
FrankfurtFlugreisende in Deutschland müssen sich auf eine aufreibende Woche einrichten: Die Gewerkschaft der Flugsicherung berät heute Mittag in Frankfurt über mögliche Streiks der Fluglotsen. Bereits am Mittwoch könnte dadurch der Flugverkehr über Deutschland für mehrere Stunden lahmgelegt werden. Die Lotsen müssen einen Streik mindestens 24 Stunden vorher ankündigen.
Am vergangenen Freitag waren die Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und der Deutschen Flugsicherung für die rund 5.000 Beschäftigten, darunter 1.900 Fluglotsen, ergebnislos abgebrochen worden. Beide Seiten hatten der jeweils anderen die Schuld für das Scheitern gegeben, Streitpunkt waren unter anderem die Beförderungsmöglichkeiten für Fluglotsen. Die Gewerkschaft will nun bei einem Treffen in Frankfurt die Marschroute für das weitere Vorgehen festlegen.
Im Tarifkonflikt der Fluglotsen dienen die hohen Gehälter der rund 1.900 DFS-Lotsen als häufiges Argument gegen einen Streik. Laut Deutscher Flugsicherung (DFS) liegen die Brutto-Jahresgehälter der Lotsen zwischen 72.000 und 130.000 Euro ohne Schicht- und Feiertagszulagen. Die Höhe des Gehalts richtet sich nach Qualifikation und Einsatzort.
Weltweit liegen die deutschen Lotsen mit einem Durchschnittsgehalt von 101.000 Euro weit vorn. Lediglich in Spanien werde fast doppelt so viel gezahlt, heißt es in einer Studie für das Internetportal „Fluege.de“. Lotsen in den USA, der Schweiz, Großbritannien oder Österreich verdienten teils deutlich weniger als die Frauen und Männer in den deutschen Kontrollzentren und Towern.
An den Knotenpunkten des Luftverkehrs sitzen höher dotierte Lotsen, die zudem wegen der stärkeren Belastung kürzer arbeiten müssen. Laut GdF reicht die wöchentliche Arbeitszeit der Lotsen von 32,8 bis 38,5 Stunden. Die sogenannte Mikrofonzeit könne 26 bis 36 Stunden betragen. Im Jahr kämen die Lotsen so auf rund 1.600 Arbeitsstunden und liegen damit leicht unter dem Bundesschnitt von 1.840 Stunden.
Die Flugsicherung bezahlt den Fluglotsen, die bereits mit 55 in den Ruhestand gehen müssen, zudem in regelmäßigen Zeitabständen Regenerationskuren. Bis zur gesetzlichen Rente kommt die DFS für eine Übergangsversorgung auf.
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) überwacht zivile und militärische Flüge im deutschen Luftraum. Nach DFS-Angaben koordinieren die Mitarbeiter täglich bis zu 10.000 Flugbewegungen, im Jahr knapp drei Millionen. Die Lotsen überwachen die Maschinen bei Start und Landung sowie in der Luft. Sie sorgen dafür, dass Flugzeuge auf festgelegten Routen in richtiger Höhe fliegen und Sicherheitsabstände einhalten.
Die DFS ging 1993 als privatrechtlich organisierte GmbH aus der Bundesanstalt für Flugsicherung hervor. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Langen bei Frankfurt hat knapp 5.900 Mitarbeiter in Deutschland und bei Eurocontrol im niederländischen Maastricht, darunter mehr als 1.900 Fluglotsen und Hunderte von Technikern. Die Gewerkschaft der Flugsicherung beziffert die Zahl der bei ihr organisierten DFS-Tarifangestellten auf 2.600.
Weitere Kontrollzentren werden in Bremen, Karlsruhe und München betrieben. Außerdem sitzt die DFS in den Kontrolltürmen der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland. Chef ist bereits seit 1991 der heute 66 Jahre alte Dieter Kaden, dessen Vertrag im kommenden Jahr endet.
Im Jahr 2006 sollte die DFS privatisiert werden. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verweigerte aber die Unterschrift unter dem Gesetz mit der Begründung, dass Flugsicherung nach dem Grundgesetz eine originär staatliche Aufgabe sei. 2009 wurde die Verfassung geändert. Heute kann die Überwachung des Luftverkehrs über Deutschland von der DFS auch an ausländische Flugsicherungs-Organisationen delegiert werden.
An mehreren deutschen Flughäfen drohen aber bereits heute Verzögerungen, weil die Beschäftigten der Bodendienste Betriebsversammlungen abhalten. Der Auftakt ist in Nürnberg. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt erwartet die Gewerkschaft Verdi am Mittag rund 2.000 Beschäftigte zu einer mehr als einstündigen Veranstaltung.