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Nach Teldafax-Pleite: Millionenklage gegen Bayer Leverkusen

exklusivDer Fußballclub des Bayer-Konzerns lockte noch Kunden zu Teldafax, als der Stromanbieter längst marode war. Bayer Leverkusen kassierte Millionen, Teldafax' Gläubiger fühlen sich geprellt.

Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, zankt sich mit den Gläubigern des Ex-Hauptsponsors. Quelle: dpa
Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, zankt sich mit den Gläubigern des Ex-Hauptsponsors. Quelle: dpa

DüsseldorfBayer 04 Leverkusen wird mitten im Saisonendspurt von einer millionenschweren Klage getroffen. Der Insolvenzverwalter des einstigen Billigstromanbieters Teldafax, Biner Bähr, verlangt von dem Fußballbundesligisten Sponsorengelder in Höhe von 16 Millionen Euro zurück – plus Zinsen. Weil Bayer nicht zahlen will, hat Bähr nun eine Klage beim Landgericht Köln eingereicht, wie das Handelsblatt aus Kreisen des Gläubigerausschusses von Teldafax erfuhr.

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Teldafax war von 2007 bis 2011 Trikotsponsor des Bundesligisten. Der Vertrag wurde erst wenige Tage vor dem Zusammenbruch des damals größten unabhängigen Energieanbieters gelöst. Die 16 Millionen Euro flossen zwischen 2009 und 2011, einem Zeitraum in dem Teldafax nach Erkenntnissen des Insolvenzverwalters längst hoffnungslos überschuldet war und die Insolvenz verschleppte. Das Teldafax-Management ist inzwischen wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betrugs und Bankrotthandlungen angeklagt.

Handelsblatt Artikel zum Download Millionenklage gegen Bayer 04 Leverkusen

Ex-Sponsor Teldafax zahlte 16 Millionen Euro, als er schon überschuldet war. Der Insolvenzverwalter fordert sie zurück – plus Zinsen.

Die mutmaßliche Gesetzlosigkeit der Teldafax-Führung war laut Gesetz keine Entschuldigung für Bayer 04 Leverkusen, einfach weiter die Hand aufzuhalten. „Entscheidend ist immer, wann ein Geschäftspartner von der Schieflage des Gegenübers weiß“, sagt der Insolvenzrechtsexperte Alexander Busch von der Kanzlei Callsen & Thürk in Flensburg. „Alles Geld, was danach fließt, muss ein Insolvenzverwalter bis auf wenige Ausnahmen zurückholen. Dazu ist er den Gläubigern verpflichtet.“

Chronologie Teldafax & Bayer 04

  • August 2007

    Die Partnerschaft zwischen Teldafax und Bayer 04 Leverkusen beginnt. Teldafax zahlt Leverkusen durchschnittlich rund sechs Millionen Euro pro Saison. Geschäftsführer Holzhäuser sagt: „Wir haben eine junge und ausbaufähige Mannschaft und Teldafax ist ein aufstrebendes Unternehmen mit einem pfiffigen Geschäftsmodell in einem modernen Marktsegment. Dies verbindet uns.“

  • April 2009

    Teldafax verlängert den Sponsoringvertrag mit Bayer Leverkusen, der noch bis zum 30. Juni 2010 läuft, vorzeitig um drei weitere Jahre.

  • September 2009

    Teldafax beauftragt die Rechtanwaltskanzlei Görg mit der Erstellung eines „Unternehmensstatus unter insolvenzrechtlichen Aspekten.“ Die Kanzlei Görg empfiehlt dem Teldafax-Vorstand, „im Moment – da die Insolvenzreife des Konzerns – mit hoher Wahrscheinlichkeit (ggf. schon länger) gegeben ist, alle Zahlungen zu stoppen, es sei denn, die Nichtzahlung würde zu einem sofortigen Zusammenbruch des Geschäftsbetriebs führen. Leisten Sie dennoch Zahlungen an einzelne Gläubiger in Kenntnis der Insolvenzreife, machen Sie sich als Vorstand/Geschäftsführer schadenersatzpflichtig.“

  • Herbst 2009

    17. September 2009

    Eine Teldafax-Delegation um Marketing-Chefin Claudia Nowak besucht Bayer 04 Leverkusen und erklärt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, dass Teldafax seine Sponsoringraten nicht zahlen kann. Teldafax bittet um eine Stundung.

