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Namen bestätigt: Weitere Firmen in Pferdefleisch-Skandal verwickelt

Europaweit arbeiten Behörden intensiv an der Aufklärung des Pferdefleisch-Skandals. Dabei tauchen immer neue Firmennamen auf. Nur langsam dringt Licht in die verschlungenen Handelswege.

BerlinIn den Pferdefleisch-Skandal sind europaweit mehr Unternehmen verwickelt als bislang bekannt. Mühsam kommt Licht in das Netz aus Produzenten, Lieferanten und Händlern von Fertigprodukten, in denen möglicherweise nicht deklariertes Pferdefleisch verarbeitet wurde. „Der Betrugsfall nimmt immer größere Dimensionen an. Hier wurde offenbar mit großer krimineller Energie gehandelt“, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Politiker fordern schärfere Kontrollen und Strafen im Kampf gegen die Tricksereien mit Fleisch.

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Zusätzlich zu einem EU-Aktionsplan wolle der Bund gemeinsam mit den Ländern ein nationales Kontrollprogramm mit zusätzlichen Tests aufstellen, kündigte Aigner an. „Nur so können wir das tatsächliche Ausmaß dieses Skandals erfassen.“ So wollen die Verbraucherminister aus Bund und Ländern an diesem Montag über Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal beraten. Dabei solle auch das weitere Vorgehen abgestimmt werden, teilten Aigner und ihre hessische Amtskollegin Lucia Puttrich (CDU) in Berlin mit.

Antworten zum Pferdefleisch-Skandal

  • Wie kam der Skandal ans Licht?

    Mitte Januar entdeckten irische Lebensmittelinspekteure bei Routinekontrollen zunächst Spuren von Pferdefleisch in Rindfleisch-Hamburgern. Es ging um Fertigprodukte der britischen Supermarktketten Tesco, Iceland, Aldi (UK) und Lidl (UK). Anfang Februar wurde in einer Fertigungsanlage und in einem Fleischlager in Irland weiteres Rindfleisch mit Pferdefleischspuren entdeckt. Daraufhin ordnete die britische Lebensmittelaufsicht umfangreiche Untersuchungen an. In der Folge wurden mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte auch in Frankreich und Schweden entdeckt. Mittlerweile wurden auch in Deutschland in vielen Fällen falsch deklariertes Pferdefleisch gefunden.

  • Um welche Produkte geht es?

    Es geht um Tiefkühl-Fertigkost aus Hackfleisch, die größtenteils bei Discountern verkauft wird, darunter Rindfleisch-Lasagne, Spaghetti Bolognese und fertige Hamburger-Frikadellen. In den Produkten wurden teilweise zwischen 30 und 100 Prozent Pferdefleisch gefunden.

  • Wie kam Pferdefleisch in den Produktionskreislauf?

    Laut britischen Medienberichten handelt es sich um eine kriminelle „Pferdemafia“ in Rumänien. Das Fleisch wird demnach vor Ort verarbeitet und an französische Fleischverarbeitungsfirmen exportiert, die es nach Firmenangaben ohne Wissen darüber, dass es sich eigentlich um etwas Anderes handelt, als Rindfleisch verarbeitet haben. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass in den Pferdefleisch-Skandal europaweit mehr Unternehmen verwickelt sind, als bislang vermutet. Darunter auch deutsche Hersteller.

  • Welche Firmen sind in welchen Ländern involviert?

    In einem Fall geht es um den Tiefkühlhersteller Findus in Großbritannien (der nichts (mehr) mit Nestlé zu tun hat, auch wenn der Konzern eine gleichnamige Tochterfirma in der Schweiz hat). Er vertreibt Fertigkost der französischen Firma Comigel, die wiederum einen Teil ihres zu verarbeitenden Fleischs aus Rumänien bezieht und damit bei der luxemburgischen Firma Tavola produzieren lässt. Zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 kamen mindesten 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland. Comigel gibt an, das Fleisch vom französischen Lieferanten Spanghero bezogen zu haben. Dieser weist wiederum auf einen rumänischen Zulieferer hin. Eine weitere Spur führt laut französischen Regierungsangaben vom französischen Hersteller Poujol zu einem Händler nach Zypern.

  • Sind die Produkte gefährlich?

    Die Behörden sehen keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr durch den Verzehr von Pferdefleisch. Das Fleisch kann jedoch unter Umständen Spuren von Medikamenten enthalten. Es wird auf Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon getestet. Erste Test-Resultate bestätigen den Verdacht. In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste von Phenylbutazon enthalten. Es wird bei Pferden häufig therapeutisch angewendet, teilweise auch als Doping-Mittel im Pferdesport. In der Medizin ist es ein Medikament gegen Rheuma.

  • Wieso wurden Pferdefleischspuren nicht schon vorher entdeckt?

    In Großbritannien wurde Rindfleisch nach Angaben der Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA in den vergangenen zehn Jahren nicht routinemäßig auf Pferdefleischspuren getestet. Eigentlich sollen solche Fälle durch das Passsystem verhindert werden. Seit 2009 braucht jedes Pferd in der Europäischen Union einen sogenannten Equidenpass, der unter anderem über Herkunft und Impfung des Tieres Auskunft geben soll. In Deutschland werden die Pässe auch durch Pferdezüchter- oder Reitsportverbände vergeben, was das System manipulationsfähig macht.

