
München, FrankfurtHolger Küster kann sich vor Aufträgen kaum retten. Gut 1.000 Mitarbeiter beschäftigt er als Geschäftsführer der Aviation Power, eines Zeitarbeitsunternehmens für Fluglinien. Aber im Moment gehen die Geschäfte fast zu gut. 150 gut ausgebildete Mechaniker und Kaufleute wechseln derzeit fest zur Lufthansa Technik. „Unsere Mitarbeiter werden abgeworben, das ist Teil unseres Geschäftes“, sagt Küster, der sich nicht über das Gebaren seiner Kunden beklagen will. Aber so langsam wird es eng auf dem Markt. „Wir haben immer mehr Probleme, neue Leute für die Zeitarbeit zu finden.“
„Klebeeffekt“ nennen es Arbeitsmarktexperten, wenn Zeitarbeiter bei ihren Einsätzen für feste Stellen abgeworben werden. Das passiert immer öfter. „Wir werden in diesem Jahr mehr Übernahmen haben“, bestätigt Ingrid Hofmann, Inhaberin des gleichnamigen Personaldienstleisters, der vor allem mit der Autoindustrie im Geschäft ist. Hofmann schätzt, dass sie in diesem Jahr jeden vierten ihrer Zeitarbeiter an ihre Kunden abgeben wird.
Damit wechseln alleine bei Hofmann 5.000 Leiharbeiter in feste Jobs. „Auch unsere Kunden stellen unsere Leute vermehrt fest ein“, sagt eine Sprecherin des Branchenführers Randstad. Die Niederländer gehen davon aus, in diesem Jahr jeden dritten Mitarbeiter an ihre Kunden zu verlieren, das wären rund 20.000 in Deutschland.
900.000 Zeitarbeiter gibt es in Deutschland in diesem Herbst, so viele wie noch nie. Doch die Branche erlebt derzeit die Grenzen des Wachstums. Seit Monaten klagt der Bundesverband Zeitarbeit über „massive Übernahmewellen“, die den Personaldienstleistern das Leben schwer machen. „Unsere Kunden überführen im großen Stil Zeitarbeitnehmer ins Stammpersonal“, sagt Volker Enkerts, Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit. Gut 200.000 Menschen, so schätzt der Bundesverband, könnten in diesem Jahr über die Zeitarbeit einen festen Job finden. 50.000 Stellen, so schätzt der Verband, sind zurzeit nicht besetzt. „Das ist eindeutig wachstumshemmend“, heißt es beim Verband.
Insgesamt hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer in den vergangenen neun Jahren nahezu verdreifacht. 2002 waren lediglich circa 300.000 Zeitarbeiter beschäftigt, 2011 werden es Schätzungen zufolge 900.000 sein.
In der Automobilindustrie arbeiteten im Jahr 2010 15,8 Prozent aller Zeitarbeiter. Damit ist die konjunkturabhängige Sparte der größte Arbeitgeber der Top-10-Zeitarbeitsfirmen.
Rund 10,6 Prozent der Zeitarbeiter entfielen auf die Sparten Energie, Verkehr und Logistik.
Läuft die Wirtschaft auf Hochtouren, ist der Bedarf an Zeitarbeitern im Maschinenbau hoch. Im Jahr 2010 waren 9,6 Prozent der Zeitarbeiter hier beschäftigt.
Im Baunebengewerbe waren ebenfalls 9,6 Prozent der von den Zeitarbeitsfirmen vermittelten Arbeiter angestellt.
Lediglich 8,3 Prozent vermittelten die zehn größten Zeitarbeitsfirmen an die Elektrotechnik.
In der Konsumgüterindustrie waren 2010 7,2 Prozent der Zeitarbeiter beschäftigt.
6,5 Prozent der Zeitarbeiter vermittelten die Personaldienstleister an Kundenfirmen aus der IT/Telekommunikationsbranche.
Auch die Luft- und Raumfahrt benötigt Zeitarbeiter. Hier waren im vergangenen Jahr 5,9 Prozent der Zeitarbeiter angestellt.
Immerhin 5,6 Prozent der Zeitarbeiter kamen in der Chemie- und Pharmabranche unter.
Der Markt für Zeitarbeit steht vor einem neuen Phänomen. Es droht in vielen Bereichen der Nachschub an frischem Personal auszugehen. 2003 hatte die Bundesregierung im Zuge der Hartz-Reformen den Markt für Zeitarbeiter liberalisiert. Damals drückten das Land ganz andere Sorgen: Mehr als fünf Millionen Menschen waren offiziell arbeitslos gemeldet. Seitdem dürfen Firmen Zeitarbeiter praktisch unbefristet beschäftigen.
Da jeder zweite Zeitarbeiter direkt aus der Arbeitslosigkeit kommt, sorgt die Branche zu einem guten Teil für die stark sinkende Arbeitslosenquote. Doch mit den rapide sinkenden Arbeitslosenzahlen trocknet das Reservoir an gut ausgebildeten Arbeitslosen langsam aus.
Ich glaube, ihr habt euch verschrieben:
"Die goldene Epoche der Personaldienstleister geht zu Ende."
Ihr meintet wohl eher:
Die goldene Epoche der Sklaverei geht zu Ende.
Und ich sage dazu: Gut so!
Man sollte deutlich sagen, dass die jungen Fachkräfte ausgehen. Jetzt bekommen die Fachkräte um das 50te Lebensjahr bei den Sklavenhändlern eine Chance. Die können dann auch sicher sein, dass die Firmen den 50jährigen kein Übernahmeangebot machen.
Danke. Die Erklärung stimmt sicher, aber die Mitarbeiterzahl ist bei uns gering und die Qualifikationen sehr identisch. Das liegt in der Natur der Sache, wenn man halt nur 11 Vertriebsingenieure sowie 11 Innendienstkräfte beschäftigt und zudem tarifgebunden ist.... Entschuldigung für die vorab männliche Form...
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