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Mehr Mitspracherecht: Lufthansa vor hartem Tarifstreit

Die Lufthansa steht vor den wohl härtesten Tarifgesprächen ihrer Geschichte. Mitten in der größten Krise seit Jahrzehnten fordern die Piloten weit mehr als "nur" eine Lohnerhöhung. Im Kern geht es den Flugzeugführern darum, künftig wieder stärker in Unternehmensentscheidungen eingebunden zu werden. Für die Airline eine schwer zu erfüllende Bedingung.

2001 streikten die Lufthansa-Piloten schon einmal. Damals setzten sie drastische Gehaltserhöhungen durch. Quelle: ullstein bild - Reuters
2001 streikten die Lufthansa-Piloten schon einmal. Damals setzten sie drastische Gehaltserhöhungen durch. Quelle: ullstein bild - Reuters

FRANKFURT. Die Mischung ist explosiv. "Die Stimmung unter den Piloten ist am Boden. Ich weiß nicht, ob sich das Lufthansa-Management dessen und auch der enorm hohen Streikbereitschaft der Kollegen wirklich bewusst ist", beschreibt ein Pilot die Situation. Sowohl die Pilotengewerkschaft VC Cockpit als auch Lufthansa wollen sich nicht äußern. Die Gespräche hätten begonnen, und man habe Stillschweigen vereinbart. Neben einer Lohnerhöhung von 9,6 Prozent für 18 Monate fordern die Flugzeugführer vor allem ein größeres Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen.

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Die Piloten fühlen sich besonders bei Management-Entscheidungen in der jüngeren Vergangenheit wie etwa der Gründung der Lufthansa Italia oder dem Kauf der österreichischen AUA, die von vielen Piloten schlicht als "Schrott" bewertet wird, übergangen und nicht ausreichend eingebunden. Die Flugleiter sehen sich traditionell als Unternehmer innerhalb des Unternehmens. Tatsächlich haben viele ihrer täglichen Entscheidungen großen Einfluss auf das Zahlenwerk des Konzerns, etwa die Frage der optimalen Betankung der Flugzeuge. "Wir können in unserer täglichen Arbeit mehr zum unternehmerischen Erfolg beitragen als mancher Manager im Konzern. Das wollen wir berücksichtigt sehen", sagt ein langjähriger Pilot.

Im Hintergrund all dieser Forderungen steht freilich die Sorge der Kapitäne um den Bestand des Konzerntarifvertrages (KTV). Sie fürchten eine Aushöhlung. So soll etwa LH Italia außerhalb des KTV fliegen. Auch die Partnerschaft mit der Deutschen Post/DHL im Fracht-Joint Venture Aerologic wird von vielen im Konzern als Billigkonkurrenz angesehen. "Der KTV sorgt für eine gewisse Sicherheit, das gilt aber doch auch für das Management", heißt es in Pilotenkreisen.

Für das Management dürfte die Forderung nach mehr Mitspracherecht allerdings ein kaum zu verdauender Brocken sein. Sie würden damit einer einzelnen Mitarbeitergruppe Sonderrechte bei strategischen Grundsatzentscheidungen einräumen - ein Präzedenzfall nicht nur in der Luftfahrtindustrie. Auch den bereits seit längerem zu hörenden Vorwurf einer Aushöhlung des Konzerntarifvertrags kann die Konzernspitze nicht ganz nachvollziehen. So hat Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bei früheren Gelegenheiten stets auf die zahlreichen neuen Stellen verwiesen, die in den letzten Jahren innerhalb des KTV geschaffen wurden.

Die Beteiligten stellen sich auf harte Verhandlungen ein. Die finden noch dazu unter erschwerten Bedingungen statt. So treffen auf beiden Seiten zum großen Teil neue Gesichter aufeinander. Für die Lufthansa steigen Christoph Franz, der designierte Nachfolger von LH-Chef Mayrhuber, sowie Roland Busch, Personalchef der Passage, in den Ring. Vor allem Franz, der als Initiator des aktuellen Sparprogramms "Climb 2011" mit einem Volumen von einer Milliarde Euro gilt, hat ein großes eigenes Interesse, den Kranich für seine bevorstehende Amtszeit nicht über Gebühr zu belasten.

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