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Lizenzgebühr kommt: Preisexplosion beim Warentest-Siegel

exklusivWer bislang ein Produkt mit einem Siegel der Stiftung Warentest bewerben wollte, musste 500 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Nach Informationen des Handelsblatt gibt es demnächst einen kräftigen Preissprung.

Titelseite einer Ausgabe von „test“ vor der Zentrale der Stiftung Warentest in Berlin. Quelle: dapd
Titelseite einer Ausgabe von „test“ vor der Zentrale der Stiftung Warentest in Berlin. Quelle: dapd

DüsseldorfOb in TV-Werbespots, in Zeitungsanzeigen oder Internet-Bannern: Firmen werben gerne damit, wenn die Stiftung Warentest eines ihrer Produkt mit einer Note wie „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. „Ein betriebswirtschaftlicher Effekt ist in gewissem Umfang da“, sagt ein Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft zu Handelsblatt Online. Und da die Stiftung um den Nutzen weiß, ist sie selbstbewusst genug, jetzt eine deutliche Preiserhöhung für die Siegel durchzusetzen.

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Nach Informationen des Handelsblatts will die Stiftung zum 1. Juli ein Lizenzsystem einführen. Statt bisher 500 Euro Bearbeitungsgebühr, um mit dem Logo zu werben, sollen dann mindestens 7000 Euro fällig werden. Für diesen Betrag soll es das Recht geben, ein Jahr lang auf Verpackungen, in Zeitungen und Zeitschriften oder im Internet mit dem Gütesiegel zu werben. Zwei Jahre sollen 10.000 Euro kosten, für Fernseh- und Kinowerbung gelten deutlich höhere Sätze. Der ZAW sieht in der Gebührenerhöhung einen Trend von Verbraucherorganisationen „an die Fleischtöpfe der Wirtschaft zu wollen.“

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

  • Rang 10

    Douglas

    Markenwert: 238 Millionen Dollar
    im Vorjahr nicht in den Top 10

  • Rang 9

    Netto

    Markenwert: 262 Millionen Dollar
    minus fünf Prozent gegenüber 2012

  • Rang 8

    Obi

    Markenwert: 283 Millionen Dollar
    plus zwei Prozent gegenüber 2012

  • Rang 7

    Rewe

    Markenwert: 459 Millionen Dollar
    plus 5 Prozent gegenüber 2012

  • Rang 6

    dm

    Markenwert: 485 Millionen Dollar
    plus 19 Prozent gegenüber 2012

  • Rang 5

    Kaufland

    Markenwert: 551 Millionen Dollar
    plus zwei Prozent gegenüber 2012

  • Rang 4

    Media Markt

    Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
    minus drei Prozent gegenüber 2012

  • Rang 3

    Edeka

    Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
    plus fünf Prozent gegenüber 2012

  • Rang 2

    Lidl

    Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
    plus acht Prozent gegenüber 2012

  • Rang 1

    Aldi

    Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
    minus sieben Prozent gegenüber 2012

  • Quelle

    Interbrand, März 2013

Beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) freut man sich, regelmäßig bei den Tests gut abzuschneiden und die Siegel verwenden zu können. Jüngst hätten etwa elektrische Zahnbürsten der Marke Oral-B gut abgeschnitten. „Von der Stiftung selbst haben wir noch keine Informationen über das künftige Modell“, sagt eine P&G-Sprecherin. Doch es könnte möglicherweise „Kategorien geben, wo wir das Siegel nicht mehr einsetzen werden.“ Beim Lebensmittelkonzern Nestlé setzt man das Siegel ebenfalls ein, aber immer abhängig vom Einzelfall. Die angepeilten Preise ließen das Warentest-Siegel dann aber in Konkurrenz zu anderen kostenpflichtigen Siegeln wie Ökotest treten. Und je nach Produkt gebe es unterschiedlich attraktive Siegel – bei Cremes etwa auch Verträglichkeitssiegel.

Die Stiftung Warentest ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Ihr Ziel ist die Förderung des Verbraucherschutzes, ihr Glaubenssatz die Unabhängigkeit. Ihre Einnahmen generiert die Stiftung durch den Verkauf der werbefreien Zeitschriften „Test“ und „Finanztest“ sowie aus den Erträgen des Stiftungskapitals von 50 Millionen Euro.

