
FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Schnitt liegt dagegen nach Erhebungen der Marktforschungsgruppe Lünendonk bei 148 Euro. Auch das bedeutet schon einen Abschlag von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Einige gehen sehr preisaggressiv in den Markt", klagt Wirtschaftsprüfer Bernd Rödl, Chef der Nummer sechs der Branche in Deutschland. "Inzwischen stellt sich die Frage nach einer Gebührenordnung." Die gibt es beispielsweise für Anwälte oder Architekten, nicht aber für Wirtschaftsprüfer.
Auslöser für den Preisdruck sind nach Darstellung von Bernhard Steffan, Partner der Sozietät Ebner Stolz Mönning Bachem, die "Überkapazitäten im Markt." Denn obwohl das Geschäft mit den Jahresabschlüssen, Firmenbewertungen, Gutachten und der Steuerberatung selbst in der Krise wächst, wird der Wettbewerb um Kunden heftiger.
Dies führt die Branche vor allem auf zwei Grunde zurück: Staatliche Auftraggeber sind per Gesetz gezwungen, immer den preiswertesten Anbieter zu nehmen. Und Prüfungsaufträge von Unternehmen werden zunehmend von den Einkaufsabteilungen vergeben, nicht mehr vom Rechnungswesen. Und die schauen genauer auf den Euro. Das geforderte Honorar entscheidet damit über die Auftragsvergabe. "Der Mehrwert, den ein Prüfer bieten kann, nämlich Schwachstellen im Unternehmen aufzudecken, ist nur noch schwer zu verkaufen", beklagt Steffan.
Für die Zukunft sind Deutschlands Wirtschaftsprüfer skeptisch. Auch wenn es diesem Dienstleistungszweig vergleichsweise gut geht. 2009 erwarten sie ein Wachstum von sechs Prozent nach einem Umsatzplus von neun Prozent im vergangenen Jahr. Doch diese Durchschnittsbetrachtung schönt die Lage. Denn erstens treiben einige positive Ausreißer den Schnitt nach oben. Zweitens prognostizieren die meisten Gesellschaften für 2009 ein Umsatzwachstum von nur drei Prozent.
Begründet wird das mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, dem anhaltenden Druck auf die Honorare und - von den großen Prüfungsfirmen - mit den Finanzierungsengpässen bei den Kunden. Anders formuliert: Vor allem Sonderaufträge fallen der Sparwut der Unternehmen zum Opfer. Zu diesem Ergebnis kommt Lünendonk in einer Studie, an der insgesamt 85 Prüfungsgesellschaften teilgenommen haben.