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Mindestlohn: Friseure wollen weg vom Billigschnitt

In manchem Stadtteil kämpfen 37 Friseure um Kunden – viele Betriebe kommen daher kaum über die Runden. Im Kampf gegen Billigketten soll jetzt ein Werkzeug helfen, das Arbeitgeber sonst gerne verteufeln: der Mindestlohn.

Die Preise für Haarschnitte sind in den vergangenen Jahren gefallen – jetzt beginnen Verhandlungen über einen Mindestlohn im Friseurgewerbe. Quelle: dpa
Die Preise für Haarschnitte sind in den vergangenen Jahren gefallen – jetzt beginnen Verhandlungen über einen Mindestlohn im Friseurgewerbe. Quelle: dpa

DüsseldorfManchmal fragt sich René Krombholz, warum er sich das eigentlich noch antut. Wenn der Friseurmeister morgens seinen Laden in Düsseldorf aufschließt, hat er schon gut 600 Euro Kosten auf seiner Rechnung. Das Geld für die Miete und die Löhne der drei Angestellten zahlt er, egal ob Leute zum Haareschneiden kommen oder nicht. Rechnet man Strom, Wasser, Shampoo, Spülungen und Haarfärbemittel hinzu, muss er mehr als 700 Euro einnehmen – nur um seine Ausgaben zu decken.

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„Es gibt Monate, in denen mir das nicht gelingt“, sagt Krombholz, der für Handelsblatt Online seine Bücher geöffnet hat (Wie Friseure kalkulieren). Was dann an Umsatz fehlt, gehe von seinem Unternehmerlohn ab. Insgesamt 2700 Euro brutto will der Friseurmeister sich und seiner Frau im Monat genehmigen. Ein reiches Unternehmer-Ehepaar sieht anders aus.

Infografik Wie Friseure kalkulieren

Für Handelsblatt Online haben einige Friseure einen Blick in ihre Kalkulationen gewährt. Lesen Sie, wie die Unternehmer ihre Bilanzen kalkulieren und warum Angestellte in Schwarzarbeit flüchten.

So wie Krombholz geht es etlichen Friseurbetrieben in Deutschland. Die Betriebe leiden, weil der Wettbewerb in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen hat. Vor zehn Jahren gab es hierzulande etwa 65.000 Friseursalons. Inzwischen sind es mehr als 82.000. „Allein in meinem Stadtteil haben seit der Jahrtausendwende zwölf neue Friseure aufgemacht“, sagt Friseur Krombholz. „Statt 25 habe ich jetzt 37 Wettbewerber vor der Haustür.“

Im Kampf ums Überleben fordern viele Friseure jetzt, was Arbeitgeber sonst gerne verteufeln: einen Mindestlohn. Die Verhandlungen führt der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks mit der Gewerkschaft Verdi. „Die Frage ist nicht mehr, ob es einen Mindestlohn für Friseure geben soll, sondern nur noch, wie der aussehen kann“, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Ute Kittel.

Hohe Diskrepanz der Friseur-Tariflöhne (ausgewählte Länder)

  • Baden-Württemberg

    gültig seit 2007
    Grundlohn: 1473,50 Euro
    Tariflohn für Top-Kräfte: 1715 Euro
    Tariflohn für leitende Positionen: 2029 bis 2238,50 Euro

  • Brandenburg

    gültig seit 2001
    Grundlohn 838,50 Euro
    Tariflohn für Top-Kräfte 961,20 Euro
    Tariflohn für leitende Positionen 1072,70 Euro

  • Hessen

    gültig seit 2003
    Grundlohn: 1353 Euro
    Tariflohn für Top-Kräfte: 1695 Euro
    Tariflohn für leitende Positionen: 2051 bis 2351 Euro

  • Nordrhein-Westfalen

    gültig seit 2012
    Grundlohn: 1522 Euro
    Tariflohn für Top-Kräfte: 1780 Euro
    Tariflohn für leitende Positionen: 1938 bis 2239 Euro

  • Sachsen

    Sachsen:
    gültig seit 2004
    Grundlohn: 755 Euro
    Tariflohn für Top-Kräfte: 830 Euro
    Tariflohn für leitende Positionen: 960 bis 1395 Euro

