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Marketing: Werber versprechen Himmel auf Erden

Unternehmen ummanteln ihre Produkte mit religiösen und mystischen Symbolen - und stilisieren sie zu Halbgöttern. Die Sehnsucht nach dem Überirdischen treibt ihre Kreativität. Warum die Strategie funktionieren könnte.

von Catrin Bialek und Markus Scheele
Konsumtempel: Der Apple Flagship Store in New York als Beispiel einer neuen Werbestrategie. Quelle: dpa
Konsumtempel: Der Apple Flagship Store in New York als Beispiel einer neuen Werbestrategie. Quelle: dpa

DÜSSELDORF/KÖLN. Den direkten Draht nach oben verspricht Qiwani. Seit Beginn des Jahres verkauft der Mobilfunkbetreiber in seiner Nische einen Tarif für spirituell Angehauchte. In Sinnkrisen können die Kunden in ihrem Telefon durch einen Mondkalender blättern oder ihr Horoskop befragen. Schon der Name verheißt eine gehörige Portion Seelenheil: Qiwani soll sich aus der Sprache der Indianer herleiten und für Erwachen stehen.

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Die Sehnsucht nach dem Überirdischen treibt zurzeit die Kreativität vieler Unternehmen an. Autohersteller Mercedes lässt in seinem Sound-Logo einen kirchlich anmutenden Knabenchor ertönen, Konkurrent Volkswagen hat in seine Autostadt in Wolfsburg allerhand religiöse Symbolik einfließen lassen, und Sportartikelhersteller Adidas inszeniert Fußballspieler - in Anlehnung an Michelangelos Freskenzyklus in der Sixtinischen Kapelle - in einem Werbemotiv als Götter der Fußballwelt.

"Mit Spiritualität werden die Unternehmen in den nächsten Jahren viel Geld verdienen", prognostiziert Trendforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut in Kelkheim. Schließlich werden sich Marken in Zukunft noch stärker mit Mythen und Symbolen aus der Kirche und Antike umwehen lassen. Denn was in der Bibel schon gut funktionierte, hilft auch dem Marketing auf die Sprünge. Schließlich ist die Heilige Schrift auch so etwas wie die Werbebroschüre des christlichen Glaubens.

Der Versicherer Provinzial plakatiert Werbemotive, auf denen Frauen mit goldenen Flügeln als Schutzengel das doch eher abstrakte Sicherheitsversprechen des Unternehmens emotional aufladen. Ebenfalls im Engelskleid trommeln die Models von Kraft Foods für den Frischkäse Philadelphia. "Solche Bilder sprechen Urmuster in uns an, die von Generation zu Generation weitergegeben werden", sagt Peter Glassen, Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, der die mythologischen Bilder im Marketing erforscht. Die Werber seien so schneller und einfacher am Konsumenten.

Diesen Umstand hat Christine Boje ausgenutzt. "Lassen Sie sich verführen", lockt ihre Werbeagentur Adam & Eva. Auf ihrer Homepage empfängt sie den Besucher mit einem verklärten Bild vom Garten Eden und einem abgenagten Apfelrest in der Bildschirmecke. "Solche Bilder schaffen eine unheimliche Nähe zum Konsumenten, weil er sie schon kennt", sagt Boje. Dieser Verlockung, hofft sie, kann kein Werbekunde widerstehen. "In einer Zeit, die immer mehr auf kurzfristige Wirkung aus ist, suchen die Menschen nach Werten und Sicherheit."

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