Während Middelhoff im Touristikbereich kräftig zukaufte, stieß er in anderen Sparten ab. Immobilien wurden genauso verkauft wie 74 kleine Karstadt-Warenhäuser, die Modehäuser Wehmeyer, Sinn-Leffers und Runners Point oder die Versandhändler Quelle Frankreich und "Mode & Preis". Auch 51 Prozent an Neckermann hat Arcandor
an den Finanzinvestor Sun abgegeben - samt einer Zugabe von 50 Mill. Euro. Durch einen späteren Börsengang soll das Versandhaus noch 200 bis 300 Millionen Euro bringen. Wann das passiert, ist unklar. Zunächst jedenfalls muss Neckermann die Ertragswende schaffen.
Wie sehr der Arcandor
-Konzern
unter Middelhoff wirklich gesundet ist, bleibt umstritten. "Der Umbau des Konzerns ist ein Prozess", sagt der Chef selbst. "Ob er gelingt, lässt sich nicht zu einem Stichtag beurteilen." Klar ist, dass der Manager vor mehreren ungelösten Problemen steht. Eines der gravierendsten wurde gestern allerdings vertraglich gelöst. Die 49-Prozent-Beteiligung am gemeinsamen Warenhausimmobilien-Fonds mit Goldman
Sachs geht nun verbindlich an ein Konsortium aus RREEF, Pirelli Re, Generali Real Estate und der Borletti Group.
Ungeklärt bleibt aber weiterhin die Zukunft der Thomas-Cook-Flugtochter Condor. Über deren Übernahme durch Air Berlin
brütet das Bundeskartellamt. Eine Entscheidung ist auf Juni vertagt. Im Gegenzug will Thomas Cook
einen 30-Prozent-Anteil an Air Berlin
bekommen.
Längst nicht über den Berg sind auch die Warenhäuser. Trotz Neuausrichtung stagnieren die Zahlen, das vergangene Weihnachtsgeschäft verlief enttäuschend. Ähnliches gilt für Quelle. Das Versandhaus steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr zwar um zwei Prozent, gilt aber als sanierungsbedürftig. Zudem droht dem Konzern die starke Konjunkturabhängigkeit seines neuen Kerngeschäfts Touristik. Auch in Sachen Aktienwert hinkt Middelhoff seinen Zielen hinterher. Den Kurs sehe er am Ende seiner Amtszeit bei 40 Euro. Gestern lag er bei gut elf Euro.

