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Parfüm-Konzern: Jeder gegen jeden im Eigentümer-Kreis

Von wegen heile Welt bei Familienunternehmen: Bei Douglas ist ein Kleinkrieg ausgebrochen. Die Gründerfamilie Kreke will den Großaktionär Erwin Müller loswerden. Doch der Plan ist heikel und kann leicht fehlschlagen.

DüsseldorfHenning Kreke sieht die Douglas-Aktie unterbewertet. Der Vorstandschef will deshalb weg vom Börsenparkett. „Die Familie Kreke steht unter dem Eindruck, dass unsere Aktie über längere Zeiträume nicht fair bewertet ist“, sagte er im Januar der „Börsen-Zeitung“. Die Ankündigung, mit Hilfe von Finanzinvestoren massiv Anteile am Einzelhandelskonzern zurückkaufen zu wollen, hatte gestern für viel Wirbel gesorgt und den MDax-Kurs der Aktie zwischenzeitlich um 26 Prozent (auf 32 Euro) nach oben katapultiert. Der Börsenwert des Unternehmens lag damit bei 1,26 Milliarden Euro. Am Freitag gab der Kurs der Aktie leicht nach.

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Kreke macht seit längerer Zeit keinen Hehl daraus, dass ihm die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt ein Dorn im Auge ist. Vor allem deshalb, weil sie das Unternehmen angreifbar macht. Gegen missliebige Investoren will man sich zukünftig besser verteidigen können. Denn die Familie Kreke führt derzeit eine Abwehrschlacht gegen Drogist Erwin Müller.

Der Ulmer Drogeriehändler hält derzeit gut zehn Prozent an der Douglas-Holding, will aber noch mehr Einfluss nehmen und hat angekündigt, seine Anteile auf 15 bis 18 Prozent aufstocken. Damit allerdings würde er die Familie Kreke (12,6 Prozent) als zweitgrößten Aktionär ablösen und gefährlich nahe in die Region der Sperrminorität vorstoßen. Ohne Müller liefe dann nichts mehr bei Douglas.

Henning Kreke, Vorstandschef der Douglas Holding AG. Quelle: dapd
Henning Kreke, Vorstandschef der Douglas Holding AG. Quelle: dapd

Über die Sperrminorität verfügt, wer mindestens ein Viertel der Aktien besitzt. Das tut bislang nur der Oetker-Konzern (25,8 Prozent). Da sich bei den Douglas-Hauptversammlungen jedoch selten mehr als 60 Prozent der Stimmen versammeln, hätte Müller mit 18 Prozent bereits die Macht, Entscheidungen der Konzernführung zu blockieren. Für die westfälische Unternehmerdynastie wäre dies ein Desaster. Ob Müller zwischenzeitlich über Umwege zugekauft hat, ist nicht bekannt.

Seit längerer Zeit gibt es atmosphärische Störungen zwischen Hagen und Ulm. Ungebetene Ratschläge zur Unternehmensführung wurden von Kreke und seinem Vater Jörn, dem Aufsichtsratchef, stets kühl und abweisend beantwortet. Müller konterte mit Kritik an strategischen Fehlern der Führungsspitze.

Jörn Kreke hatte das Unternehmen 1969 als Erbe von Herbert Eklöh übernommen und einen Konzern mit Parfümerien (Douglas), Buchhandlungen (Thalia), Juweliergeschäften (Christ) und Süßwarenfilialen (Hussel) aufgebaut. Seit 45 Jahren ist das Unternehmen an der Börse.

Jetzt soll es in private Hände zurückkehren, die Unterstützung des Oetker-Konzerns gilt als sicher. Henning Kreke betont zwar, dass sich die Pläne „erst in der Konzeptphase“ befänden und „keiner Abstimmung außerhalb der Familie Kreke“ erfolgt sei. Dass Großaktionär Oetker, seit gut 40 Jahren als Investor freundschaftlich mit Krekes verbunden, nicht vorab eingeweiht wurde, erscheint allerdings unwahrscheinlich. Ohne Zustimmung aus Bielefeld wäre ein solcher Schritt nicht möglich.

Parfüm, Bücher, Pralinen Einblicke in das Douglas-Reich

Der Konzern verfehlte im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis zum 30. September 2011) sein Umsatzziel und rechnet im laufenden Jahr mit spürbaren Gewinnrückgängen. Auch das Weihnachtsgeschäft fiel eher durchwachsen aus. Der Konzernumsatz stieg lediglich um 1,7 Prozent auf 3,38 Mrd. Euro. Angestrebt hatte der Konzern eine Umsatzsteigerung zwischen zwei und vier Prozent.

Um sich die Aktienmehrheit zu sichern, braucht die Familie Kreke aber nicht nur die Oetkers, sondern auch die Hilfe von Finanzinvestoren. Derzeit laufen offenbar Verhandlungen mit Apax Partners und BC Partners, wie Insider aus der Private-Equity-Branche sagten. Doch wie Finanzinvestoren den Krekes helfen können, ist noch unklar. Nur ein großer Investor könne eine solche Übernahme stemmen, sagte ein Investmentbanker.

Die Branche hat in der Finanzkrise jedoch Schwierigkeiten, das nötige Fremdkapital zu beschaffen. Private-Equity-Gesellschaften finanzieren Übernahmen in der Regel zur Hälfte mit Krediten. Doch die Banken sind Branchenkennern zufolge derzeit allenfalls bereit, 200 Millionen Euro für eine Übernahme bereitzustellen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Um sich vom Börsenparkett zu verabschieden, ist in der Regel eine Aktienmehrheit von 95 Prozent notwendig. Mit seinem 10-Prozent-Paket könnte Erwin Müller diesen Plänen einen Riegel vorschieben – oder aber sich die Trennung teuer bezahlen lassen.

Mit Material von Reuters und dpa

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