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15.10.2007 
Flughafen Düsseldorf

Lufthansa forciert Dezentralisierung

von Tanja Kewes

Die Deutsche Lufthansa baut den Flughafen Düsseldorf als dritten Standort in Deutschland aus. Mit mehr Langestreckenflügen vom Rhein aus will die Fluglinie ihre Konkurrenz in Schach halten. Die Dezentralisierungsstrategie kommt gerade noch rechtzeitig.

Maschinen der Lufthansa: Von Düsseldorf in die ganze Welt. Foto: dpaLupe

Maschinen der Lufthansa: Von Düsseldorf in die ganze Welt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. „Die Direktflüge nach New York, Chicago und Toronto ab Mai sind erst der Anfang. Wenn die zurzeit hohe Nachfrage weiter besteht, werden wir ab Düsseldorf in den kommenden Jahren mehr Flüge anbieten. Wenn es sich rechnet und Slots verfügbar sind, auch nach Asien“, sagte Christoph Klingenberg, Bereichsleiter dezentrale Strecken, dem Handelsblatt. Den Drehkreuzen Frankfurt und München werde das neue Interkontinentalangebot nicht schaden, da Düsseldorf aus eigener Kraft wachse.

Mit ihrer Strategie reagiert die Lufthansa auf die Konkurrenz im Interkontinentalverkehr, die in Düsseldorf – dem deutschen Flughafen mit dem größten Einzugsgebiet (18 Millionen Menschen) – und an anderen Flughäfen der zweiten Liga Fuß fasst. Am Rhein ist Air Berlin seit der Übernahme der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU der Platzhirsch. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie fertigt mehr Passagiere ab als die Nummer eins Lufthansa und will Düsseldorf zum Drehkreuz mit Langstreckenflügen in die USA und Asien ausbauen.

Fuß gefasst hat in Deutschland auch Emirates. Die Fluglinie aus Dubai verbindet unter anderem Düsseldorf mit Asien, und ab Hamburg geht es nonstop nach New York. Auch die US-Airlines Delta und Northwest heben ab Düsseldorf gen Westen ab. Eine Laus im Pelz der Lufthansa ist auch Finnair, die sich mit ihrer geografischen Lage auf Europa-Asien-Verkehre spezialisiert hat (Flüge via Helsinki sind kürzer). Auch Newcomer wie Jet Airways aus Indien haben Düsseldorf im Visier.

Air Berlin, Emirates und Co. gefährden das Geschäftsmodell der Lufthansa. Seit dem Krisenjahr 2001 bot die deutsche Nummer eins Direktflüge nach Asien oder Amerika nur ab Frankfurt und München an. Anders als Paris oder London sind Frankfurt und München aufgrund der föderalen Struktur Deutschlands aber keine natürlichen Drehkreuze, sondern künstlich geschaffene, die mit Zubringern aus anderen Städten sehr stark gefüttert werden müssen. Das Netzwerk der Lufthansa ist damit komplexer und anfälliger als das zentrierte von British Airways und Air France – und hat auch schon die ersten Risse. Seit 2002 gingen die Buchungen für Zubringerflüge von Düsseldorf nach Frankfurt zurück – nach Informationen des Handelsblatts um rund ein Viertel. Die Flüge wurden deshalb von täglich zehn auf sieben reduziert.„Die Lufthansa hat Düsseldorf und ganz Norddeutschland vernachlässigt – und sich somit angreifbar gemacht“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Fliegt die Lufthansa auch bald von Hamburg, Stuttgart oder Berlin nach Asien oder Amerika?

Die wichtigsten Standorte der Lufthansa in Deutschland. Grafik: HandelsblattLupe

Die wichtigsten Standorte der Lufthansa in Deutschland. Grafik: Handelsblatt

Die Nadelstiche der Konkurrenz schmerzen die Lufthansa – in Aktionismus verfallen die Frankfurter deshalb aber noch nicht. Die Frage, ob die Lufthansa künftig auch von anderen deutschen Flughäfen wie Hamburg, Stuttgart oder Berlin Direktflüge nach Asien oder Amerika anbieten wird, ließ Klingenberg offen: „Wir prüfen immer, was sich rechnet.“ Nach Informationen des Handelsblatts hängt die Entscheidung der Lufthansa maßgeblich davon ab, ob es den Fluglinien aus dem Golf gelingt, mehr Verkehrsrechte zu erlangen. „Hebt Emirates künftig auch aus Stuttgart ab und/oder erhöht in Hamburg die Frequenzen, gerät Lufthansa in Zugzwang“, heißt es.

Die Angriffe auf den Strecken gen Asien und Nordamerika verlangsamen das Wachstum der Lufthansa. Von Januar bis September flogen zwar rund 42,5 Millionen Passagiere mit der Lufthansa – so viele wie noch nie. Zweistellige Wachstumsraten wie bei den Billigfliegern Easyjet oder Emirates schafft sie aber nicht. „Die Lufthansa wächst zwar an allen ihren Standorten, Wettbewerber wachsen aber zum Teil schneller“, hatte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber im Juni bei der Ankündigung von mehr Direktflügen gesagt. Auch die zweistelligen Renditen von Air France und Ryanair erreicht die Lufthansa nicht – für das Geschäftsjahr 2007 erwartet sie aber ein Rekordergebnis. Die Profitabilität soll ab Düsseldorf vom Start weg stimmen. Klingenberg: „Wir werden bereits im ersten Jahr gute Erträge einfliegen.“

Die Dezentralisierungsstrategie der Lufthansa kommt nach Meinung von Analysten zwar spät, aber noch rechtzeitig. „Das Drehkreuz-Konzept der Lufthansa verschwimmt zusehends – aber warum auch nicht, wenn Zuwachsraten und Erträge locken und die Konkurrenz in Schach gehalten wird? Die Verlagerung von Flugzeugen und Crews ist kaum mit zusätzlichen Aufwendungen verbunden“, sagt Pieper. Auch für Uwe Weinreich von Unicredit ist „das Risiko überschaubar“. Der Geschäftsreiseverkehr sei vorhanden. Das habe der Erfolg der Business-Class-Jets nach Chicago und New York gezeigt, die die Lufthansa bisher in Kooperation mit Privat Air geflogen sei. Unverständlich sei nur, warum die Lufthansa dem Treiben der Konkurrenz so lange zugeschaut habe.

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