03.12.2004

Schwarz Gruppe nennt erstmals Zahlen: Lidl-Betreiber bricht das Schweigen

Die Konzernmutter des Lebensmittel-Discounters Lidl hat am Freitag erstmals überhaupt Umsatzzahlen veröffentlicht. Die Schwarz Gruppe hat damit ihr jahrelanges Schweigen gebrochen.

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Eine Frau trägt eine Plastiktüte des Lebensmittel-Discounters Lidl. Foto: dpaLupe

Eine Frau trägt eine Plastiktüte des Lebensmittel-Discounters Lidl. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Wie ein Firmensprecher am Freitag mitteilte, rechnet die Gruppe einschließlich Lidl im laufenden Geschäftsjahr 2004 mit einem Umsatz von insgesamt rund 36 Mrd. € und damit deutlich mehr als bislang vermutet.

„Wir haben innerhalb von drei Jahren den Umsatz um 44 % gesteigert und rechnen für 2004 mit einem Umsatz von 36 Mrd. €“, sagte Hermann Zimmermann, der ab sofort für die Gruppe spricht. Detaillierte Zahlen für einzelne Sparten wie den Discounter Lidl wollte Zimmermann nicht nennen. Nach bisherigen Branchenschätzungen kam die Schwarz Gruppe im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 32 Mrd. € und dürfte in diesem Jahr nicht wesentlich darüber liegen.

Nach Aussage des Sprechers haben sich Lidl-Gründer Dieter Schwarz und Lidl-Geschäftsführer Klaus Gehrig zu einer offeneren Kommunikationspolitik entschlossen. „Die Politik der Vergangenheit ist nicht mehr zeitgemäß und einem Unternehmen dieser Größe und dieser Bedeutung nicht angemessen“, sagte Zimmermann. Die Gruppe werde im kommenden Frühjahr erstmals überhaupt ein Pressegespräch veranstalten.

Die Gewerkschaft Verdi will noch vor Weihnachten ein so genanntes „Schwarzbuch“ über den Discounter Lidl veröffentlichen, in dem Beispiele für eine angeblich „menschenunwürdige Behandlung“ der Mitarbeiter dokumentiert sind. Dies sei aber nicht der Auslöser für die neue Kommunikationsstrategie der Schwarz-Gruppe gewesen, betonte deren Sprecher. „Das ist kein Strohfeuer oder eine schönfärberische PR-Kampagne, sondern eine langfristige, strategische Entscheidung.“ Ziel sei es, die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Erfolg des Unternehmens und dessen öffentlichem Ansehen zu verringern. „Lidl ist vermutlich eines der erfolgreichsten Unternehmen der Nachkriegsgeschichte, nur weiß das kaum jemand.“

Bislang hatte die Schwarz-Gruppe noch nie eine konkrete Geschäftszahl veröffentlicht, weshalb die bisherigen Umsatzangaben nur auf Schätzungen beruhen. Das Branchenblatt M+M Eurodata hatte den Umsatz der Schwarz-Gruppe 2004 auf rund 32 Mrd. € geschätzt, wovon rund 22 Mrd. € auf das reine Lebensmittelgeschäft entfallen. Im Lebensmittelhandel rangiert die Gruppe damit in Deutschland bislang auf Rang fünf, unter Einbeziehung des gesamten Umsatzes auf Rang sieben.

Zur Schwarz-Gruppe gehören neben fast 2500 Lidl-Discountmärkten unter anderem noch 452 Kaufland, MarktKauf- und Concord-Verbrauchermärkte sowie 17 Ruef-Großhandelsmärkte. Nach eigenen Angaben beschäftigt die Gruppe insgesamt 151 000 Mitarbeiter in 19 Ländern, davon rund 33 000 in Deutschland. In den vergangenen drei Jahren hätten Lidl und Kaufland alleine in Deutschland 20 000 neue Jobs geschaffen und damit mehr als jedes andere Unternehmen, hob der Sprecher hervor.

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