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Prozess gegen Rolf Demuth: Vom Aufstieg und Fall des deutschen Möbel-Königs

Der Möbel-König Rolf Demuth hat sich in nie für möglich gehaltene unternehmerische Höhen geschraubt. Dann folgte der tiefe Sturz. Nun sitzt er auf der Anklagebank - in einem der größten Wirtschaftsprozesse der Nachkriegszeit.

Zwischen den Stühlen auf der Anklagebank: Rolf Demuth. Quelle: dpa
Zwischen den Stühlen auf der Anklagebank: Rolf Demuth. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Kaum einer flog je so hoch und stürzte so schnell so tief ab wie Rolf Demuth. Gegen den 71jährigen Gründer des Möbelgiganten Schieder hat Ikarus einen kontrollierten Sinkflug hingelegt. Ab Donnerstag hockt der Gefallene auf der Anklagebank des Landgerichts Detmold, vor sich die Trümmer seines Lebenswerks, neben sich drei seiner Ex-Manager. Mindestens 38 Prozesstage sind angesetzt, danach drohen dem einstigen Möbel-König und seinem Gefolgstrio bis zu zehn Jahre Haft. Ihnen wird Bilanzfälschung und schwerer Betrug vorgeworfen. "Das ist eine Kriminalgeschichte wie sie im Buche steht", sagt Anwalt Wolfgang Schneider, der in der Causa Schieder als Sonderermittler daran beteiligt war, die Gaunereien aufzudecken.

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Demuth spielt die Hauptrolle. Aber er hat "clevere Mittäter gehabt", sagt Schneider. So ausgebufft ist das Vierergespann zu Werke gegangen, dass die kriminellen Machenschaften, für die es nun zur Verantwortung gezogen werden soll, in die deutsche Nachkriegsgeschichte als nahezu einzigartig eingehen werden. Kisten voll mit Beweismaterial hat die Bielefelder Staatsanwaltschaft zusammengetragen, drei Jahre gesichtet, gewertet, gelesen. Dem Inhalt nach wird den Beschuldigten vorgeworfen, einen Gesamtschaden von mindestens 234 Millionen Euro verursacht zu haben.

Dabei ging bis 2007 ging für Demuth alles gut - von da an dann allerdings alles schief. Im ostwestfälischen Schieder-Schwalenberg, einem 10 000-Einwohner-Dorf, trat er an, den Möbelbau zu revolutionieren. Als erster Möbelproduzent in Deutschland begann der gelernte Industriekaufmann den zusammen mit seinem Schwiegervater 1964 gegründeten Betrieb wie einst Henry Ford auf Fließbandarbeit umzustellen. Damit konnte er die Wünsche der möbelhungrigen Wirtschaftswunderdeutschen billiger und schneller befriedigen als seine Wettbewerber. Er habe wie ein Unternehmer gewirkt, der sich nie die Zügel aus der Hand nehmen lassen würde, heißt es in seinem Umfeld.

In einem geradezu atemberaubenden Tempo trimmte Demuth die Schieder-Gruppe auf Größe. Zu den Kunden gehörte Ikea genauso wie Roller oder Segmüller und Schieder selbst bald zu den Möbelgiganten in Europa. Demuth, der Chef, fürchtete niemanden und nichts, nicht Wirtschaftsflaute noch Zollbarrieren - nur Ikea-Chef Ingvar Kamprad nötigte ihm eine gewisse Portion Respekt ab. Doch auf dem Höhepunkt seines Schaffens verzettelte sich Demuth.

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