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Schwierigkeiten mit „Talent 2“: Bahn muss auch auf neue Regionalzüge warten

Der Bahn stehen im Winter offenbar weitere Probleme ins Haus: Nach der Verzögerung bei der ICE-3-Flotte von Siemens wegen Softwarefehlern gibt es jetzt wohl auch Probleme bei 22 neuen Bombardier-Regionalzügen.

Nicht nur bei neuen ICEs, auch bei Regionalzügen soll es Lieferprobleme geben. Quelle: dpa
Nicht nur bei neuen ICEs, auch bei Regionalzügen soll es Lieferprobleme geben.Quelle: dpa

BerlinNach den Lieferverzögerungen bei den ICE-3-Zügen von Siemens wegen Softwarefehlern gibt es einem Pressebericht zufolge nun auch Probleme bei den Regionalzügen Talent 2. Der Hersteller Bombardier habe die Bahn am Donnerstag über Schwierigkeiten bei der geplanten Zulassung von 22 neuen Zügen beim Eisenbahnbundesamt (EBA) informiert, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Industriekreise.

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Eigentlich hätten demnach die ersten der 22 roten Talent-Züge in Hessen zum Winterfahrplan am 9. Dezember eingesetzt werden sollen.

Was die Bahn bei Verspätungen zahlt

  • Rechtliche Grundlage

    Wer bei Verspätungen eine Entschädigung in Anspruch nehmen möchte, kann sich auf die so genannten Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr berufen, die Entschädigungen gesetzlich geregelt.

  • Moderate Verspätungen

    Bei einer Verspätung von 60 Minuten können Bahnkunden den vollen Fahrpreis für den Teil verlangen, den sie nicht zurückgelegt haben. Wenn die Fahrt nach dem ursprünglichen Reiseplan keinen Sinn mehr macht, kann der gesamte Fahrpreis erstattet werden.

  • Lange Verspätungen

    Ab 60 Minuten Verspätung beträgt die Mindestentschädigung 25 Prozent des Fahrkartenpreises. Ab 120 Minuten fallen 50 Prozent an. Die Verspätung muss am Ziel der Reise vorliegen. Die Bahnkunden können sich die Entschädigung auch in bar ausbezahlen lassen. Die Eisenbahnunternehmen dürften einen Mindestbetrag festlegen, bei dessen Unterschreiten keine Entschädigung gezahlt wird. Diese liegt bei vier Euro.

  • Sonderfall Sprinter

    Wer einen ICE-Sprinter gebucht hat, hat bereits ab einer Verspätung von 30 Minuten Anspruch auf Rückzahlung des ICE-Sprinter-Aufpreises.

  • Übernachtungskosten

    Ab einer Verspätung von 60 Minuten können Hilfsleistungen in Anspruch genommen werden. Wenn wegen der Verspätung eine Übernachtung erforderlich wird, muss das Unternehmern eine Hotelübernachtung oder eine Unterkunft anbieten. Dabei übernehmen die Eisenbahn-Gesellschaften "angemessene Übernachtungskosten". Ein Luxushotel ist also nicht drin.

  • Bus- und Taxikosten

    Bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielort von mindestens 60 Minuten und einer planmäßigen Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr, hat der Fahrgast das Recht, ein anderes Verkehrsmittel zu nutzen wie zum Beispiel Bus oder Taxi. Die Kosten hierfür werden bis maximal 80 EUR erstattet. Wenn sich fünf Fahrgäste ein Taxi teilen, übernimmt die Bahn Kosten von insgesamt 400 Euro.

  • Streik und höhere Gewalt

    Achtung: Die Eisenbahn-Gesellschaften müssen keine Entschädigung bezahlen, wenn die Verspätung auf höhere Gewalt zurückgeht. Dazu gehört zum Beispiel ein Sturm oder ein unvorhergesehener Streik.

  • Was Kunden beachten sollten

    Kunden wenden sich an das Servicecenter Fahrgastrechte, eine gemeinsame Servicestelle der Deutschen Bahn sowie 44 Privatbahnen. Dort müssen sie die Fahrkarte und das "Fahrgastrechte-Formular" einreichen. Die Verspätung muss dabei nicht gesondert vorab bestätigt worden sein. Für das Einreichen von Belegen gilt eine Frist von zwölf Monaten. Wer dagegen direkt bei den Servicecentern die Entschädigung geltend machen möchte, muss sich die Verspätung vom Bahnpersonal bestätigen lassen. Wird eine Übernachtung notwendig, fragen die Kunden beim Service Point im Bahnhof nach. Auch bei Verspätungen, die unterhalb von 60 Minuten liegen oder anderen Kritikpunkten, können sich Kunden beschweren und auf eine Kulanzregelung hoffen. Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main, www.fahrgastrechte.info.

Die Bahn hatte im Jahr 2007 bei Bombardier 320 Züge im Wert von einer Milliarde Euro 2007 bestellt. Wie beim ICE sei es zu Lieferverzögerungen gekommen. 119 Züge sind inzwischen im Einsatz, hieß es in dem Bericht weiter.

So fahren Sie günstig mit der Bahn

  • Sparpreis

    Diese Tickets gelten für einfache Fahrten oder für Hin- und Rückfahrt. Sie kosten bei einfacher Strecke - je nach Länge der Reise und Verfügbarkeit - zwischen 19 und 99 Euro. Reisen in Nachbarländer kosten mit dem Europa-Sparpreis ab 19 Euro. Erhältlich sind sie ab drei Monaten und bis zu drei Tage vor der gewünschten Reise. Die Zahl der Tickets ist begrenzt, Gerade rund um Wochenenden und Feiertage sind sie schnell vergriffen. Beim Sparpreis muss sich der Kunde auf einen bestimmten Zug festlegen.

