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Ratingagenturen: Moody's steigert Gewinn und Umsatz um ein Fünftel

Das Geschäft der Ratingagentur floriert. Sowohl Umsatz als auch Gewinn stiegen deutlich. Trotz einer Klage der US-Regierung rechnet Moody's auch für dieses Jahr mit weiterem Wachstum.

Die Ratingagentur Moody's hat ihren Gewinn 2012 deutlich steigern können. Quelle: Reuters
Die Ratingagentur Moody's hat ihren Gewinn 2012 deutlich steigern können. Quelle: Reuters

New YorkDas in der Kritik stehende Geschäft der Ratingagenturen wirft gutes Geld ab. Moody's als einer der drei großen Spieler am Markt konnte im vergangenen Jahr den Gewinn um 21 Prozent auf unterm Strich 690 Millionen Dollar hochschrauben (516 Millionen Euro). Und das bei einem Umsatz von 2,7 Milliarden Dollar, was ein Plus von 20 Prozent bedeutete.

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Besonders stark legte der Finanzdienstleister im Schlussquartal zu. Moody's erwarte weiteres Wachstum in diesem Jahr, erklärte Firmenchef Raymond McDaniel am Freitag in New York. Die Branche steht momentan unter besonderer Beobachtung, nachdem das US-Justizministerium den Moody's-Rivalen Standard & Poor's auf 5 Milliarden Dollar verklagt hat.

So will Europa die Ratingagenturen zähmen

  • Welche Bedeutung haben Ratingagenturen?

    Eine riesengroße. Sie bewerten, ob ein Unternehmen oder ein Staat geliehenes Geld pünktlich und vollständig zurückzahlen kann. Davon hängt die Bonität des Schuldners ab, das heißt sein Ansehen bei den Gläubigern. Viele Finanzakteure richten sich danach, so dürfen Fonds und Versicherer oft nur Anleihen mit einem bestimmten Rating halten.

    Die Noten reichen von „Dreifach A“ bis „C“ oder „D“. Der Markt wird zu 95 Prozent von den drei überwiegend in den USA beheimateten Agenturen Standard & Poor's, Moody's sowie Fitch Ratings beherrscht.

  • Was wirft die EU den Ratingagenturen vor?

    Dass sie die Krise verschlimmert haben. Ratingagenturen hätten die milliardenschweren Hilfspakete der Euro-Länder für Griechenland, Irland oder Portugal torpediert, lautet der Vorwurf. Schuld seien ihre „kurzfristigen und teilweise wahllosen Herabsenkungen“ der Bonität von Krisenstaaten, kritisiert der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann.

    Dadurch hätten diese Staaten mehr Zinsen zahlen müssen, um sich frisches Geld an den Märkten zu beschaffen - wofür sie sich noch höher verschulden mussten. Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagt: „Wir alle wissen, dass die Ratingagenturen stark zur Finanzkrise beigetragen haben.“

  • Dürfen Ratingagenturen Euro-Krisenstaaten überhaupt noch bewerten?

    Ja. Mit einem Verbot konnte sich EU-Kommissar Barnier nicht durchsetzen - der Protest der Branche war zu stark. Die Bewertung von Staaten ist künftig aber nur noch an drei vorher festgelegten Terminen im Jahr erlaubt. Will eine Agentur unabhängig davon ein neues Rating eines Staates veröffentlichen, muss die europäische Börsenaufsicht Esma dies genehmigen. Länderratings dürfen keine Weisungen für die nationale Politik enthalten. Damit können die Ratingagenturen nicht mehr in die politische Agenda eingreifen.

  • Wer haftet für Verluste?

    Erstmals können Anleger und Investoren, aber auch Emittenten Ratingagenturen zivilrechtlich auf Schadenersatz verklagen. Und zwar dann, wenn eine Agentur EU-Regeln vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt und Fehlurteile abgibt. Gründe wären etwa Marktmanipulation oder Missbrauch von Insiderinformationen. Zuständig sind nationale Gerichte. Allerdings muss der geschädigte Anleger dies beweisen.

  • Wie will die EU Interessenkonflikte reduzieren?

    Die Auflagen begrenzen die Verflechtung von Agenturen mit der Wirtschaft. So setzt die EU Grenzen, welche Beteiligung ein Unternehmen oder Finanzinstitut an einer Ratingagentur, die es beauftragt, haben darf. Große Agenturen dürfen nicht mit anderen fusionieren.

  • Wird die Macht der „Drei Großen“ gebrochen?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. Ja, sagt EU-Kommissar Barnier: Terminplan und Haftung legten der Branche Fesseln an. „Nein“ sagt dagegen der grüne Europaparlamentarier Sven Giegold. So konnte sich die EU nicht auf eine Pflicht für Unternehmen einigen, die von ihnen beauftragte Ratingagentur alle paar Jahre wechseln zu müssen. Dies gilt nur bei hochkomplizierten Finanzprodukten.

  • Was sagen Finanzexperten?

    Sie bleiben skeptisch. Eine absichtliche oder grob fahrlässige Bewertung wäre ja eine Marktmanipulation - und die sei auch nach geltenden Gesetzten strafbar, sagen Branchenkenner. Zudem schaffe der Terminkalender für Länderratings einen „Hexentag“. Dann würden die Märkte vorher schon auf eine Abwertung spekulieren.

  • Wie verteidigen sich die Agenturen?

    Sie sehen sich nur als Überbringer der schlechten Nachricht und verweisen darauf, dass Ratings lediglich Meinungen sind. Es sei jedem Marktteilnehmer überlassen, ob er diesen folge oder nicht. EU-Kommissar Barnier widerspricht: „Ratings haben unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte und die Wirtschaft als Ganzes und damit auf den Wohlstand der europäischen Bürger.“

  • Wann wird der Entwurf Gesetz?

    Im Frühjahr, entweder März oder April. Die EU-Mitgliedsstaaten werden in den nächsten Wochen den Kompromiss verabschieden, dies gilt als Formalie.

  • Was ist mit einer europäischen, unabhängigen Ratingagentur?

    Dieses Projekt schiebt die EU auf die lange Bank. Es gilt als zu teuer, zu langwierig und wenig glaubwürdig. Ende 2016 werde die EU-Kommission einen Bericht zu einer „möglichen Europäischen Ratingagentur“ vorliegen, verspricht EU-Kommissar Barnier lediglich.

Der Vorwurf: S&P habe vor der Finanzkrise wissentlich zu gute Noten für Hypothekenpapiere verteilt und damit Investoren betrogen. Moody's hatte derartige Papiere ebenfalls mit Bestnoten bewertet. In der Finanzkrise brach der Markt dann zusammen und die Investoren verloren Abermilliarden. Unklar ist bislang, warum sich die Regierung bislang nur auf S&P stürzte.

  • 08.02.2013, 18:46 UhrALLESFUERDENMAMMON

    Das freut den Handelsblatt Leser, wenn man solch gute Nachrichten liest. Leider ist es aber so, dass diese Unternehmen nur dann entsprechend viele Aufträge zur Bewertung von Unternehmen/Staaten etc. erhalten wenn Sie diese im Sinne der Weltregierung bewerten. Die Kosten dieser korrupten Maschinerie darf der gemeine Bürger tragen in Form staatlicher Enteignungen u.o. Kriegen.

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