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Lebensmittelskandal: 4,5 Millionen Fertigessen enthielten Pferd

Eine französische Firma steht im Verdacht, Etiketten-Schwindel betrieben zu haben und Pferde- als Rindfleisch deklariert zu haben. Das Fleisch soll von einem zyprischen Händler bezogen worden sein. Ein Verwirrspiel.

Der französische Fleischverarbeiter Spanghero in Castelnaudary in Südfrankreich. Quelle: ap
Der französische Fleischverarbeiter Spanghero in Castelnaudary in Südfrankreich. Quelle: ap

Düsseldorf/ParisDie französische Regierung hat einen Schuldigen im europaweiten Pferdefleisch-Skandal identifiziert: Die französische Firma Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, hieß es am Donnerstag aus Paris. Die Firma Spanghero habe sich eines „Wirtschaftsbetruges“ schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon in Paris. Der Firma wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen, wie Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hinzufügte.

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„Ich weiß nicht, wer hinter all dem steckt, aber ich kann ihnen versichern, wir sind es nicht“, sagte allerdings Spanghero-Chef Barthelemy Aguerre, am Freitag dem Sender Europe 1.

Antworten zum Pferdefleisch-Skandal

  • Wie kam der Skandal ans Licht?

    Mitte Januar entdeckten irische Lebensmittelinspekteure bei Routinekontrollen zunächst Spuren von Pferdefleisch in Rindfleisch-Hamburgern. Es ging um Fertigprodukte der britischen Supermarktketten Tesco, Iceland, Aldi (UK) und Lidl (UK). Anfang Februar wurde in einer Fertigungsanlage und in einem Fleischlager in Irland weiteres Rindfleisch mit Pferdefleischspuren entdeckt. Daraufhin ordnete die britische Lebensmittelaufsicht umfangreiche Untersuchungen an. In der Folge wurden mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte auch in Frankreich und Schweden entdeckt. Mittlerweile wurden auch in Deutschland in vielen Fällen falsch deklariertes Pferdefleisch gefunden.

  • Um welche Produkte geht es?

    Es geht um Tiefkühl-Fertigkost aus Hackfleisch, die größtenteils bei Discountern verkauft wird, darunter Rindfleisch-Lasagne, Spaghetti Bolognese und fertige Hamburger-Frikadellen. In den Produkten wurden teilweise zwischen 30 und 100 Prozent Pferdefleisch gefunden.

  • Wie kam Pferdefleisch in den Produktionskreislauf?

    Laut britischen Medienberichten handelt es sich um eine kriminelle „Pferdemafia“ in Rumänien. Das Fleisch wird demnach vor Ort verarbeitet und an französische Fleischverarbeitungsfirmen exportiert, die es nach Firmenangaben ohne Wissen darüber, dass es sich eigentlich um etwas Anderes handelt, als Rindfleisch verarbeitet haben. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass in den Pferdefleisch-Skandal europaweit mehr Unternehmen verwickelt sind, als bislang vermutet. Darunter auch deutsche Hersteller.

  • Welche Firmen sind in welchen Ländern involviert?

    In einem Fall geht es um den Tiefkühlhersteller Findus in Großbritannien (der nichts (mehr) mit Nestlé zu tun hat, auch wenn der Konzern eine gleichnamige Tochterfirma in der Schweiz hat). Er vertreibt Fertigkost der französischen Firma Comigel, die wiederum einen Teil ihres zu verarbeitenden Fleischs aus Rumänien bezieht und damit bei der luxemburgischen Firma Tavola produzieren lässt. Zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 kamen mindesten 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland. Comigel gibt an, das Fleisch vom französischen Lieferanten Spanghero bezogen zu haben. Dieser weist wiederum auf einen rumänischen Zulieferer hin. Eine weitere Spur führt laut französischen Regierungsangaben vom französischen Hersteller Poujol zu einem Händler nach Zypern.

  • Sind die Produkte gefährlich?