Lebensmittelhandel in Bildern Diese Händler machen Deutschland satt

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Letzteres ist vermutlich der Grund dafür, warum die Stiftung eine neue Erlösquelle braucht. Das Jahresergebnis für 2012 wird voraussichtlich im Minus liegen. Schuld daran sei die Niedrigzinsphase, sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus dem Handelsblatt. Seinen Berechnungen nach werden die künftigen Lizenzgebühren einen Anteil im einstelligen Prozentbereich des Gesamterlöses ausmachen.

Bedenken, die Stiftung könnte ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn sie mit den Unternehmen Geschäfte macht, weist er zurück. Die Verträge würde nicht die Stiftung selbst abschließen, sondern die gemeinnützige RAL gGmbH. „Wir nutzen die zusätzlichen Einnahmen, um die Unternehmen besser kontrollieren zu können“, sagt Primus. So werde man künftig Nachkontrollen durchführen, um zu verhindern, dass die Hersteller, wenn sie von einem Test erfahren, die Produktqualität kurzfristig erhöhen.

  • 24.04.2013, 11:19 UhrOffstimme

    "Die angepeilten Preise ließen das Warentest-Siegel dann aber in Konkurrenz zu anderen kostenpflichtigen Siegeln wie Ökotest treten."

    Leider schlecht recherchiert: Die Stiftung Warentest erhebt bislang für die Verwendung des Siegels eine Gebühr von 500 Euro. Bei ÖKO-TEST liegt die Gebühr bei 300 Euro zudem müssen die Unternehmen einen Nutzungsvertrag unterschreiben, der Missbrauch ausschließen soll. Mehr dazu kann man hier lesen: http://media.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=label.
    Dort steht auch: "Das Recht zur Nutzung des ÖKO-TEST-Labels für getestete Produkte/Dienstleistungen wird von ÖKO-TEST kostenlos eingeräumt."

    Trotz Nutzungsbedingungen lässt sich aber ein Missbrauch von Labeln leider nicht ausschließen und daran wird auch eine Lizenzgebühr von mehreren Tausend Euros nichts ändern wie von der Stiftung Warentest geplant. Es geht der Stiftung Warentest in erster Linie darum, eine neue und zusätzliche Einnahmequelle zur Finanzierung der Stiftung zu erschließen.

  • 23.04.2013, 20:02 UhrWolfsfreund

    Klar ist das mit den anderen Siegeln nicht optimal. Aber was nützt den Verbraucher SWT, wenn z.B. (Digital-)Kameras (davon verstehe ich halt wirklich was und kann die Ergebnisse fachmännisch beurteilen) so idiotisch beurteilt werden, daß µFT-Modelle vor ausgewachsenen Profi-Cams einsortiert werden? Oder wenn (das war mein erstes Aha-Erlebnis mit dem Verein) eine Vivitar-Plastikknipse vor einer Leica R6 rangiert und argumentiert wird, mit SWT sparen sie 2000 Mark (damals noch)? Oder wenn einer Kamera, die auf die Bewältigung extremer Spitzlichter ausgelegt ist und heute noch in diesem Bereich das Maß aller Dinge ist, eine mangelnde Eingangsdynamik bescheinigt, andererseits aber z.B. Handhabung und Geschwindigkeit moniert werden? Holla!? Das ist nicht Oma Eusebias Taschenknipse, das ist eine lupenreine, hochspezialisierte Profi-Cam.
    SWT ist überhaupt nicht in der Lage, solche Spezialkameras zu testen, geschweige denn, deren Handhabung zu verstehen. Daran scheitern ja ausgewachsene, phototechnische Labore, wie ich leider feststellen mußte.
    Solche Ergebnisse sind, mit Verlaub gesagt, reine Kundenvera***** und absolut unbrauchbar. Wenn man daraus einen Schluß auf die Tests anderer Warenkategorien zieht, dann "Gute Nacht, Marie!"
    Manche Waren können eben nur von echten Experten beurteilt werden, die sie täglich benutzen. Da geht's halt net um Grillkohle, Klopapier oder Staubsauger, sondern um High Tech.
    Just my two cents.

  • 23.04.2013, 19:29 Uhrsons_of_liberty

    Leider ist StiftungWarentest aber noch das Wohl m.M.n. objektivste Siegel welches auf dem Markt ist.

    DLG, QS, Ökotest, EG-Bio und co. sind doch das Papier nicht Wert auf dem sie stehen ...

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