Ein neues Konzept soll Schlecker retten

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Seit Juni 2010 sollen die Münchner Berater nun beweisen, dass sie nicht nur analysieren, sondern auch verbessern können. Ein Fünf-Mann-Team um den Wieselhuber-Handelsexperten Timo Renz hat sich in der Zentrale einquartiert, um die Neuausrichtung mitzuplanen, etwa festzulegen, welche Ladenmodule sinnvoll sind, oder herauszufinden, wie viele Sorten WC-Duftsteine die Kundschaft verlangt. Detailarbeit.

Von einem Zettel an der Wand leuchten bunte Balken, die die Phasen des Projekts anzeigen. Der Zeitplan ist eng. Nach dem Start von insgesamt sechs Pilotmärkten im Süden sollen bis Juni weitere 60 Filialen umgebaut werden. Anschließend wird feinjustiert, bevor die neue Ladengestaltung im zweiten Halbjahr im großen Stil ausgerollt wird. „Wenn wir merken, dass unser neues Konzept voll einschlägt, geben wir Vollgas“, kündigt Lars Schlecker an. „Dann sind in den kommenden Jahren auch 1000 bis 1500 Läden möglich.“

Ab Sommer will Schlecker im Inland mit einer breit angelegten Werbekampagne mehr Profil und jüngere Kunden gewinnen. Die bisherigen TV-Spots seien lediglich „ein Testballon“, heißt es in Ehingen. Mitte Januar hatte der Konzern in vier 20-Sekündern für Tagescreme, Cappuccino und Essigreiniger getrommelt. „Lieblos“, „monoton“, „gruselig“, lauteten Internet-Kommentare dazu. Auch bei der Agentur Grey, die im Herbst den Werbeetat der Drogeriekette gewonnen hatte, hielt sich die Begeisterung wohl in Grenzen. Eine Beteiligung am jüngsten TV-Machwerk streiten die Düsseldorfer Kreativen zumindest ab. Erst im Sommer soll die eigentliche Grey-Kampagne starten.

Im Schlecker-Auftrag fahndet bereits die Privatfernsehprominente Mirja du Mont in den Printprospekten nach „Deutschlands schmutzigster WG“ und dürfte bald zum fernsehgerechten Feudeleinsatz ausrücken. Auch mit Imagefilmen will das Handelshaus dann bei Verbrauchern seinen Ruf polieren. Derrick, so scheint es, soll zu Meister Proper werden.

An der Zeit wäre es. Denn seit Schlecker Mitarbeiter über eine konzerneigene Leiharbeitsfirma zu Niedriglöhnen beschäftigt hat, gilt das Unternehmen als ein Symbol für Dumping und Ausbeutung. Anfang 2010, als der öffentliche Druck zu groß wurde, beendete Schlecker das Leiharbeitsexperiment und schloss einen Tarifvertrag mit Verdi ab. Seither sind selbst gestandene Gewerkschafter wie der für Schlecker zuständige Verdi-Mann Achim Neumann bisweilen verblüfft über die Veränderungen beim alten Erzfeind. „Wenn das so weitergeht“, sagt Neumann, und der Klimawandel auch die unteren Hierarchieebenen erreicht, „könnte aus Schlecker doch noch ein ganz normales Handelsunternehmen werden“.

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