    Die Behörden sehen keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr durch den Verzehr von Pferdefleisch. Das Fleisch kann jedoch unter Umständen Spuren von Medikamenten enthalten. Es wird auf Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon getestet. Erste Test-Resultate bestätigen den Verdacht. In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste von Phenylbutazon enthalten. Es wird bei Pferden häufig therapeutisch angewendet, teilweise auch als Doping-Mittel im Pferdesport. In der Medizin ist es ein Medikament gegen Rheuma.

  • Wieso wurden Pferdefleischspuren nicht schon vorher entdeckt?

    In Großbritannien wurde Rindfleisch nach Angaben der Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA in den vergangenen zehn Jahren nicht routinemäßig auf Pferdefleischspuren getestet. Eigentlich sollen solche Fälle durch das Passsystem verhindert werden. Seit 2009 braucht jedes Pferd in der Europäischen Union einen sogenannten Equidenpass, der unter anderem über Herkunft und Impfung des Tieres Auskunft geben soll. In Deutschland werden die Pässe auch durch Pferdezüchter- oder Reitsportverbände vergeben, was das System manipulationsfähig macht.

  • Wie haben die Firmen reagiert?

    Die Firmen haben die fraglichen Produkte sofort aus dem Handel genommen. In Deutschland waren bereits Aldi Nord, Aldi Süd, Eismann, Edeka, Kaiser´s, Kosnum Leipzig, Lidl, Metro, Real, Rewe und Tengelmann betroffen.

  • Wie reagieren die Behörden?

    Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will Konsequenzen aus dem Skandal mit falsch deklariertem Pferdefleisch in Fertigprodukten ziehen. Bei einem Treffen der Verbraucherminister von Bund und Ländern hat sie einen Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan vorgelegt. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg spricht indes von einer dauerhaften Einführung von DNA-Tests für Fleisch auf EU-Ebene.

  • Wie viel Pferdefleisch ist als Rindfleisch verzehrt worden?

    Die Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft wurde. „Das kann man nur sehr schwer feststellen“, sagte der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem in Frankreich suchten die Behörden ältere Lagerbestände von Tiefkühlkost, um Proben zu entnehmen und auch die möglicherweise verwendeten Mengen von Pferdefleisch abschätzen zu können.

  • Wie ist Deutschland betroffen?

    In Deutschland sind seit Mitte Februar Fälle bekannt, in denen Händler mit Produkten beliefert wurden, die Pferde- statt Rindfleisch enthalten. Auch die britische Regierung gerät weiter unter Druck. Ein früherer Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA will schon im April 2011 geholfen haben, einen Brief des größten britischen Pferdefleisch-Exporteurs High Peak Meat Exports an den damals zuständigen Minister aufzusetzen, in dem auf unzureichende Kontrollen in der Pferdefleischverarbeitung hingewiesen wurde.

Spanghero hatte das Fleisch aus Rumänien über einen zyprischen Zwischenhändler bezogen und damit die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte wie Tiefkühl-Lasagne verkauft. Auch in Deutschland hatten Handelsketten wie Rewe und Edeka nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministers Johannes Remmel zwischen fünf und 50 Prozent Pferdefleisch in Produkten nachgewiesen.

Die Ergebnisse stammten aus eigenen Tests der Unternehmen, amtliche Tests lägen noch nicht vor, so Remmel am Freitagmorgen im Deutschlandfunk.

Zum Download Wie Pferdefleisch in die Lasagne kommt

Firmen aus Zypern, Rumänien, Frankreich und Luxemburg sind am Pferdefleisch-Skandal beteiligt. Mit einem Kontrollprogramm will die Europäische Union künftig die Herstellung von Lebensmitteln besser überwachen.

Zum Download: Wie Pferdefleisch in die Lasagne kommt

Supermarktketten in Deutschland nahmen möglicherweise falsch deklarierte Produkte teils bereits vergangene Woche aus dem Verkauf, ohne dies zunächst öffentlich mitzuteilen. Remmel plant daher eine Gesetzesinitiative, die Händler auch bei solchen Verdachtsmomenten zu einer Veröffentlichung der Produktrücknahme verpflichtet.

Der niederländische Geschäftsmann Jan Fasen, der über seine auf Zypern gemeldete Handelsfirma Draap Trading das Pferdefleisch an den französischen Betrieb verkaufte, hat eine einschlägige Historie. Medienberichten zufolge ist er im vergangenen Jahr zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er südamerikanisches Pferdefleisch als deutsches Rindfleisch deklariert hatte und nach Frankreich verkaufte.

