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Nach Debakel in Mainz: Bahn prüft ihre gesamte Personalplanung

Die Deutsche Bahn zieht Konsequenzen aus dem Chaos am Mainzer Hauptbahnhof. In zwei Monaten sollen sämtliche Dienstpläne überprüft werden. Die Debatte über einen Bahn-Börsengang flammt derweil wieder auf.

Die Deutsche Bahn will frühere Mitarbeiter wieder einstellen. Quelle: dpa
Die Deutsche Bahn will frühere Mitarbeiter wieder einstellen. Quelle: dpa

FrankfurtNach dem Stellwerksdebakel von Mainz wollen Bahn und die Gewerkschaft EVG gemeinsam den kompletten Personaleinsatz des Konzerns überprüfen. Sie einigten sich am Mittwochabend nach achtstündigen Verhandlungen in Frankfurt darauf, die gerade laufenden Personalplanungen für das kommende Jahr in sämtlichen rund 400 Konzernbetrieben gemeinsam mit den Beschäftigten zu überprüfen. Die bis Mitte Oktober zu erarbeitenden Ergebnisse sollen am 4. November in gleicher Runde von Betriebsräten und Personalvorständen erneut diskutiert werden.

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Überstunden sollen möglichst komplett abgebaut und gewährte Urlaubs- und Ruhetage auch eingehalten werden. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft rechnet nach den Worten ihres Chefs Alexander Kirchner mit zusätzlichen Einstellungen. Er wollte sich nicht auf eine genaue Zahl festlegen.

Man habe bewusst darauf verzichtet, wie auf einem Basar um Zahlen zu feilschen. „Wir haben uns vorgenommen, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Der Prozess werde zeigen, wo Neueinstellungen notwendig seien.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

  • Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

    Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

  • Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

    Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

  • Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

    Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

  • Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

    Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

  • Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

    Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

  • Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

    Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Anlass für die Verhandlungen waren massive, seit Wochen anhaltende Probleme im Stellwerk Mainz, wo nicht genügend Fahrdienstleiter vorhanden sind. „Mainz ist die Spitze des Eisbergs“, sagte Kirchner. Konzernweit seien 8 Millionen Überstunden und 9 Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen.

Weber wehrte sich gegen den Vorwurf, bei der Bahn gebe es gar keine Personalplanung. Man nehme den demografischen Wandel ernst, was sich in 20.000 Neueinstellungen in den vergangenen Jahren zeige. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Im Inland beschäftigt die Deutsche Bahn AG mehr als 194.000 Menschen, weltweit sind es rund 300.000.

Ein von der FDP wieder ins Gespräch gebrachter Börsengang stieß bei Union und Bundesregierung auf Ablehnung. Die SPD forderte angesichts der Probleme einen Verzicht auf die von der schwarz-gelben Koalition eingeführte Dividende von rund 500 Millionen Euro, die die Bahn jährlich an den Bund zahlen muss. Die Regierung erwartet, dass die Bahn die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste rasch in den Griff bekommt.

Auch der Bund als Bahn-Eigentümer erklärte, dass kein Börsengang geplant sei. Die Bemühungen für eine Teilprivatisierung der Transportsparten des Konzerns seien in dieser Legislaturperiode nicht fortgesetzt worden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es gebe hier keine Veränderungen. Mit Blick auf die Probleme am Stellwerk in Mainz liege zudem in einer Privatisierung „nicht das Mittel, mit dem man die derzeitige äußerst ungute Lage löst“.

  • 15.08.2013, 10:05 Uhrvicfalls

    Gott ist schon lange tot. Der wird Dich nicht retten.

  • 15.08.2013, 07:42 UhrDer_Meister

    Ja, die Bahn soll an die Börse. Erst wird dann Personal neu eingestellt, um zukünftig Engpässe zu vermeiden, und wenn die Dividende für die Aktionäre nicht stimmt, dann fliegen diese Neueinstellungen wieder raus.

    Was ist das eigentlich für ein Konzept ? Was ist das eigentlich für ein Schwachsinn ? Aber das war gestern schon als Vorschlag von Herrn Brüderle zu lesen. Der hat doch einen an der Waffel.

  • 15.08.2013, 07:26 Uhrcucco

    Im Prinzip teile ich Ihre Meinung. Es waere trotzdem schoen, wenn Sie Ihren Kommentar noch einmal auf Deutsch schreiben koennten!

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