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Luxusflüge in der Kritik: Der üble Beigeschmack der First Class

Wenn Firmenbosse oder Gewerkschafter auf Erste-Klasse-Reise gehen, gilt der Luxus häufig als verrucht. Für große Airlines bleiben die Komfort-Sitze vor allem ein Statussymbol. Üppige Gewinne bringen sie kaum.

First Class im Airbus A380 der Lufthansa: „Das gesamte First-Class-Produkt ist ein Aushängeschild der Marke“. Quelle: ap
First Class im Airbus A380 der Lufthansa: „Das gesamte First-Class-Produkt ist ein Aushängeschild der Marke“. Quelle: ap

DüsseldorfÜber Rettungspakete für Griechenland, Irland oder Portugal zu entscheiden, hat auch seine angenehmen Seiten. Denn wenn Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf Reisen geht, kann sie aus dem Vollen schöpfen. In ihrem Anstellungsvertrag ist explizit festgeschrieben, dass sie ein Anrecht auf Erste-Klasse-Flüge hat, wenn sie mit dem Flugzeug unterwegs ist. Auch Familienmitgliedern soll der gleiche Luxus gegönnt sein.

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Anders als im Fall Lagarde kann es in der Wirtschaftswelt aber schnell als verrucht gelten, sich Chateaubriand, erstklassigen Rotwein und Liegekomfort auf Langstrecken zu gönnen. Auf der Hauptversammlung des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp in Bochum spielt das heute eine Rolle. Aufgebrachte Aktionäre werden die Gepflogenheiten bei Auslandsreisen von Vorstand und Aufsichtsrat zur Sprache bringen.

First Class So speist und fliegt es sich erstklassig

  • First Class: So speist und fliegt es sich erstklassig
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Denn IG-Metall-Vorstand und Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler hatte sich zu mindestens fünf Luxusreisen einladen lassen, wie das Handelsblatt vor einer Woche berichtet hatte. Eichler flog First Class: zum Formel-1-Rennen nach Shanghai mit der Lufthansa, nach Thailand und in die USA. Mit dem Image eines Vertreters für Tausende Stahlarbeiter passte das nicht überein.

„Aus heutiger Sicht ist es sinnvoll, diese Praxis zu überprüfen“, sagte Eichler und kündigte an, nicht mehr für den Aufsichtsrat zu kandidieren. Am Freitag verteidigte sich Eichler in der „Süddeutschen Zeitung“: Der Aufsichtsrat müsse sich die Milliardeninvestitionen von Thyssen-Krupp im Ausland vor Ort anschauen. „Wenn wir da mal fünf Tage unterwegs sind und mal einen halben Tag eine Sehenswürdigkeit besuchen, dann ist das okay“, sagte Eichler. Erste Klasse müsse man dafür allerdings nicht reisen, räumte der Gewerkschafter ein.

Bilanzcheck zum Download Der große Umbau bei Thyssen-Krupp

Die Handelsblatt-Redaktion hat die Thyssen-Krupp-Bilanz durchforstet und analysiert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger steht – immer noch – vor einer gewaltigen Aufgabe. Die komplette Analyse des Zahlenwerks.

Die Differenz zwischen den Kosten für die Business- und der Ersten Klasse will er erstatten. Während ein Economy-Ticket eher um die 1000 Euro kostet für Hin- und Rückflug auf einer Langstrecke, ist es in der Business Class das drei- bis vierfache und kann in der Ersten Klasse 10.000 Euro übersteigen.

Müssen sich die großen Fluggesellschaften fürchten, dass Reisen im Luxus bei wichtigen Kunden als inakzeptabel gelten und Buchungseinbrüche befürchten? Schließlich hatte vor Jahren bereits Verdi-Chef und Lufthansa-Aufsichtsrat Frank Bsirske Ärger, weil er mit der Airline First Class in die USA flog. 2011 musste sich die Entwicklungshilfeorganisation GIZ fünf First-Class-Flüge des Vorstands rechtfertigen. Und für einen ehemaligen Thyssen-Krupp-Vorstand führten unter anderem Erste-Klasse-Reisen mit Journalisten zum Ende seiner Karriere im Konzern.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