    12. Oktober 2009

    Rechtsanwaltskanzlei Görg schreibt einen letzten Brief an den Teldafax-Vorstand: „Sofern Sie noch bei einer eventuellen Antragsstellung gegenüber dem Insolvenzgericht Hilfestellung benötigen, stehen wir hierfür gern zu Verfügung.“

    14. Oktober 2009

    Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schreibt an Teldafax und beschwert sich, dass die Bedingungen aus der ersten Stundungsvereinbarung von Teldafax nicht eingehalten wurden. Er fordert die Zahlung der vereinbarten Sponsoringraten. Teldafax zahlt. Außerdem wird vereinbart, dass Bayer kündigen kann, wenn Teldafax künftig in Verzug gerät. Teldafax muss dann laut Ergänzungsvertrag 6,4 Millionen Euro Vertragsstrafe zahlen.

  • Juli 2010

    1. Juli 2010

    Teldafax kann die Halbjahresrate in Höhe von 3,9 Millionen Euro für das Sponsoring von Bayer 04 Leverkusen für die Hinrunde der Fußball-Bundesliga 2010/2011 nicht zahlen.

    17. Juli 2010

    Teldafax und Bayer 04 Leverkusen schließen eine erneute Stundungsvereinbarung. Teldafax darf die Forderungen des Fußballligisten monatlich abstottern.

  • Herbst 2010

    20. Oktober 2010

    Das Handelsblatt berichtet, dass Teldafax einem Schneeballsystem gleiche und von einem verurteilten Anlagebetrüger aus dem Gefängnis heraus gesteuert wird.

    21. Oktober 2010

    Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser lobt Teldafax für die gute Zusammenarbeit mit Bayer und betont, Bayer wolle bis 2013 Partner von Teldafax bleiben. Rudi Völler sagt: „Teldafax bleibt auf unserer Brust!“

    29. November 2010

    Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Führungskräfte von Teldafax ein.

  • Frühjahr 2011

    10. März 2011

    Wolfgang Holzhäuser schreibt einen Brief an die neuen Teldafax-Gesellschafter Sigma Citation Strategies und CPA Invest, in dem er auf eine Klausel im Vertrag mit Teldafax hinweist. Bei einem Eigentümerwechsel habe Bayer 04 Leverkusen nämlich die Option, aus dem Vertrag auszusteigen. Außerdem werde die noch ausstehende Sponsoringsumme von 1,6 Millionen Euro für die Saison 2010/11 sofort fällig.

    12. April 2011

    Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

  • 14. Juni 2011

    Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

  • April 2013

    Bayer Leverkusen weigert sich seit eineinhalb Jahren, die kassierten Millionen zurückzuzahlen. Der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr reicht deshalb beim Landgericht Köln eine Klage über 16 Millionen Euro plus Zinsen ein.

Wie aus dem Handelsblatt vorliegenden Schreiben hervorgeht, wussten die Bayer-Verantwortlichen von der Schieflage von Teldafax, kassierten aber weiter. So bezieht sich Bayer 04-Geschäftsführer Holzhäuser in einem Brief vom 14. Oktober 2009 auf ein Gespräch mit Teldafax im Vormonat, in dem „die aktuelle Situation von Teldafax“ erläutert worden sei. Konkret: Teldafax erklärte, dass der Stromanbieter die Sponsoring-Millionen an Bayer nicht zahlen konnte. „Im Gespräch baten Sie um eine weitere Stundung“ schrieb Holzhäuser. „Da die erste Stundungsvereinbarung ... nicht eingehalten wurde, sehen wir keine Veranlassung, eine weitere Stundung zu gewähren.“ Bayer bekam sein Geld.

Bewertung der Trikotsponsoren 2012/2013

  • Bayern München

    Sponsor: Deutsche Telekom
    Investitionssumme: 23 Millionen Euro
    Laufzeit: bis 2013

  • VfL Wolfsburg

    Sponsor: Volkswagen
    Investitionssumme: mindestens 20 Millionen Euro
    Laufzeit: unbefristet

  • Schalke 04

    Sponsor: Gazprom
    Investitionssumme: bis zu 18 Millionen Euro
    Laufzeit: 2017

  • Borussia Dortmund

    Sponsor: Evonik
    Investitionssumme: bis zu 15 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

  • Hamburger SV

    Sponsor: Emirates
    Investitionssumme: bis zu 8,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2015

  • Werder Bremen

    Sponsor: Wiesenhof
    Investitionssumme: 6 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

    Werder Bremen sind durch Vermarkter Infront für die Trikotwerbung acht Millionen garantiert.

