Die Deutsche Lufthansa will im stark wachsenden russischen Luftverkehrsmarkt expandieren und setzt dabei auf einen einheimischen Partner. Den hat sie in der Fluggesellschaft Airunion gefunden, der Nummer zwei nach Aeroflot. Der Kreml hat seine Finger im Spiel.
MOSKAU/DÜSSELDORF. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber wird im Laufe des Mittwochs in Moskau mit Airunion eine Kooperationsvereinbarung über ein Codeshare schließen. Das teilten die Russen am Morgen mit und bestätigten damit Informationen des Handelsblatts. Beim Codeshare teilen sich die Gesellschaften einen Flug, den sie aber jeweils unter einer eigenen Flugnummer (Code) anbieten. Das Verfahren hat den Vorteil, dass die Auslastung der Maschinen steigt und ein größeres Streckennetz aufgebaut werden kann.
Airunion ist die nach Aeroflot zweitgrößte Fluggesellschaft Russlands. Sie ist ein Zusammenschluss von fünf russischen Fluggesellschaften: Krasair, Domodedowo, Omskavia, Samara und Sibaviatrans transportierten 2006 rund 4,9 Millionen Passagiere und machten einen Umsatz von 24,3 Mrd. Rubel (670 Mill. Euro).
Airunion hat nach Meinung Moskauer Analysten zwar viele Fluggäste, aber einen weitgehend veralteten Flugzeugbestand. Nur die in Sibirien beheimatete Krasair sei noch einigermaßen einsetzbar. Sie führe auch internationale Flüge neben ihrem ausgebauten russlandweiten Netz durch. Die ebenfalls sibirische Omskavia fliegt bereits Frankfurt, Hannover und Köln an.
Dem führenden Kopf hinter dem Zusammenschluss, Boris Abramowitsch, einem Namensvetter des Oligarchen Roman Abramowitsch, wird die Restrukturierung aber zugetraut. Präsident Wladimir Putin hatte Airunion im April per Erlass besiegelt. Der Staat ist mit 45 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt.
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Mit der bilateralen Kooperation mit Airunion reagiert die Lufthansa auf eine Absage von Aeroflot. Der russische Marktführer hatte sich 2004 entschlossen, nicht mit der Lufthansa und mit dem Luftfahrtbündnis Star Alliance zu kooperieren. Stattdessen schloss sich Aeroflot dem von Europas führender Fluggesellschaft Air France-KLM dominierten Sky Team an. „Airunion wäre für Lufthansa zweite Wahl, aber deshalb keine schlechte“, sagte ein Branchenexperte.
Als Wachstumsmarkt ist Russland für Lufthansa äußerst wichtig. Schon jetzt ist sie mit 120 Verbindungen pro Woche und neun Zielen die aktivste westliche Fluglinie in Russland. Eine Kooperation mit Airunion würde für beide Partner das Streckennetz um Inlandsverbindungen erweitern.
Frankfurt – Moskau
Die Kooperation soll nach den Branchenangaben über die Drehkreuze Frankfurt und Moskau entwickelt werden. Philipp Goedeking, Luftfahrtexperte der Strategieberatung Roland Berger, würde die Kooperation begrüßen: „Es wäre ein vernünftiger Schritt“, sagte er. Künftig will Lufthansa zudem nicht mehr auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo starten und landen, dem Heimathafen von Aeroflot. Stattdessen wollen die Deutschen auf den Moskauer Flughafen Domodedowo setzen, wo bereits andere Star-Alliance-Fluglinien starten und landen, etwa Thai und Austrian.
Lufthansa, die mit knapp 20 Mrd. Euro Umsatz zweitgrößte Fluglinie Europas, setzt damit ihre Anfang der 90er-Jahre unter dem damaligen Vorstands- und heutigen Aufsichtsratschef Jürgen Weber aufgenommene Strategie fort, mittels Kooperationen international zu expandieren.
Damals wie heute stockte die Konsolidierung in der Luftfahrt auf Grund nationalstaatlicher Interessen und bürokratischer Hürden. Im Übernahmepoker um die zum Verkauf stehenden Fluglinien Alitalia in Italien und Iberia in Spanien hielt sich Lufthansa daher bisher trotz prall gefüllter Kriegskasse mit einem offiziellen Angebot zurück.

