
KÖLN. Wenn die Wirtschaft Fach- und Führungskräfte sucht, brummt das Geschäft der Personalberater. Wenn in der Wirtschaft nichts mehr läuft, geht den Headhuntern die Arbeit aus. Letztes Jahr brach der Umsatz der knapp 2 000 Personalberatungsgesellschaften in Deutschland laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) um 26 Prozent ein. Ein desaströses Ergebnis, das sogar die Krise in den Jahren 2002/2003 nach dem Platzen der Dotcom-Blase noch übertraf.
2010 stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. "Allmählich nimmt die Zahl der Suchaufträge aus der Wirtschaft wieder zu", sagt Wolfgang Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung. Damit wachsen auch die Chancen von Absolventen und Young Professionals, in der Personalberatung beruflich Fuß zu fassen.
Bei guten Kontakten Chancen auf höhere Position
"Es gibt zwei klassische Einstiegswege", sagt Sörge Drosten, Geschäftsführer Kienbaum Executive Consultants International in Düsseldorf: "Wer gerade frisch von der Hochschule kommt, startet als Researcher. Wer bereits in der Industrie gearbeitet hat und über ein gutes Netzwerk verfügt, kann auch direkt als Personalberater anfangen." Die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften setzt vor allem eins voraus: in der Wirtschaft bestens verdrahtet zu sein.
Darüber hinaus sind einige weitere Fähigkeiten von Vorteil: "Gute Personalberater haben ein ausgesprochenes Talent für Vertrieb, mögen Menschen und haben das richtige Quentchen Empathie, um herauszufinden, wer wohin passt und wer mit wem kann", sagt Ernst Heilgenthal, Partner bei der Personalberatungsgesellschaft Gemini Executive Search.
"Als Researcher kommen im Prinzip Akademiker jedweder Fachrichtung infrage", so Drosten. Gern werden für diese Position Betriebs- und Volkswirte eingestellt, aber auch Psychologen mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie, Pädagogen und Sozialwissenschaftler. Lichius vom BDU: "Wichtig ist vor allem, dass potenzielle Mitarbeiter eine Vorstellung davon haben, wie Unternehmen funktionieren, eine vertriebliche Ader in sich spüren und das Vermögen mitbringen, andere Menschen für sich zu gewinnen."
Das Einstiegsgehalt eines Researchers liegt um die 33 000 Euro pro Jahr. Bei Personalberatern sind den Verdienstmöglichkeiten keine Grenzen nach oben gesetzt. "Das Einkommen hängt vor allem sehr stark davon ab, in welcher Liga man spielt", so Heilgenthal. Wer regelmäßig Vorstands- und Aufsichtsratsposten im Dax besetzen kann, verdient pro Jahr mehrere Hunderttausend Euro.
Zunächst mit Datenbanken und Stellenanzeigen arbeiten
Ein Direkteinstieg bei den Personalberatungen, die sich rühmen nur Toppositionen zu besetzen, ist für Berufseinsteiger eher unwahrscheinlich. Ganz anders sieht es bei jenen Firmen aus, die nicht auf persönliche Netzwerke und auf das Abwerben von Köpfen setzen, sondern Stellenanzeigen inserieren und auf eine zentrale Datenbank zurückgreifen, aus der sich ihre Consultants bedienen können.
Page Personnel arbeitet zum Beispiel nach diesem Prinzip und sucht Nachwuchs. "Vertriebsstarke Absolventen der Betriebswirtschaftslehre sind uns als Personalconsultants sehr willkommen", sagt James Garrett, Leiter des Düsseldorfer Büros der Personalberatungsfirma. Für ein Einstiegsgehalt zwischen 36 000 und 38 000 Euro lernen sie beim Training on the Job das Handwerkszeug für die Auswahl von Fach- und Führungskräften der mittleren Ebene kennen und Kundengespräche zu führen. Bei bis zu 20 Auswahlgesprächen und zehn Meetings mit potenziellen Kunden pro Woche erfahren sie viel über Menschen.
Der Beruf des Personalberaters ist aber vor allem eine Vertriebstätigkeit. Nichts ist schwerer als eine Dienstleistung zu verkaufen, die keiner sehen und anfassen kann. Garrett: "Am Ende muss Ihnen der Kunde vertrauen, dass der Kandidat, den Sie ihm anbieten, genau die richtige Wahl ist."