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Patrice Monmousseau: Der Rüttelmeister

Schaumwein aus Frankreich? Seit 42 Jahren bewahrt der Bouvet-Ladubay-Chef Patrice Monmousseau das Erbe des Großvaters – zuletzt mithilfe Indiens. Für das Traditionsunternehmen ist die Globalisierung ein Glücksfall.

Seit 1927 darf sich der Schaumwein aus Saumur nicht mehr Champagner nennen. Quelle: dpa
Seit 1927 darf sich der Schaumwein aus Saumur nicht mehr Champagner nennen. Quelle: dpa

Die Globalisierung walzt alle regionalen Kulturen nieder? Lässt, in den Worten von Karl Marx und Friedrich Engels, „kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch“ übrig „als das nackte Interesse, als die gefühllose 'bare Zahlung'“? Ein Gegenbeispiel ist die Geschichte Patrice Monmousseaus, des Chefs von Bouvet-Ladubay. Die Firma aus dem Loire-Städtchen Saumur gehört dem indischen Multimillionär Vijay Mallya. Monmousseau nennt Mallya immer nur „meinen Inder“.

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In Saumur wird Schaumwein gemacht, der sich seit 1927 nicht mehr Champagner nennen darf. Bouvet-Ladubay ist der bedeutendste Produzent am Ort. „Wir exportieren in 40 Länder“, sagt Monmousseau, „unsere beiden größten Märkte sind Deutschland und Frankreich, dort verkaufen wir je 1,5 Millionen Flaschen pro Jahr.“ Und Indien? „China und Indien sind noch nicht so weit, dort trinkt man wenig bulles“ – Monmousseau benutzt dieses Wort am liebsten, wenn er von seinem Produkt spricht: bulles, also „Blasen“, manchmal sagt er auch bubbly, wie die Briten.

Die größten Konsumgüterhersteller der Welt

  • Platz 10

    Tyson Foods

    Umsatz 2012: 33,3 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus vier Prozent

    Operative Marge (2012): vier Prozent

    Quelle: OC&C

  • Platz 9

    Archer Daniels Midland

    Umsatz 2012: 34,7 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus sechs Prozent

    Operative Marge (2012): zwei Prozent

  • Platz 8

    Mondelez (ehemaliges Auslandsgeschäft von Kraft Foods)

    Umsatz 2012: 35 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: minus zwei Prozent

    Operative Marge (2012): 15 Prozent

  • Platz 7

    JBS

    Umsatz 2012: 37,3 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus 24 Prozent

    Operative Marge (2012): vier Prozent

  • Platz 6

    AnheuserBusch Inbev

    Umsatz 2012: 39,8 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus zwei Prozent

    Operative Marge (2012): 34 Prozent

  • Platz 5

    Coca-Cola

    Umsatz 2012: 47,9 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus drei Prozent

    Operative Marge (2012): 24 Prozent

  • Platz 4

    PepsiCo

    Umsatz 2012: 65,5 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: minus zwei Prozent

    Operative Marge (2012): 14 Prozent

  • Platz 3

    Unilever

    Umsatz 2012: 66 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus zehn Prozent

    Operative Marge (2012): 14 Prozent

  • Platz 2

    Procter & Gamble

    Umsatz 2012: 83,7 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus drei Prozent

    Operative Marge (2012): 18 Prozent

  • Platz 1

    Nestlé

    Umsatz 2012: 98,4 Milliarden Dollar

    Veränderung gegenüber 2011: plus zehn Prozent

    Operative Marge (2012): 16 Prozent

Seine bulles entstehen nach traditioneller Methode, aus Flaschengärung, wie in der Champagne, nur gewinnt Monmousseau die Grundweine überwiegend aus den regionaltypischen Trauben Chenin blanc und Cabernet franc. „Mein Großvater hatte noch fuderweise Grundweine von der Loire in die Champagne gefahren, daraus wurde dann Champagner“, erzählt Monmousseau. „Heute ist das alles getrennt. Vor 15 Jahren wurde uns sogar verboten, 'méthode champenois' auf die Flaschen zu schreiben. Aber das war ein Segen für uns. Denn nun erfuhren die Leute, dass wir hier etwas anderes machen, etwas eigenständiges.“ In der Tat sind seine besten Produkte vielen Champagnern nicht bloß ebenbürtig, sie haben auch einen besonderen, regionalen Charakter – und sind deutlich billiger.

Das 1851 von Etienne Bouvet gegründete Haus produzierte schon einmal auf dem heutigen Mengenniveau, das war in der Belle Époque. Doch mit dem Ersten Weltkrieg begann der Niedergang, 1932 kam die Firma unter den Hammer. „Mein Großvater, der eine Kellerei in der Touraine besaß, hat sie dann ersteigert“, sagt Monmousseau, „um eine Konkurrenzfirma zu ärgern.“ Die Neuerwerbung wurde vom Sohn geleitet, mit mäßigem Erfolg. Der Enkel wiederum, der kleine Patrice, wurde in katholische Internate gesteckt, er sollte Bildung erwerben. Mit 16 jedoch floh er die Strenge der Priester, versuchte sich stattdessen als Autoschlosser, bis er seinen Vater bat, im Betrieb mitarbeiten zu dürfen. Der ließ ihn ganz unten anfangen: fegen, Klos putzen, Kisten stapeln. Allmählich stieg Patrice aber auf, durfte Weine verkaufen, schließlich bei der Assemblage dabei sein – so heißt das Mischen der verschiedenen Grundweine, das eine stets gleichbleibende Geschmacksrichtung und Qualität garantieren soll.

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