
HB FRANKFURT. Den Mitarbeitern eines externen Telefondienstleisters sei Zugriff auf Datensätze gewährt worden, die weiter gingen als notwendig gewesen wäre, sagte eine Sprecherin der mit 1,5 Mio. Versicherten größten deutschen Betriebskrankenkasse am Freitag in Frankfurt. Wegen des zweifachen Versuchs eines anonymen Anrufers, die Kasse mit dem Angebot des Ankaufs nicht näher bezeichneter Unterlagen zu erpressen, sei Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt erstattet worden. Dies bestätigte die Behörde.
Die BKK Gesundheit vermutet hinter dem Anrufer einen Mitarbeiter der Firma, die von dem Dienstleister der Krankenkasse beauftragt worden war, die 24-Stunden-Telefon-Hotline des Unternehmens in Spitzenzeiten oder in der Nacht zu betreuen. Dafür hätten die Mitarbeiter über eine Kennung Zugang zu Krankendaten gehabt. Dabei sind nach einem Bericht des TV-Magazins „Kontraste“ medizinische Daten heruntergeladen oder kopiert worden.
Die Sprecherin der Kasse sagte, bei der Firma sei keine Datenschutzprüfung erfolgt. Hätte die Kasse dies rechtzeitig veranlasst, wäre der Auftrag nicht an das Unternehmen gegangen, das mit Heimarbeitsplätzen arbeite. Die Anfang Januar gestartete Zusammenarbeit sei gekündigt und die Zugangskennungen gesperrt worden. Auch die Kooperation mit dem Dienstleister werde die Kasse aufgeben und die Telefon-Hotline nur noch in eigener Regie betreiben.
Der mutmaßliche Erpresser habe in den vergangenen Tagen mehrfach versucht, sich auf den Rechner der BKK Gesundheit mit seinen gesperrten Daten einzuwählen. Ende Januar habe ein Vertreter der Unternehmensleitung der BKK Gesundheit zweimal Anrufe mit dem Angebot zum Ankauf von Unterlagen zu einem nicht genannten Preis erhalten.
Dies sei abgelehnt worden. Daraufhin habe der Anrufer gedroht, die Unterlagen zu veröffentlichen.
Vertreter der Bundesdatenschutzbeauftragten überprüfen seit Donnerstag die Schutzvorkehrungen bei der Kasse, berichtete die Sprecherin. Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte in „Kontraste“ gesagt, bei der Krankenkasse sei offensichtlich beim Schutz personenbezogener Daten vieles versäumt worden. Ein so leichtfertiger Umgang mit Sozialdaten sei ihm noch nicht untergekommen.
Der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Hans-Peter Uhl (CSU) forderte einen besseren Schutz von Krankendaten. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag) sagte er: „Der Gesetzgeber ist dringend gefordert, bestehende Lücken beim Schutz hochsensibler Daten zu schließen.“ Ein fahrlässiger Umgang mit Daten sei heute für die Kassen ohne jedes Risiko, weil ihnen kein Bußgeld drohe.