indes bei den Elektromärkten der Kette brauchen - die Umsätze von Pro Markt, einem Konkurrenten der Metro Tochter Media-Saturn, stagnierten im vergangenen Jahr.
Die gesamte Rewe-Gruppe inklusive der selbstständigen Kaufleute beschäftigt im In- und Ausland 323.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr seien europaweit knapp 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.

@ Tabu
Vielleicht hätten sie vor dem Kommentar den Artikel lesen sollen - Penny gehört zu Rewe.
Und die Tante-Emma-Läden sind verschwunden, weil die Konsumenten auf dem billich-willich Trip sind.
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