Die Polizei hat am Donnerstagmittag den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, mitgenommen. Der Verdacht: Der 64-Jährige soll Steuern in großem Stil hinterzogen haben. Eigentlich sollte Zumwinkels Vertrag im Herbst auslaufen – doch Anleger scheinen auf einen verfrühten Abgang zu spekulieren.
Klaus Zumwinkel verlässt sein Wohnhaus in Köln in Begleitung der Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen. Foto: dpa
HB KÖLN/BONN. Nach Informationen des ZDF soll gegen Zumwinkel ein Haftbefehl wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vorliegen.
Eine Sprecherin der Deutschen Post
bestätigt am Donnerstag, dass das Büro des Top-Managers in der Bonner Post-Zentrale am Morgen durchsucht worden ist. Zum Tatvorwurf wollte die Sprecherin nichts sagen und verwies auf die Staatsanwaltschaft, die sich im Laufe des Tages äußern wollte.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum, Bernd Bienioßek, bestätigte "Ermittlungen in einem reinen Steuerstrafverfahren", zu dem derzeit Durchsuchungen an verschiedenen Orten, darunter auch Bonn liefen. Weitere Informationen kündigte der Sprecher des Schwerpunkts Wirtschaftskriminalität der Bochumer Staatsanwaltschaft für den Mittag an. Geplant sei eine schriftliche Mitteilung, keine Pressekonferenz, hieß es. Vorher wolle man sich offiziell nicht äußern.
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Die Bundesregierung erklärte, die Angelegenheit sei Sache der Staatsanwaltschaft. "Das haben wir nicht zu kommentieren", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Der Bund ist nach wie vor größter Einzelaktionär der Post.
Zumwinkel wird Medienberichten zufolge vorgeworfen, seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein Steuern hinterzogen zu haben. Das Vermögen der Stiftung habe zuletzt mehr als zehn Mill. Euro betragen. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts solle hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: ZDF: Haftbefehl kurz vor der Vollstreckung
Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels wird demzufolge bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Eine anonyme Anzeige habe dieses Steuerverfahren ausgelöst. Für den Fall, dass sich bei den Durchsuchungen die Gefahr einer Verdunkelung herausstellt, sei ein Haftbefehl gegen Zumwinkel vorbereitet.
Das ZDF berichtet von einem weiteren Haftbefehl wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung der bereits vorliege und kurz vor der Vollstreckung stehe. Die Staatsanwaltschaft prüfe, ob Zumwinkel einen zweistelligen Millionenbetrag am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust habe. Das Vorliegen eines Haftbefehls bestätigte die Behörde nicht.
Die Ermittler begannen demnach mit ihren Razzien zeitgleich am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr in der Zentrale des Konzerns in Bonn und in der Villa Zumwinkels im Kölner Stadtteil Marienburg. Die Operation soll seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden sein.
Kurz vor Mittag hat die Polizei das Privathaus Zumwinkels abgesperrt. Beamte der Kölner Polizei rollten weiß-rote Absperrbänder bei dem Anwesen in Köln- Marienburg aus. Ein Polizist begründete diesen Schritt mit „weiteren Maßnahmen, die wir gleich treffen werden“. Der Postchef wurde dann von der Polizei mitgenommen und befindet sich auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft nach Bochum. Dort soll der 64-Jährige vernommen werden, sagte ein Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen. Er gehe davon aus, dass Zumwinkel freiwillig mitgekommen sei.
Zumwinkel steht seit 19 Jahren an Spitze der Post, sein Vertrag läuft im Herbst aus. Zumwinkel, der Ende des Jahres 65 Jahre alt wird, ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom.
Im Zuge der laufenden Ermittlungen stellt sich die Frage, ob der Postchef sein Amt nicht früher abgeben muss. Ein vorgezogener Abschied Zumwinkels macht eine schnelle und harte Sanierung des defizitären US-Geschäftes und einen Verkauf der Postbank
wahrscheinlicher. Anleger scheinen dies anzunehmen, denn der Kurs der Post-Aktie stieg bis zum Nachmittag um mehr als 3,5 Prozent, während die Titel der Postbank
um knapp 2,7 Prozent nachgaben.
Links zum Thema im Web:
» ZDF: "Razzia bei Postchef Zumwinkel - Millionenbeträge ins Ausland geschleust?"
ZDF: "Razzia in Köln dauert an"
» Spiegel Online: "Razzia bei Post- Chef Zumwinkel - Haftbefehl vorbereitet"

