
FRANKFURT. Holzklasse war gestern: Die Zeit des engen Sitzens neigt sich für viele Geschäftsreisende dem Ende zu. Vor allem die Vielflieger atmen auf: Es darf wieder weiter vorn im Flieger und damit komfortabler geflogen werden. Mehr und mehr Unternehmen lockern ihre in der Krise stark eingeschränkten Reiserichtlinien. Das belegen jüngste Zahlen aus der Luftfahrt-Branche.
Nach Berechnungen der Weltluftfahrt-Organisation Iata stieg die Zahl der Passagiere in den Premiumklassen (First und Business) im Juni um 16,6 Prozent und damit deutlich stärker als die der Economy-Reisenden (plus 9,5 Prozent).
"Auch wenn die Unternehmen bei Reisen weiter sparen und genau hinschauen, werden die Regelungen wieder etwas gelockert. Das gilt vor allem für die Langstrecke", beschreibt Michael Fürer, Deutschland-Chef des Reisekosten-Dienstleisters Airplus, die aktuelle Entwicklung. Die ist in den Daten des Dienstleisters eindeutig abzulesen. In den Krisenjahren 2008 und 2009 war der Anteil der Business-Class-Reisen europäischer Unternehmen von 15 Prozent auf neun Prozent gesunken. Seit Jahresbeginn aber steigt er wieder an, auf zuletzt zehn Prozent im Juni.
Die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise hatte den Geschäftsreisen mächtig zugesetzt. Nach Angaben des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) haben deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter im vergangenen Jahr 145 Millionen Mal auf Tour geschickt. Das waren elf Prozent weniger Reisen als 2008. Die Reiseausgaben fielen um zwölf Prozent auf 41 Mrd. Euro.
Mehr als die einbrechende Nachfrage hatte viele Topmanager die ungewohnte Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Entwicklung irritiert. Deshalb hatten sie bei ihren Reisebudgets teilweise radikal die Bremse gezogen. Um bis zu 60 Prozent seien die Ausgaben in einzelnen Firmen gekappt worden, berichten Reisemanager. Beim Softwarekonzern SAP etwa wurden alle Trips ohne einen direkten Kundenkontakt gestrichen.
Dieser Trend kehrt sich nun allmählich um. So registrierte Airplus im ersten Halbjahr 2010 einen Zuwachs bei den Geschäftsreisen in Europa von drei Prozent. Die Ausgaben für Dienstreisen europäischer Firmen stiegen um immerhin sieben Prozent.
Das spiegelt sich in den durchschnittlichen Ticketpreisen wider. Europäische Unternehmen zahlten für ein Flugticket im Juni durchschnittlich 554 Euro. Im Januar waren es noch 508 Euro.