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Schwache Bilanz: Tui schließt rabenschwarzes Jahr

Schwache Zahlen und Ärger mit dem Großaktionär John Fredriksen drücken die Stimmung. Nur ein Sondereffekt kann das Schlimmste in der Bilanz kaschieren. Europas größter Touristikkonzern ist vom Geldverdienen weit entfernt. Was das Unternehmen verspricht - und was Analysten davon halten.

Tui-Chef Michael Frenzel muss am Dienstag eine schwache Bilanz vorstellen. Zwar sorgt ein Sondereffekt für einen Nettogewinn; doch in seinem Kerngeschäft ist Europas größter Touristikkonzern vom Geldverdienen weit entfernt. Quelle: dpa
Tui-Chef Michael Frenzel muss am Dienstag eine schwache Bilanz vorstellen. Zwar sorgt ein Sondereffekt für einen Nettogewinn; doch in seinem Kerngeschäft ist Europas größter Touristikkonzern vom Geldverdienen weit entfernt. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Europas größter Touristikkonzern Tui hakt ein rabenschwarzes Jahr ab. Morgen wird Konzernchef Michael Frenzel bei der Präsentation der Bilanz zwar einen Nettogewinn von einer knappen Milliarde Euro verkünden, doch dieser ist - so Analysten - ausschließlich auf den im Frühjahr unter erheblichen Mühen vollzogenen Teilverkauf der Schifffahrtssparte zurückzuführen: Es ist die erste Kaufpreis-Rate als Buchgewinn.

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Ob weitere Erlöse folgen, gilt als fraglich. Denn die im Konzern verbliebenen 43 Prozent der in schwere Seenot geratenen Container-Reederei Hapag-Lloyd machten im Laufe des Jahres bei Tui und dem Konsortium Albert Ballin als neuem Miteigentümer Milliardenverpflichtungen erforderlich, von denen unklar ist, ob und wie sie zurückgezahlt werden. Auch im Kerngeschäft Touristik ist Tui vom Geldverdienen immer noch weit entfernt.

Die Tui-Bilanz 2009 resümiert lediglich ein Rumpfgeschäftsjahr von Januar bis September. Nach dem Reederei-Verkauf passt die im vorigen Jahr aus dem Dax geflogene und in den MDax übergesiedelte Tui ihre Buchführung an die Gepflogenheiten in der Touristik an. Dort bilanzieren die meisten Unternehmen das im Oktober beginnende touristische Geschäftsjahr, das mit der Wintersaison beginnt und nach der Sommersaison endet. Das sei einerseits zwar konsequent, kommentieren Branchenkreise. Andererseits mache der Wechsel der Bilanzperiode das ohnehin komplexe Zahlenwerk noch ein Stück schwerer vergleichbar, als es ohnehin schon sei.

Hohes Darlehen für Hapag-Lloyd

Die Abspaltung der zuvor noch als besonders zukunftsträchtig eingeschätzten Schifffahrtssparte hatte Frenzel im Frühjahr 2008 eingeleitet. Auf Betreiben seines Großaktionärs John Fredriksen hatte der Tui-Chef einen Käufer gesucht. Nach weltweiten Kontakten blieb zum Beginn der Wirtschaftskrise nur das Hamburger Konsortium übrig. Ihm gehören die Stadt Hamburg, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die HSH-Nordbank, die Warburg-Bank sowie die Versicherungen Signal Iduna und Hanse Merkur an.

Das Geschäft kam erst in diesem Frühjahr zustande. Schon wenig später mussten die Gesellschafter hohe Beträge zuschießen, um das Überleben von Hapag-Lloyd zu sichern. Allein Tui steckte über Darlehen rund 2,5 Milliarden Euro in die einstige Tochter. Nach einigem Hin und Her übernahmen die Stadt Hamburg und der Bund in diesem Herbst eine Staatsbürgschaft über 1,2 Milliarden Euro, die der fünftgrößten Container-Reederei der Welt neuen finanziellen Spielraum einräumen kann.