  • VfB Stuttgart

    Sponsor: Mercedes Bank
    Investitionssumme: 6 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • Bayer Leverkusen

    Sponsor: Sunpower
    Investitionssumme: 6 Millionen Euro
    Laufzeit: 2016

  • Eintracht Frankfurt

    Sponsor: Krombacher
    Investitionssumme: 5,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2018

    Der Vertrag von Eintracht Frankfurt mit Krombacher läuft zwar bis 2018. Nach einem Jahr als Trikotsponsor wird die Brauerei ab dem zweiten Vertragsjahr aber zum Premiumsponsor.

  • 1899 Hoffenheim

    Sponsor: Suntech
    Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • Borussia Mönchengladbach

    Sponsor: Postbank
    Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

  • Hannover 96

    Sponsor: Tui
    Investitionssumme: 4 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • FSV Mainz 05

    Sponsor: Entega
    Investitionssumme: 4 Millionen Euro
    Laufzeit: 2017

  • 1.FC Nürnberg

    Sponsor: NKD
    Investitionssumme: 3,5 bis 4 Millionen Euro
    Laufzeit: 2016

  • Fortuna Düsseldorf

    Sponsor: o.tel.o
    Investitionssumme: 2,8 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

  • SC Freiburg

    Sponsor: Ehrmann
    Investitionssumme: 2,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • SpVgg Greuther Fürth

    Sponsor: Ergo Versicherungen
    Investitionssumme: 2,2 Millionen Euro
    Laufzeit: 2018

  • FC Augsburg

    Sponsor: Al-Ko
    Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

Insolvenzverwalter Bähr wollte sich zu der Klage nicht äußern. Bayer 04 Leverkusen teilte auf Anfrage mit, dem Fußballklub liege die Klage noch nicht vor. Vorher werde man sie nicht kommentieren. Für den Fußball-Verein wäre eine Rückzahlung schmerzhaft. Bayer 04 ist gerade dabei, sich wieder im Spitzenfeld der Bundesliga zu platzieren. Der Etat betrug zuletzt 43 Millionen Euro.

Andere Parteien haben bereits Bährs Forderungen – zumindest zum Teil - akzeptiert. Das Hauptzollamt Köln etwa zahlte bereits 25 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter. Es hatte nachweislich schon im Sommer 2009 von der Schieflage von Teldafax, aber trotzdem weiter Energiesteuern vereinnahmt.

  • 18.04.2013, 13:18 Uhranonym

    VVmH8
    Meiner Meinung nach, sind solche Prozesse sehr fragwürdig. Der Insolverzverwalter gewinnt immer. Wird der Prozeß verloren, erhält er sein Honorar als Prozeßvertreter aus der Masse ( Vermögen des insolventen Unternehmens ) gewinnt er den Prozeß, zahlt der Gegner.

    Wenn ein Unternehmen seine Verpflichtungen nicht termingerecht erfüllt, muss es noch lange nicht überschuldet oder zahlungsunfähig sein. Stundungsvereinbarungen sind in der geschäftswelt häufig ein Mittel um Zahlungsschwierigkeiten zu überbrücken.
    M. E. sollte dieses "Anfechtungsmittel" des Insolvenzverwalters gesetzlich geändert werden. Das Hauptzollamt musste 25 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen--wofür?? Soll der Staat- also wir alle - uns unredlich verhaten haben? Wieso finanziert der Steuerzahler das verfahren?

  • 18.04.2013, 11:28 UhrNick

    mk energy (care-energy)

  • 18.04.2013, 09:29 Uhreksom

    Alle 10 bis 12 Jahre wird das gleiche Spiel immer wieder erneut auferlegt und von den fast gleichen Teilnehmern zu Ende gespielt! Lesen die Leute keine Zeitungen mehr? Oder leiden Sie alle an Alzheimer? Frei Marktwirtschaft macht es möglich. 1 Mio. investieren mit 10 Mio. oder 50 Mio. € in die Insolvenz gehen. Ist mittlerweile Volkssport unter cleveren Managern.

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