Thomas Middelhoff hat den ehemaligen Karstadt-Quelle
-Konzern
gründlich umgekrempelt - Aber viele Fragen sind noch unbeantwortet. Zum Beispiel die nach der Zukunft der Thomas-Cook-Flugtochter Condor. Und auch die Warenhäuser sind längst nicht über den Berg.
DÜSSELDORF. Als Thomas Middelhoff am 12. Mai 2005 sein Büro an der Essener Theodor-Althoff-Straße bezog, stand er vor einem Scherbenhaufen. Das Geschäftsmodell von Karstadt
-Quelle,
wie das Unternehmen seinerzeit hieß, war veraltet, die Kunden liefen davon, es drohte die Zahlungsunfähigkeit. Middelhoff, herbeigerufen von Großaktionärin Madeleine Schickedanz, sollte den Essener Waren- und Versandhauskonzern retten.
Die Konzernstruktur, das Geschäftsmodell, der Name: kein Stein ist seitdem auf dem anderen geblieben. Über 1,6 Mrd. Euro hat Middelhoff sich den Umbau kosten lassen. Nur die Adresse blieb gleich. Middelhoff hat aus dem Traditionsunternehmen eine der größten Baustellen des Landes gemacht - und noch ist offen, ob daraus am Ende ein vorzeigbares Werk entsteht. Die Zeit jedenfalls wird für den umtriebigen Manager knapp: Ende des Jahres möchte er den Konzern, der jetzt Arcandor
heißt, verlassen.
Ein enges Zeitfenster hat den Mann mit der stets gleich streng zurückgekämmten Frisur noch nie gestört. In nur drei Jahren hat der 54-Jährige den maroden Waren- und Versandhauskonzern mit angeschlossener Touristikbeteiligung zu einem Touristikkonzern verwandelt, bei dem die Handelsaktivitäten zunehmend in den Hintergrund treten. Das Geschäftsmodell beruht auf drei Säulen: den Karstadt-Warenhäusern, dem unter Primondo zusammengefassten Versandhandelsgeschäft und der Touristik-Tochter Thomas Cook.
Als Middelhoff vor drei Jahren in Essen anfing, machte das Unternehmen 88 Prozent seiner Umsätze im Handel. Heute steuert das Touristikgeschäft mit gut 60 Prozent den Großteil zum Gesamtumsatz bei.
Während der Handel weiter kriselt, sorgen die Sonne-, Strand- und Meer-Aktivitäten der Essener für ein einträgliches Wachstum. Allein dem guten Ergebnis von Thomas Cook
hat Arcandor
seine Rückkehr in die schwarzen Zahlen im vergangenen Geschäftsjahr zu verdanken.
Middelhoff hat den Anteil an dem Touristik-Konzern seit seinem Amtsantritt konsequent auf heute 52 Prozent ausgebaut. Durch die Einverleibung des Konkurrenten Mytravel
gewann dieser Geschäftsbereich im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung.
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Während Middelhoff im Touristikbereich kräftig zukaufte, stieß er in anderen Sparten ab. Immobilien wurden genauso verkauft wie 74 kleine Karstadt-Warenhäuser, die Modehäuser Wehmeyer, Sinn-Leffers und Runners Point oder die Versandhändler Quelle Frankreich und "Mode & Preis". Auch 51 Prozent an Neckermann hat Arcandor
an den Finanzinvestor Sun abgegeben - samt einer Zugabe von 50 Mill. Euro. Durch einen späteren Börsengang soll das Versandhaus noch 200 bis 300 Millionen Euro bringen. Wann das passiert, ist unklar. Zunächst jedenfalls muss Neckermann die Ertragswende schaffen.
Wie sehr der Arcandor
-Konzern
unter Middelhoff wirklich gesundet ist, bleibt umstritten. "Der Umbau des Konzerns ist ein Prozess", sagt der Chef selbst. "Ob er gelingt, lässt sich nicht zu einem Stichtag beurteilen." Klar ist, dass der Manager vor mehreren ungelösten Problemen steht. Eines der gravierendsten wurde gestern allerdings vertraglich gelöst. Die 49-Prozent-Beteiligung am gemeinsamen Warenhausimmobilien-Fonds mit Goldman
Sachs geht nun verbindlich an ein Konsortium aus RREEF, Pirelli Re, Generali Real Estate und der Borletti Group.
Ungeklärt bleibt aber weiterhin die Zukunft der Thomas-Cook-Flugtochter Condor. Über deren Übernahme durch Air Berlin
brütet das Bundeskartellamt. Eine Entscheidung ist auf Juni vertagt. Im Gegenzug will Thomas Cook
einen 30-Prozent-Anteil an Air Berlin
bekommen.
Längst nicht über den Berg sind auch die Warenhäuser. Trotz Neuausrichtung stagnieren die Zahlen, das vergangene Weihnachtsgeschäft verlief enttäuschend. Ähnliches gilt für Quelle. Das Versandhaus steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr zwar um zwei Prozent, gilt aber als sanierungsbedürftig. Zudem droht dem Konzern die starke Konjunkturabhängigkeit seines neuen Kerngeschäfts Touristik. Auch in Sachen Aktienwert hinkt Middelhoff seinen Zielen hinterher. Den Kurs sehe er am Ende seiner Amtszeit bei 40 Euro. Gestern lag er bei gut elf Euro.

