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„Sehr heftige Probleme“: Neuer Termin für Hauptstadtflughafen erst im Sommer

Wird kein neuer Eröffnungstermin genannt, kann er auch nicht platzen: Diesem Motto getreu will Technikchef Horst Amann noch nicht sagen, ob der Hauptstadtflughafen 2014 starten kann. Die Probleme seien „fast grauenhaft“.

Schriftzug am zukünftigen Hauptstadtflughafen. Quelle: SAP/dpa
Schriftzug am zukünftigen Hauptstadtflughafen. Quelle: SAP/dpa

BerlinDer Start des Berliner Pannen-Flughafens ist angesichts immer größerer Probleme völlig ungewiss. Nach der erneuten Verschiebung der Eröffnung hat Technikchef Horst Amann die Probleme des Milliardenprojekts „fast grauenhaft“ genannt. Er wollte am Dienstag nicht sagen, ob der Hauptstadtflughafen im Jahr 2014 starten kann. Amann sagte am Dienstag im Hessischen Rundfunk: „14 ist eine gute Nummer, aber festlegen kann ich mich jetzt darauf nicht.“ Ein neuer Eröffnungstermin könne erst in etwa einem halben Jahr genannt werden. Die zuletzt für den 27. Oktober geplante Inbetriebnahme war am Montag auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

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Als Grund für die weitere Verzögerung nannte Amann Mängel im Verborgenen. „Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig“, sagte Amann. „Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren.“ Amann ist erst seit dem vergangenen Sommer Technikchef des Hauptstadtflughafens. Er hatte zuvor am größten deutschen Airport in Frankfurt mehrere Großprojekte gestemmt.

Flughafenstart schon wieder abgeblasen - und was nun?

  • Warum sind die Planungen jetzt geplatzt?

    Die Probleme mit der Brandschutzanlage im zentral Passagierterminal sind noch größer als angenommen. Mit Datum 4. Januar 2013 gingen beim Bund, Berlin und Brandenburg als Gesellschaftern Schreiben von Flughafen-Technikchef Horst Amann ein: Die ohnehin wacklige Zielmarke 27. Oktober ist nicht zu halten. Über einen möglichen neuen Eröffnungstermin zu sprechen, sei es zu früh, so Amann.

  • Welche Folgen hat das Termin-Debakel für die Flughafen-Baustelle?

    Eigentlich sollten die Bauarbeiten bis Mai abgeschlossen sei, doch offenbar fehlen nach wie vor Planungsunterlagen für die Entrauchungsanlage. Die Arbeiten konnten daher nicht wie geplant längst wieder hochgefahren werden. Zur Investitionsruine soll das fast fertige Gebäude aber keinesfalls verkommen. Auch andere radikale Um- oder Neubauten sind nicht vorgesehen. Amann habe bestätigt, „dass er der festen Überzeugung ist, dass dieser Flughafen in seiner technischen Anlage fertigzustellen ist“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

  • Was bedeutet die erneute Verschiebung für die Passagiere?

    Millionen Reisende in der Hauptstadt müssen bis auf weiteres mit den beiden alten Berliner Flughäfen auskommen, die noch länger in Betrieb bleiben. Dabei waren am ehemaligen DDR-Zentralflughafen Berlin-Schönefeld schon Kioskstände abgebaut worden. Und der größte Hauptstadt-Flughafen Tegel platzt schon jetzt aus allen Nähten. Air Berlin und die Lufthansa riefen die Betreibergesellschaft denn auch auf, dass dort nun alles getan werde, um einen besseren Standard zu erreichen - für einen längeren Übergangsbetrieb.

  • Was kommt auf die Fluggesellschaften zu?

    Besonders für Air Berlin ist die neue Lage ein Tiefschlag. Der größte Kunde am künftigen Airport will dort ein Drehkreuz mit etlichen Umsteigeverbindungen aufziehen - und musste enttäuscht feststellen, dass die Pläne nun schon wieder in die Warteschleife müssen. Die Verschiebung „geht zulasten aller Fluggäste“, so der Kommentar. Die Lufthansa mahnte, für die endgültige Fertigstellung brauche es eine belastbare Planung samt genügend Puffer für alle Fälle.

Amann hatte die Flughafen-Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg am vergangenen Freitag in einem Schreiben darüber informiert, dass der Termin 27. Oktober nicht eingehalten werden kann. Das sickerte am Sonntag durch, am Montag wurde es offiziell bestätigt.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), kündigte an, den Vorsitz des Flughafen-Aufsichtsrats an den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) abzugeben. Die finanziellen Auswirkungen der erneuten Verschiebung sind unklar. Zuletzt waren die Kosten bereits um 1,2 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen.

Die Schlüsselfiguren des Flughafenprojekts

  • Rainer Schwarz

    Der 56-jährige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, ist seit Monaten unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Seine Ablösung wird in Kürze erwartet.

  • Horst Amann

    Der 59-jährige Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.

  • Klaus Wowereit

    Der 59-jährige regierende Bürgermeister von Berlin (SPD) will nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurücktreten. Wowereit will aber im Aufsichtsrat bleiben.

  • Matthias Platzeck

    Der 59-jährige brandenburgische Ministerpräsident (SPD) ist bislang Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und soll diesem nun als Chef des Gremiums folgen. Angesichts der schwierigen Lage will Platzeck im Landtag eine Vertrauensfrage stellen.

  • Peter Ramsauer

    Der 58-jährige Bundesverkehrsminister (CSU) hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Seit Wochen verlangt Ramsauer die Ablösung von Schwarz.

  • Rainer Bomba

    Der 48-jährige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.

Entscheidend für die Terminabsage war wohl ein Treffen Amanns am 18. Dezember 2012 mit Technikern von Siemens und Bosch, an dem unter anderen auch der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, sowie der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) teilnahmen. „Dabei wurde klar, dass die bisherigen Erkenntnisse zu vergrößerten Risiken für die geplante Inbetriebnahme am 27. Oktober 2013 geführt haben“, stellte Amann am Montag fest. Als Grund für die Terminabsage nannte Amann abermals „Probleme mit der Brandschutzanlage“, unter anderem mit der Komplexität des Systems.

  • 08.01.2013, 14:24 UhrFassungslos

    NEUES AUS DER ANSTALT - mehr kann man als fassungsloser Steuerzahler dazu nicht mehr sagen!

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