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„Show-Veranstaltung“: Opferverein kritisiert Ikea-Studie zu Zwangsarbeit

Die DDR-Opfer-Hilfe hält die Studie für eine „unwissenschaftliche Show-Veranstaltung“. Der Verein spricht der Untersuchung die Neutralität ab – obwohl Ikea zugegeben hat, dass Beschäftigte von der Zwangsarbeit wussten.

Ikea hat am Freitag eine Studie über Zwangsarbeit in der DDR im eigenen Konzern vorgestellt. Quelle: dapd
Ikea hat am Freitag eine Studie über Zwangsarbeit in der DDR im eigenen Konzern vorgestellt. Quelle: dapd

BerlinDie Studie über den möglichen Einsatz von Zwangsarbeitern bei der Produktion von Ikea-Möbeln in der DDR hat bereits vor der Vorstellung ihrer Ergebnisse für heftige Kritik gesorgt. Der Verein DDR-Opfer-Hilfe warf dem schwedischen Möbelkonzern am Freitag vor, eine „unwissenschaftliche Show-Veranstaltung“ zu inszenieren. Die Untersuchung lasse die wissenschaftlichen Mindeststandards vermissen, erklärte der Verein. Sie sei nicht von unabhängigen Experten, sondern von der Unternehmensberatung Ernst & Young erstellt worden, „womöglich sogar gegen Bezahlung“.

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„Ikea als Beschuldigter führt selbst die Ermittlungen, anstatt das unvoreingenommenen Stellen zu überlassen. Deshalb bezweifeln wir sehr, dass die Studienergebnisse valide sind“, teilte der Vize-Vorsitzende des Vereins, Roland Schulz, mit. Das Thema sollte vielmehr vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin gemeinsam mit Historikern und Politikwissenschaftlern untersucht werden.

Zwangsarbeiter-Skandal Was Ikea noch alles verschweigt

  • Zwangsarbeiter-Skandal: Was Ikea noch alles verschweigt
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Die Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat ergeben, dass politische Häftlinge in DDR-Betrieben an der Herstellung von Möbelstücken für die schwedische Möbelkette beteiligt waren. Eine von Ikea in Auftrag gegebene Untersuchung habe Hinweise ergeben, „dass politische Häftlinge und Strafgefangene in Teilen an der Produktion von Komponenten oder Möbelstücken, die vor 25 bis 30 Jahren an Ikea geliefert wurden, beteiligt waren“, teilte der schwedische Möbelhersteller am Freitag in Berlin mit. Zudem habe die Studie ergeben, dass Vertreter im Ikea-Konzern von der Möglichkeit des Einsatzes politischer Gefangener in der DDR wussten. „Wir bedauern außerordentlich, dass dies geschehen konnte“, erklärte Ikea-Managerin Jeanette Skjelmose.

Der schwedische Konzern habe zwar Schritte unternommen, um sicherzustellen, „dass Gefangene nicht für die Herstellung eingesetzt wurden“, erklärte das Unternehmen in Berlin. Es sei nun aber klar, „dass diese Maßnahmen nicht wirkungsvoll genug waren“. „Zu jener Zeit hatten wir noch nicht das heutige, gut ausgearbeitete Kontrollsystem und haben offensichtlich nicht genug getan, um derartige Produktionsweisen zu verhindern“, erklärte die schwedische Ikea-Managerin Jeanette Skjelmose.

DDR-Zwangsarbeiter klagt Ikea an „Die Bedingungen waren menschenunwürdig“

In den 1980er-Jahren stellte Dieter Ott einen Ausreiseantrag. Die DDR sperrte ihn ein. Im Gefängnis musste Ott Türgriffe und Stuhlroller herstellen. Erst jetzt weiß er, für wen: Ikea. Hier erzählt er seine Geschichte.

Im Frühjahr hatten mehrere Medien berichtet, der Möbelbauer und andere westliche Unternehmen hätten von der Produktion durch politische Gefangene in der DDR profitiert. Ikea kündigte daraufhin eine Überprüfung der Vorwürfe an und gab bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young eine Studie in Auftrag.

Die DDR-Opfer-Hilfe forderte die Politik in Bund und Ländern auf, „vor dem Thema Zwangsarbeit in der DDR nicht länger die Augen zu verschließen“. Viele politische Häftlinge hätten damals Produkte fertigen müssen, die dann auch im Westen verkauft worden seien. Diese Zwangsarbeit sei bis heute nicht entschädigt worden. Der Opferverband forderte deshalb einen Entschädigungsfonds.

Die Geschichte von Ikea

  • 1943 - Gründung

    Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

  • 1948 - Möbel im Sortiment

    Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

  • 1951 - Der erste Katalog

    Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

  • 1956 - Möbel zum Selbstbauen

    Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

  • 1958 - Das erste Einrichtungshaus

    Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

  • 1963 - Ikea expandiert ins Ausland

    Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

  • 1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

    Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

  • 1974 - Ikea kommt nach Deutschland

    Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

  • 1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

    Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

  • 1979/2 - Klippan feiert Premiere

    Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

  • 1984 - Ikea Family wird gegründet

    Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

  • 1985 - Ikea erreicht die USA

    Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

  • 1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

    Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

  • 1991 - Ikea nutzt die Wende

    Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

  • 1998 - Ikea expandiert nach China

    Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

  • 1999 - Anders löst Anders ab

    Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

  • 2000 - Ikea startet Online-hop

    Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

  • 2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

    Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

  • 2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

    Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

  • 2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

    Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Für die Untersuchung wurden nach Angaben des Unternehmens Dokumente aus Ikea-Archiven sowie Bundes- und Landesarchiven ausgewertet. Zudem wurden 90 Gespräche mit aktiven und ehemaligen Mitarbeitern von Ikea sowie mit Betroffenen, Beteiligten und Zeitzeugen geführt. Im Vorfeld der Veröffentlichung war kritisiert worden, dass Ikea eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragte statt Historiker und Politikwissenschaftler.

Mehr über Ikea

Zur Vorstellung der Studie lud die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) ein, der über 30 Vereine und Verbände politisch Verfolgter aus der sowjetischen Besatzungszone und der DDR angehören. Ihr Vorsitzender Rainer Wagner würdigte die Bereitschaft Ikeas, die Vorwürfe gegen den Konzern zu untersuchen. „Hier hat wenigstens mal einer einen Anfang gemacht“, sagte er der „Berliner Zeitung“ vom Freitag. Ziel müsse eine grundsätzliche Aufarbeitung unter Beteiligung aller betroffener Unternehmen sein. „Am Ende müsste eine Entschädigung stehen.“

 

  • 17.11.2012, 09:22 UhrJoachim

    Dass Ikea DDR-Zwangsarbeiter für die Produktion eingesetzt hat, ist jetzt keine neue Information!
    Volker Pispers hat schon vor langer Zeit diesen Fakt öffentlich genannt!
    Es ist erstaunlich, dass diese menschenverachtende Sklavenarbeit erst jetzt zur Sprache kommt.
    Zumal auch heutzutage, in der BRD, massenweise Hartz-4-Empfänger zur Sklavenarbeit gezwungen werden.
    Zumindest ist es schön, dass auch die Mainstreammedien, die Wahrheit so langsam begreifen und nicht diese wichtigen Fakten, unwissend und naiv, als Verschwörungstheorie darstellen!
    Besser zu spät, als nie!

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