  • Thüringen

    gültig seit 1995
    Grundlohn: 613,55 Euro
    Tariflohn für Top-Kräfte: 1022,58 Euro
    Tariflohn für leitende Positionen: 1227,10 Euro

Das Problem: Die Linie der Friseure ist nicht einheitlich. Denn Billigfriseure drängen mit Preisen um die zehn Euro für einen Haarschnitt in den Markt und fahren gut mit geringen Löhnen. Die Kunden rennen ihnen die Türen ein. Nur so ist zu erklären, weshalb der Umsatz im deutschen Friseurhandwerk innerhalb von zehn Jahren um 20 Prozent zurückgegangen ist, obwohl die Zahl der Anbieter ununterbrochen steigt. Weil sich immer mehr Friseure einen immer kleineren Kuchen teilen, fällt das Minus für den einzelnen Salon oft noch größer aus.

Der Strom an neuen Discount-Salons reißt nicht ab. Und das ist nicht einmal verwunderlich: Denn paradoxerweise verdienen die Billiganbieter im Schnitt deutlich besser als teure Salons, wie aus dem jüngsten Betriebsvergleich des Haarpflegeherstellers Wella hervorgeht. Während einem hochpreisigen Friseur von 100 Euro Umsatz durchschnittlich 17,60 Euro Gewinn bleiben, sind es bei einem billigen Wettbewerber satte 24,70 Euro.

  • 22.04.2013, 10:34 UhrGast

    Friseure, "Bäckereien", Supermärkte (ob klein oder Groß)...In einem Umkreis von weniger als 15km sind hier derart viele von allen dreien, dass ich mich oft frage, wie auch nur einer davon überleben kann.

  • 22.04.2013, 10:43 Uhrsanktionshungern@dynip.name

    "WASCHEN UND RASIEREN SIE SICH DANN BEKOMMEN SIE AUCH ENEN JOB!" -> PEKUNIA NON OLET!

    http://sch-einesystem.tumblr.com

    Und ich will, wenn man H(artz )IV Empfänngern schon die Leistungen WILLKÜRLICH kürzt, daß es neben Gutscheine für Lebensmittela uach solche für die Kosemtikkartikel "Schampoo, Duschgel, Seife" zur Körpfplege-/WÄSCHE gibt, Waschmünzen für den Waschsalon, Gutshceine für die Reinigung oder Gutscheine für "Weichspüler und Waschmittel" sowie Gustcheine für "RASIERen und das Harrschneiden"!

    Damit man sich auch wirklich "Waschen und Rasieren" könnte um einen Job zu finden - wenne s denn daran läge und der für alle Seiten - auch den Fiskus - erfolgverpsrechendere Weg der Arbeislosigkeitsvermeidung udn Steergenerierung die Herstellung von Rechtssicherehit wäre (Sttaasaufgabe umnd Monopol) und die Arbeistrechtliche und Kartellklage.

    http://sch-einesystem.tumblr.com

    Vorschlag: Aus Protest gegen Sanktionen (die das Budget für udn somite den Kauf von Hygieneartikeln unmöglich amchne) waschen wir uns nicht mehr und verweisen darauf da das die weggkürzten 10% sind!

    Staubsaugerbeutel und Reinigungsmittel für Bad/Küche sowie Spülmittel gibt es auch nicht auf Gurtschein.

  • 22.04.2013, 10:48 UhrCharly

    "Friseure wollen weg vom Billigschnitt"

    Was heisst hier Billigschnit???
    Für 10 min Haare schnippseln 15-20 Euro zu nehmen ist schlicht dreist und unverschämt.

    Die sogenannten "Meister" haben die Lizenz zum Gelddrucken.
    Gesellen dürfen nicht selbständig werden, und die Lehrlinge schneiden eh qualitativ besser als die Meister.
    Die Mieten für die Geschäfte sind auch schlicht unverschämt und total überzogen. Dafür zahlen die Friseurmeister ihren Mitarbeitern Hungerlöhne.

    Insgesamt, wie in vielen anderen Bereichen auch, eine Verzerrung der Marktlage. Einige Teile der Gesellschaft zocken ab, und dann verbreitet man, die Preise seien nicht hoch genug.

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