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Rückgang im Premium-Segment: Dienstreisen: Krise zwingt alle in die Holzklasse

Immer mehr Unternehmen verschärfen ihre Reise-Vorschriften. Kaum noch ein Mitarbeiter, quer durch alle Hierarchiebenen, darf für seine dienstlichen Touren Business- oder gar 1. Klasse-Tickets buchen. Angesichts der Krise sind die hohen Kosten dafür nur noch schwer vermittelbar - weder dem internen Controller noch dem gebeutelten Aktionär.

Economy Class im Airbus A380. Die Fluggesellschaften locken mit ihren Premiumangeboten kaum noch Kunden. Quelle: AFP
Economy Class im Airbus A380. Die Fluggesellschaften locken mit ihren Premiumangeboten kaum noch Kunden. Quelle: AFP

FRANKFURT. Es ist Freitag, der 24. April, später Nachmittag. Pünktlich hat Flug LH 279 von Köln nach Berlin abgehoben. Alles scheint normal zu laufen. Doch einige der Passagiere im hinteren Teil des Flugzeugs reiben sich verwundert die Augen. Ist das dort nicht René Obermann, der Chef des Kommunikationsriesen Deutsche Telekom? In der Holzklasse? Ja, er ist es. Locker sitzt er da in den etwas beengten Sitzen und plaudert - etwa über den jüngsten Ausfall des Mobilfunknetzes. Ein Bad in der Menge, in luftiger Höhe.

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So etwas werden demnächst auch andere Manager genießen. Zwar ist auch in früheren Krisen die Nachfrage nach Premium-Tickets eingebrochen, doch längst nicht so dramatisch wie derzeit. Nach Berechnungen der Luftfahrtorganisation IATA ist dieses Segment der First- und Business-Klasse im Februar um 21,1 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat abgesackt. In der Eco-Klasse betrug das Minus dagegen "nur" 8,3 Prozent.

Die traurigen Zahlen befeuern die Debatte über die Zukunft der Business-Klasse. "Der Anteil der Premium-Kunden wird nach der Krise wieder steigen, aber nicht mehr auf den Umfang wie vor der Rezession", sagt etwa Ralf Baron, Leiter des Teams "Travel und Transportation" beim Beratungsunternehmen Arthur D'Little voraus. Für die Fluggesellschaften wäre das ein Debakel, stellt es doch das gesamte bisherige Geschäftsmodell in Frage. "Die großen Fluggesellschaften verdienen ihr Geld durch die Premium-Tarife, die Economy-Class operiert oft nicht einmal kostendeckend", sagt Berater Baron.



Die Entwicklung macht vor keiner Fluggesellschaft halt. So musste Stephan Gemkow, der Finanzchef von Lufthansa, jüngst über deutliche Rückgänge bei den Premium-Kunden berichten. Hatten diese bei der zweitgrößten europäischen Airline im ersten Quartal 2008 noch einen Anteil von 20,4 Prozent an allen Interkontinental-Passagieren, sank der Wert im ersten Quartal dieses Jahres auf 17,9 Prozent. Ähnlich sieht die Entwicklung bezogen auf die interkontinentalen Umsätze des Kranichs aus. Hier gab der Anteil der Premiumkunden binnen Jahresfrist von 54,9 Prozent auf 50,3 Prozent nach.

Die Fluggesellschaften versuchen, mit aller Macht dieser für sie verheerenden Entwicklung gegenzusteuern. Niemals zuvor waren die Chancen der Kunden größer, hohe Abschläge zu bekommen. "Werte von 30 Prozent und mehr sind normal", berichtet Berater Baron. "Zusätzlich werden für einzelne angefragte Flüge in Premium-Klassen derzeit weitere Nachlässe über die Corporates Discount Rates hinaus eingeräumt." Ziel der Anbieter sei es, die Kunden bei der Stange halten. Schließlich komme auch wieder eine Zeit nach der Krise.

Aber auch die offiziellen Tarife gehen nach unten. Für Baron ist das ein Schritt mit großem Risiko: "Deutliche und offen kommunizierte Preisnachlässe sind das Gefährlichste, was eine Airline machen kann. Die Kunden gewöhnen sich daran, und es wird schwer, nach der Krise wieder das alte Preisniveau am Markt durchzusetzen."

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