  • Bahncard

    Die Bahncard 25 bietet für 59 Euro im Jahr 25 Prozent Ermäßigung auf alle Fahrkarten. Der Rabatt kann mit anderen Rabatten - auch dem Sparpreis - kombiniert werden. Die Bahncard 50 kostet in der Standardversion 240 Euro. Sie bietet 50 Prozent Rabatt auf alle Fahrkarten. Die Kombination mit anderen Rabatten ist nicht möglich, dafür besteht keine Zugbindung. Die Bahncard 50 lohnt sich für Vielfahrer und für alle, die ihre Reisen lieber kurzfristig planen. Ab etwa 480 Euro Fahrtkosten pro Jahr sparen Bahnkunden mit ihr.

  • Ehe- und Lebenspartner

    Ehe- und Lebenspartner von Bahncard-25-Besitzern können eine eigene, voll gültige sogenannte Zusatzkarte für zehn Euro erhalten. Bedingung dafür ist aber, dass mindestens ein Kind unter 18 Jahren im selben Haushalt lebt. Ansonsten kostet die Partnerkarte 39 Euro. Die Bahncard 50 gibt es für Partner im selben Haushalt für 122 Euro - also gut die Hälfte des Preises der ersten Karte.

  • Kinder, Jugendliche und Senioren

    Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren fahren in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern immer kostenlos, sie müssen aber in die Fahrkarte eingetragen sein. Reisen sie alleine, erhalten sie einen Rabatt von 50 Prozent. Daneben kann sich die Jugend-Bahncard 25 für einmalig zehn Euro lohnen, die bis einschließlich 17 Jahre gilt. Die Bahncard 50 gibt es generell für Kinder bis einschließlich 17 Jahre sowie für Schüler und Studenten bis 26 Jahre zum halben Preis. Auch Senioren ab 60 Jahren zahlen bei der Bahncard 50 nur die Hälfte des Kartenpreises. Keine Ermäßigung gibt es für sie hingegen bei der Bahncard 25.

  • Tickets für den Nahverkehr

    Mit dem Schönes-Wochenende-Ticket können fünf Menschen einen Samstag oder Sonntag lang die Nahverkehrszüge der Bahn nutzen. Im Internet oder am Automaten kostet das Ticket 40 Euro, am Schalter 42 Euro. Die auf eine bestimmte Region beschränkten Ländertickets gelten ebenfalls für bis zu fünf Fahrgäste in der zweiten Klasse des Nahverkehrs. Sie sind von Montag bis Freitag von 09.00 Uhr an gültig, samstags oder sonntags schon von Mitternacht an. Sie kosten für fünf Leute ab 28 Euro. Mit dem Quer-durchs-Land-Ticket kann ein Reisender von montags bis freitags ab 09.00 Uhr für 40 Euro am Automaten und im Internet oder für 42 Euro am Schalter deutschlandweit den gesamten Nahverkehr nutzen. Jeder weitere von maximal vier Mitfahrern zahlt sechs Euro extra.

  • Weitere Tipps und Tricks

    Sparpreis-Tickets und die Pauschaltickets für den Nahverkehr sind am Schalter ein ganzes Stück teurer. Hingegen bringt es mittlerweile nichts mehr, Reservierungen im Internet oder am Ticketautomaten statt am Schalter zu kaufen. Sparen kann, wer bei weiten Fahrten vom ICE auf den IC umsteigt: Der IC ist nur selten viel langsamer, kostet dafür aber meist deutlich weniger. Der „Sparpreis-Finder“ auf der Internetseite der Bahn zeigt, zu welchen Uhrzeiten die besten Preise zu haben sind. Und wer noch vor diesem Sonntag bucht, bekommt die Fahrkarten für die kommenden drei Monate noch zum alten Preis.

Siemens hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass sich die Auslieferung der neuen ICE-Züge weiter verzögere. Ursache seien Probleme mit der Zugsteuerung. Die Deutsche Bahn erklärte, sie könne deswegen nicht die erhoffte Reserveflotte aufbauen. Ihr drohen daher in diesem Winter bei Schnee und Eis erneut Zugausfälle und Verspätungen. Eigentlich hatte Siemens die Auslieferung von acht Zügen zu Beginn des Winterfahrplans Anfang Dezember zugesagt.

Kunden leiden Die größten Pannen der Deutschen Bahn

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  • 25.11.2012, 18:51 UhrNachwuchs

    Warum sind Deutschlands Manager nicht in der Lage bzw. gewillt, Qualitätsprodukte zu einem normalen Preis mit Termineinhaltung herzustellen?

  • 25.11.2012, 13:52 UhrHerbert

    Die Bahn kann ja auch nicht immer was dafür :-)

    Vielleicht hat auch die Industrie weniger qualfizierte, oder nicht so sehr motivierte Sklaven von den Sklaenmärkten bekommen. Ich meine natürlich Zeitarbeiter und Zeitarbeitsfirmen, hab mich da vertan :-)

  • 25.11.2012, 12:50 UhrCharly

    Neue Ansage in der Deutschen Bahn im Dezember 2013:

    Sehr geehrte Fahrgäste,
    wir begrüßen sie im Regionalexpress von A nach B.
    Leider hat unser Zug derzeit etwa 1 Jahr Verspätung.
    Ursache hierfür ist eine Lieferverzögerung unseres Lieferanten.
    Wir bitten dies zu entschuldigen.
    Wir wünschen ihnen eine gute Reise.

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