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16.07.2007 
Schrumpfende Margen

Preisschlacht der Pharmahändler

von Anna Sleegers

Die Margen im deutschen Pharmagroßhandel schrumpfen, der Preiswettbewerb nimmt zu. Die Politik schränkt den Handlungsrahmen der Unternehmen immer mehr ein. Dazu kommen hausgemachte Probleme: Nach dem Doc-Morris-Kauf verliert Celesio Marktanteile im Stammgeschäft.

Doc Morris-Chef Ralf Dänighaus mischt in Deutschland das Medikamenten-Geschäft auf. Foto: APLupe

Doc Morris-Chef Ralf Dänighaus mischt in Deutschland das Medikamenten-Geschäft auf. Foto: AP

FRANKFURT. „Die letzten Gesetzesänderungen lassen uns eigentlich keinen Spielraum für zusätzliche Rabatte an Apotheker“, sagte Wilfried Hollmann, Vorstandschef des fünftgrößten deutschen Pharmagroßhändlers Noweda. Dennoch werde der Wettbewerb in dem 21,5 Mrd. Euro schweren Markt noch immer vornehmlich über die Rabatte ausgetragen.

Der deutsche Pharmagroßhandel wird von einer Hand voll Unternehmen dominiert. Unangefochtener Marktführer ist die Mannheimer Gesellschaft Phoenix Pharmahandel, die zum Merckle-Imperium gehört. Nach Informationen aus der Branche kommt sie auf einen Marktanteil von 28,5 Prozent. Danach folgen Anzag und Gehe vor den Apothekergenossenschaften Sanacorp und Noweda.

Seit der vergangenen Gesundheitsreform dürfen die Pharmahersteller nur noch den Krankenkassen Rabatte gewähren. Damit entfällt für die Grossisten die Möglichkeit, Marktmacht zu bündeln, um Einkaufsvorteile zu erzielen. Wenn ein Apotheker seine Ware direkt beim Hersteller bezieht, bezahlt er denselben Preis wie ein Großhändler.

Da sich die Angebote der Großhändler nur marginal voneinander unterscheiden, sind Rabatte an die Apotheker für sie trotzdem die wichtigste Waffe im Kampf um Marktanteile. „Das hat zum Teil schon ein ungesundes Niveau erreicht“, sagt Hollmann. Anzag-Chef Thomas Trümper sprach sich kürzlich in einem Interview mit der „Börsenzeitung“ sogar dafür aus, dass der Gesetzgeber den Grossisten verbietet, den Apotheken Rabatte zu gewähren.

Celesio, der Mutterkonzern des Stuttgarter Großhändlers Gehe, rechnet fest damit, dass die bislang geltenden Marktbeschränkungen für Apotheken fallen, und will die erste Apothekenkette Deutschlands aufbauen. Schon jetzt betreibt das Unternehmen mehr als 2 000 Apotheken in Großbritannien und den Niederlanden. Die Margen in diesem Geschäft sind um ein Vielfaches höher als im Großhandel.

Um in Deutschland mit einer bekannten Marke an den Start gehen zu können, hat Celesio vor einigen Monaten für geschätzte 200 Mill. Euro die frühere Internetapotheke Doc Morris übernommen. Wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) die deutschen Gesetze zum Schutz der unabhängigen Apotheken kippt, will das Unternehmen seine Kette eröffnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Celesio gibt sich zuversichtlich.

Umkämpfter Markt: Anteile im deutschen Pharmagroßhandel. Grafik: HBLupe

Umkämpfter Markt: Anteile im deutschen Pharmagroßhandel. Grafik: HB

Die in den Niederlanden ansässige Firma Doc Morris ist als Partner für das Vorhaben interessant, da sie seit Anfang des Jahres ihren Firmennamen und ihr Logo für den Aufbau einer Art Franchisesystem für Apotheker nutzt. Wie bei den älteren Marketing-Kooperationen Linda, Vivesco oder „Gesund leben“ bleiben die Apotheker dabei unabhängig, wie es der Gesetzgeber verlangt. Anders als bei den bisherigen Zusammenschlüssen verpflichten sie sich aber zu einem einheitlichen Auftritt.

Nicht wenige nahmen die Nachricht zum Anlass, ihren Vertrag mit Gehe zu kündigen. In den ersten Wochen nach der Übernahme berichteten einige Wettbewerber, dass sie Marktanteile gewonnen hätten, weil sich frühere Gehe-Kunden von ihrem bisherigen Lieferanten abwendeten. Nach Informationen aus der Branche hat Anzag Gehe seither von Platz zwei verdrängt.

Doch der für das Apothekengeschäft zuständige Celesio-Vorstand Stefan Meister demonstrierte Zuversicht: „Wir werden uns jeden Euro Umsatz, den wir verlieren, zurückholen.“ Wie groß das Minus überhaupt ist, wird der Konzern aber erst Anfang August bei der Präsentation der Halbjahreszahlen darlegen.

Nach Brancheninformationen hat Gehe etwa 2,6 Prozentpunkte an die Wettbewerber abgegeben. „Solange Doc-Morris-Partnerapotheken eröffnen, hält der Trend an“, glaubt Noweda-Chef Hollmann. Erst wenn der Konkurrent die Apotheker vor der eigenen Haustür angreife, werde der Ärger über Gehe erneut aufflammen.


Doc Morris’ Strategie

Stand der Dinge: Wie Doc Morris kürzlich mitteilte, haben bundesweit 40 Partnerapotheken das rote Apotheken-A abgeschraubt und durch ein grünes Kreuz ersetzt.

Das Ziel: Angepeilt sind 500 Partnerapotheken. Angeblich verzeichnen die bisherigen Partner rasante Umsatzzuwächse. Belegen lässt sich das jedoch nicht; kein unabhängiger Apotheker ist bereit, seine Einkommensverhältnisse offen zu legen.

Der Widerstand: Der Mehrheit der rund 22 000 Apotheker in Deutschland sind die Doc-Morris-Apotheken jedoch ein Dorn im Auge, weil sie darin einen Wegbereiter der Apothekenkette sehen, die die wenigsten wollen.

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