  • Platz 10

    US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

    Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

  • Platz 9

    China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

    Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

  • Platz 8

    Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

    Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

  • Platz 7

    Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

    Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

  • Platz 6

    China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

    Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

  • Platz 5

    Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

    Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

  • Platz 4

    American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

    Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

  • Platz 3

    Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

    Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

  • Platz 2

    United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

    Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

  • Platz 1

    Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

    Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Eine neue Bescheidenheit bekommen Fluggesellschaften bereits zu spüren. Die Zahl der Erste-Klasse- und Business-Class-Passagiere hat noch immer nicht ganz das Niveau vor der Finanzkrise erreicht. Wachstum hat es bis November 2012 laut Daten des Luftfahrtverbands IATA vor allem in Ostasien gegeben. Bei Strecken zwischen Europa und Nordamerika herrschte zuletzt Stagnation – das schmerzt die Airlines, da auf den Nordatlantik-Routen die gehobene Plätze mehr als ein Fünftel zum Umsatz der Routen beisteuern.

Tatsächlich glaubt Jürgen Pieper, Airline-Experte beim Bankhaus Metzler, dass in Firmen selbst Vorstände aus Angst vor Kritik vor First-Class-Buchungen zurückschrecken. Dennoch ist er sich sicher, dass die „Zahl der Kunden über zehn Jahre gesehen eher gewachsen“ ist. Denn Selbstständige und Vermögende fühlten sich von der Ersten Klasse angesprochen.

Flotte der Lufthansa Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie

  • Flotte der Lufthansa: Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie
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  • Flotte der Lufthansa: Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie

Die Lufthansa zumindest verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs bei Buchungen für die First Class, so ein Sprecher gegenüber Handelsblatt Online. Die Lufthansa sei weltweit die drittgrößte First-Class-Fluglinie – und setze weiter auf Kunden, die Luxus wollen.

  • 19.01.2013, 15:36 UhrAxelWeber

    Natürlich werden wir Manager weiter First und Business fliegen. Wir zahlen damit vorn auch so hohe Preise, damit Ihr hinten so billig nach Malle und Pattaya kommen könnt... und diejenigen die hier im Forum dagegen anstänkern weil sie es selbst noch nicht dahin gebracht haben, sollten sich mal überlegen ob das Handelsblatt das richtige Lesematerial für sie ist. (Auto-) Bild, Kicker und Frau im Spiegel wäre vermutlich besser...

  • 18.01.2013, 20:29 Uhrhermann.12

    Sie gehören offensichtlich zur Fraktion der Verständnislosen. Ich frage mich allerdings ob sie überhaupt eine Ahnung haben, wer als Vorstand first class fliegt.
    Ich bezweifle sehr, dass sie Unternehmer eines international tätigen Unternehmens sind, das ständige Intercontinentalflüge erfordert.

    Ich bin ebenfalls Unternehmer, Arbeitnehmer, das war früher. Ich hatte noch nie die Position, um First Class zu fliegen, und die , die die Möglichkeit hatten, das waren wenige Vorstände großer Konzerne, mit denen ich nicht hätte tauschen wollen. Schon gar nicht wegen der Flüge.
    Ansonsten gab es früher in jedem halbwegs anständigen Unternehmen Betriebsfeiern und Ausflüge, sofern die Wirtschaftslage passte, ohne das der Fiskus "geldwerte Vorteile" für sich reklamierte, weil er eine private Veranlassung sah. Was dem Vorstand eines Konzerns seine first Class, ist dem einfachen Mitarbeiter sein Betriebsausflug, oder dem Chef sein Dienstwagen.
    Sobald das Nützliche angenehm wird, steht heute der Fiskus vor der Tür.
    Ich bestreite nicht, das es Übertreibungen und Missbrauch gibt, aber diese pauschale Diskussion ist interessegesteuerte Ausnutzung von Dummheit.

    H.

  • 18.01.2013, 13:28 Uhrzurich99

    Zu B. Giertz:
    "Economy-Class (die ist übrigens auch schon sehr bequem)"

    Ich weiß nicht, wie oft sie Langstrecken in Economy Class geflogen sind, und zwar dienstlich? Es schlaucht sehr, wenn man so eco fliegt und dann auch noch gleich danach arbeiten muß und sich nicht, wie ein Urlauber, erst mal sich erholen kann. Ich habe bis jetzt keine Gesellschaft gefunden, bei der Eco auf Langstrecke bequem war.

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