  • Wie haben die Firmen reagiert?

    Die Firmen haben die fraglichen Produkte sofort aus dem Handel genommen. In Deutschland waren bereits Aldi Nord, Aldi Süd, Eismann, Edeka, Kaiser´s, Kosnum Leipzig, Lidl, Metro, Real, Rewe und Tengelmann betroffen.

  • Wie reagieren die Behörden?

    Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will Konsequenzen aus dem Skandal mit falsch deklariertem Pferdefleisch in Fertigprodukten ziehen. Bei einem Treffen der Verbraucherminister von Bund und Ländern hat sie einen Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan vorgelegt. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg spricht indes von einer dauerhaften Einführung von DNA-Tests für Fleisch auf EU-Ebene.

  • Wie viel Pferdefleisch ist als Rindfleisch verzehrt worden?

    Die Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft wurde. „Das kann man nur sehr schwer feststellen“, sagte der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem in Frankreich suchten die Behörden ältere Lagerbestände von Tiefkühlkost, um Proben zu entnehmen und auch die möglicherweise verwendeten Mengen von Pferdefleisch abschätzen zu können.

  • Wie ist Deutschland betroffen?

    In Deutschland sind seit Mitte Februar Fälle bekannt, in denen Händler mit Produkten beliefert wurden, die Pferde- statt Rindfleisch enthalten. Auch die britische Regierung gerät weiter unter Druck. Ein früherer Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA will schon im April 2011 geholfen haben, einen Brief des größten britischen Pferdefleisch-Exporteurs High Peak Meat Exports an den damals zuständigen Minister aufzusetzen, in dem auf unzureichende Kontrollen in der Pferdefleischverarbeitung hingewiesen wurde.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, verlangte in der „Passauer Neuen Presse“, dass verarbeitetes Fleisch gekennzeichnet und die Aufzucht- und Mastbetriebe benannt werden müssen. Unterdessen suchen in Deutschland und anderen europäischen Ländern Kontrolleure weiter nach verdächtigen Lebensmitteln, die Ermittlungen gegen mutmaßliche Betrüger laufen.

Vertreter der EU-Staaten hatten sich am Freitag darauf geeinigt, bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch auf Gentests zu setzen. Außerdem wollen die Staaten nach Rückständen des entzündungshemmenden Medikaments Phenylbutazon suchen, das in Pferdefleisch in Großbritannien entdeckt worden war. Das Mittel ist für den Einsatz bei Tieren, die später verzehrt werden sollen, nicht zugelassen. Nach Angaben des Bundesverbraucherschutzministeriums wurde dieser Stoff bislang in Fertigprodukten in Deutschland nicht nachgewiesen.

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Eine französische Firma steht im Verdacht, Etiketten-Schwindel betrieben zu haben.

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Das am Freitag vom Discounter Lidl aus den Regalen entfernte Nudelgericht „Tortelloni Rindfleisch“ stammt entgegen erster Angaben österreichischer Behörden nicht aus Stuttgart. In der Alpenrepublik war zuvor ein nicht deklarierter Anteil Pferdefleisch in Ware mit dieser Bezeichnung gefunden worden. Wie ein Lidl-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, fertigt die Hilcona AG das Produkt in Schaan im Fürstentum Liechtenstein. „Die Rohware dafür stammt von Vossko aus Ostbevern (Nordrhein-Westfalen) oder dem Schweizer Hersteller Suttero aus Gossau“, sagte er.

  • 19.02.2013, 12:44 UhrLoriotfreund

    Es wurde gefordert, nun endlich Roß und Reiter zu benennen. Das Roß ist uns schon bekannt aus den vielen Produkten des Pferdefleischskandals. Die Reiter zu benennen, nun, das dauert, da sie sich erst verstecken und Ausreden formulieren müssen. Profitgier, Streben nach Maximalprofi (Karl Marx), Habgier und Unersättlichkeit, das sind die Ursachen. Die großen Konzerne mit den berühmten Namen sollten öffentlich genannt und dann zur Kasse gebeten werden. Diesem Skandal werden weitere folgen

  • 18.02.2013, 00:24 UhrMahlzeit

    Ich möcht gar nicht wissen was genau im Moment wieder für Ware unterwegs ist zum Verbraucher, die nicht in Ordnung ist. Die Skandale um Lebensmittel begleiten und doch schon viele Jahre. Das einzig gute ist, das es zumindest entdeckt wird, wenn auch nicht alles. Mahlzeit!

  • 17.02.2013, 18:49 UhrLeser

    Was soll der Quark? Nur weil Greuel üblich sind, sind sie noch lange nicht akzeptabel. Oder handeln Sie nach dem Motto: Mein Nachbar missbraucht seine Tochter, dann kann ich das ja auch tun? Der Skandal ist, dass wir es zulassen, dass mit Tieren so umgegangen wird, wie es in der Massentierhaltung, auf den Transporten und schließlich in den Schlachthöfen passiert.

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