Pferdefleisch in Europa

  • Keine genauen Zahlen

    Wie viel Pferdefleisch die Europäer genau verspeisen, ist schwer zu sagen. Die Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat sind nur bedingt aussagekräftig. Die europäischen Statistiker erheben nur Zahlen für Esel, Maultier, Maulesel und Pferd zusammen – der Großteil davon entfällt jedoch nach Angaben der EU-Behörde auf Pferdefleisch.

  • Italiener mit Appetit auf Pferd

    Besonders Italiener essen die Vierbeiner demnach gerne. Ein Kilo pro Kopf und Jahr aßen die Bürger des Mittelmeerlandes. Die jüngsten Zahlen sind jedoch aus dem Jahr 2007 und zudem lückenhaft. Die EU-Länder müssen diese Werte nämlich nicht an Eurostat melden. Für Bulgarien etwa liegen gar keine Zahlen vor.

  • Luxemburger mögen Ross

    Auch Luxemburger haben Appetit auf Ross: Knapp 680 Gramm aßen die Bürger des Großherzogtums pro Kopf und Jahr. In Frankreich waren es rund 350 Gramm. In Deutschland ist es deutlich weniger: Eurostat kommt auf durchschnittlich 40 Gramm, die Verbraucherzentrale Hamburg hatte 50 Gramm pro Person und Jahr errechnet.

  • Import aus aller Welt

    Europa importiert Pferdefleisch vor allem aus Kanada, Mexiko und Argentinien, erklärt die EU-Kommission. Eurostat zufolge wurden im Jahr 2011 rund 28 330 Tonnen zum Konsum importiert – dabei geht es aber wiederum um Sammelzahlen für Esel, Maultier, Maulesel und Pferd.

Dem Guardian sagte Fasen, er habe alle Lieferungen als Pferdefleisch verkauft und weist im jüngsten Fall alle Schuld von sich. Der Zeitung zufolge bestätigt eine Rechnung, dass Draap Trading eine Lieferung über 18,5 Tonnen Pferdefleisch abgerechnet habe.

  • 16.02.2013, 14:36 UhrSteinweg

    @ mannDesFriedens
    Jahrzehntausende lang gibts Lamm-Karree, Entenbraten und Wildschweinbraten. Dass der Verzicht ein Fortschritt sein soll ?

  • 15.02.2013, 16:36 UhrMannDesFriedens

    Ich bin froh, seit über 33 Jahren keinerlei Tiere mehr zu essen, die ganzen Skandale erzeugen bei mir nur noch ein Kopfschütteln. Fleischessen hat in einer zivilisierten Gesellschaft eigentlich nichts zu suchen. Es ist überflüssig, teuer, umweltschädigend, ungesund und verusacht Leid und Hunger. Wir können es uns nur noch leisten auf Kosten derer, die sich nicht wehren können. In den nächsten 25-30 Jahren werden wir entweder auf mind. 50% Fleisch verzichten müssen oder damit leben, dass unsere Erde zerstört wird und doppelt so viele Menschen und mehr als heute hungern und verhungern werden. Leider kann man jahrzehntelang Fleisch essen, bevor man davon krank wird. Daher machen sich die wenigsten darüber Gedanken, verursachen durch ihre Ess"lust" dauerhafte Schäden, die unsere Enkel vor unlösbare Probleme stellt. Der nächste Krieg wird um Nahrung, Wasser und Land gehen und von denen geführt werden, die Fleisch als Grundrecht ihrer Bürger sehen und dafür in Kauf nehmen, dass andere Menschen deshalb von ihrem Land vertrieben werden oder verhungern.

  • 15.02.2013, 13:20 UhrDer_Henker


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    Pferdefleisch ist gesünder als das eklige Schweinefleisch .

    Warum wohl essen die Moslems kein Schweinefleisch .

    Hier wird wieder aus einer Kleinigkeit ein Staatsaufstand .

    Warum ist das deutsche Blödvolk beim Euro u. ESM nicht auf
    die Barrikaden gegangen ?

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