Höhere Frachtraten seit zweiter Jahreshälfte

Inzwischen herrscht bei den Reedern und in der Tui-Zentrale in Hannover vorsichtiger Optimismus. Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt hatte als Präsident des Verbandes Deutscher Reeder für die Branche kürzlich erklärt, es gebe Anzeichen dafür, dass der Welthandel wieder in Schwung komme; allerdings sei er nur "sehr verhalten optimistisch".

Aus Kreisen des Hamburger Unternehmens wird bestätigt, man könne inzwischen das "Licht am Ende des Tunnels" sehen. Seit der zweiten Jahreshälfte gelinge es wieder besser, höhere Frachtraten durchzusetzen, und entsprechend zögen die Margen an. Damit könnten auch Verluste reduziert werden.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Transport- und Logistiksparte werden nach inoffizieller Einschätzung bei Hapag-Lloyd in diesem Jahr zu einem Verlust von 900 Millionen Euro führen. Mit sensationellen Verbesserungen sei trotz der positiven Signale der letzten Wochen noch nicht zu rechnen.

Für die Tui-Rumpfbilanz werde es vermutlich kaum Auswirkungen geben: Die bescheidene Aufwärtsentwicklung liege im Wesentlichen hinter dem Stichtag 30. September.

Schwarze Zahlen für Tui Travel in Reichweite

Für die Touristik hatte Peter Long, Chef der in London notierten Konzerntochter Tui Travel, Anfang des Monats ebenfalls vorsichtigen Optimismus geäußert. Die aus einer Fusion mit dem britischen Reiseveranstalter First Choice hervorgegangene Gesellschaft gehört zu 54 Prozent der Tui in Hannover. Sie hatte das touristische Jahr 2008/2009 zwar operativ noch mit einem Verlust von 37 Millionen Pfund (41 Millionen Euro) abgeschlossen, doch im Jahr zuvor waren es noch 184 Millionen Pfund gewesen.

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Long verwies auf die erfolgreiche Integration der beiden Veranstalter, die zu erheblichen Synergien in dreistelliger Millionenhöhe führe. Da die Kosten für den Konzernumbau zurückgingen, seien 2010 bei Tui Travel schwarze Zahlen in Reichweite.

Analysten fordern striktes Kostenmanagement

In Analystenkreisen wird der Optimismus im Konzern nur beschränkt geteilt. NordLB-Analystin Martina Noss beispielsweise erwartet ein weiterhin sehr schwieriges Umfeld in der Touristik wie in der Schifffahrt. So würde das Tui-Konzernergebnis ohne den Buchgewinn aus dem Hapag-Verkauf deutlich negativ ausfallen. Eine Fokussierung auf ein striktes Kostenmanagement sei unbedingt erforderlich.

Generell rechnen die Beobachter aus der Finanzszene damit, dass der touristische Umsatz um etwa 14 Prozent zurückgegangen sei. Tui hatte mit drastischen Kapazitätseinschränkungen bei Flug- und Hotelbuchungen auf den zögerlichen Markt reagiert und damit zumindest die Margen gesichert.

Endgültiger Rückzug von Krumnow erwartet

In der heutigen Aufsichtsratssitzung wird erwartet, dass der langjährige AR-Chef Jürgen Krumnow seinen endgültigen Rückzug aus dem Gremium erklärt. Den Vorsitz hatte er bereits vor einigen Wochen an Dietmar Kuhnt abgegeben.

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Auf den frei werdenden Sessel möchte Großaktionär Fredriksen seinen Vertrauen Olav Troim bugsieren und hat dies bereits beim Amtsgericht in Hannover beantragt. Doch der norwegische Reeder und Milliardär ist bei der Tui wenig geliebt. Nach zwei vergeblichen Versuchen, auf den Hauptversammlungen Frenzel und Krumnow zu stürzen, gilt der Mann mit fast einem Fünftel Tui-Aktien in Aufsichtsratskreisen als wenig berechenbar. Es heißt, seine Interessen würden im Zweifelsfall nicht die des Unternehmens und der anderen Aktionäre sein.

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