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03.08.2007 
KPMG-Sortimentsmonitor

Spontaner Griff zur Flasche

von C. Schlautmann

Geht es um den Verkauf von Wein, Schnaps und Bier, liefern Deutschlands Handelsketten nur halbe Arbeit. Kein Wunder, dass Tankstellen und Kioske beim Verkauf alkoholischer Getränke die traditionellen Handelsketten die Nase vorn haben. Auf den Preis achten viele Konsumenten beim Alkoholkauf nicht.

Schlechte Noten für Supermärkte beim Alkoholverkauf. Foto: dpaLupe

Schlechte Noten für Supermärkte beim Alkoholverkauf. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommt der allmonatlich erstellte Sortimentsmonitor, den das Handelsblatt gemeinsam mit der Unternehmensberatung KPMG und dem Marktforschungsinstitut TNS Infratest veröffentlicht. Interviewt werden bei der repräsentativen Studie jeweils 1 000 Verbraucher über 14 Jahre.

Die Studie dürfte deutsche Lebensmittelhändler alarmieren. Denn immerhin wandern jährlich alkoholische Getränke im Wert von elf Mrd. Euro über den Kassentisch und bestreiten damit acht Prozent der Branchenerlöse – ein Umsatzpotenzial, das laut KPMG-Sortimentsmonitor vor allem die Discounter verschenken.

Denn insbesondere Kunden von Aldi, Lidl & Co. kritisieren an ihren Stammgeschäften, dass sie sich mit dieser Warengruppe nicht auskennen. Mit einem Indexwert von 54 (Mittelwert 100) landeten die Discounter bei der Frage nach der Sortimentskompetenz deutlich im roten Bereich. Selbst die Frischesortimente der Billigmärkte rund um Fleisch, Obst und Gemüse erzielten bei den jüngsten Befragungen deutlich bessere Werte.


Tabelle  Infografik: Alkoholische Getränke: Kundenzufriedenheit bei ausgesuchten Einzelhändlern


Alarmierend gering fiel aber auch die Zustimmung in den traditionellen Supermärkten etwa von Rewe oder Edeka aus. Nur 52 Prozent aller deutschen Verbraucher sind mit dem Sortiment „alkoholische Getränke“ ihres Stammgeschäfts zufrieden. Keine untersuchte Warengruppe schnitt bislang schlechter ab.

KPMG-Handelsexperte Johannes Siemes überrascht dies. „Noch vor drei Jahren hatten Rewe und Edeka beschlossen, gerade mit Wein und Spirituosen zu punkten“, berichtet er. Die Supermarktbetreiber hätten dazu eine Menge in neue Einrichtungen investiert. „Aber irgendwie hat sie das nicht recht weitergebracht“, wundert sich Siemes.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ausgerechnet von Tankstellen und Kiosken lassen sich Deutschlands Handelskonzerne beim Verkauf alkoholischer Getränke die Butter vom Brot nehmen.

Dieses Urteil belegt die ausgesprochen geringe Kundenbindung. „Ein Drittel aller deutschen Verbraucher hat überhaupt kein Stammgeschäft für alkoholische Getränke“, zeigt sich Infratest-Marktforscher Eckard Gabersek überrascht – auch das ein Minusrekord. Während etwa bei Tiefkühlkost 16 Prozent aller Bundesbürger Aldi als Haupteinkaufsstätte nannten, bindet der Discountkönig gerade einmal drei Prozent der Verbraucher mit seinen Alkoholika. Rewe und Edeka kommen mit acht Prozent auf deutlich mehr Nennungen, ihrer Marktbedeutung nach müssten es jedoch theoretisch zwischen 23 und 26 Prozent sein. Allein Kaufland ist mit ebenfalls acht Prozent überproportional stark.

Nach Gaberseks Beobachtungen gelingt es den traditionellen Lebensmittelhändlern nicht, ihren Kunden die Warengruppenkompetenz rund um das Geschäft mit Bier, Wein und Spirituosen zu vermitteln. „Es reicht einfach nicht aus“, sagt der Infratest-Marktforscher, „auf Routinekunden zu warten, die sich ein paar Flaschen in den Einkaufswagen legen.“ Gerade bei diesen erklärungsbedürftigen Kategorien sei Beratungsleistung gefragt. Viele Märkte machten zudem den Fehler, ihr Sortiment nach Abverkaufszahlen der Vergangenheit zusammenzustellen, statt professionell regionale Kaufgewohnheiten zu erkunden.

Die Folgen sind fatal. Beim Verkauf alkoholischer Getränke lassen sich Deutschlands Handelskonzerne ausgerechnet von Tankstellen, Kiosken, Gartencentern und Baumärkten die Butter vom Brot nehmen. Die nämlich sind die überraschenden Gewinner der Verbraucherbefragung. Die „sonstigen Geschäfte“ genießen bei ihren Stammkunden die höchsten Werte in Sachen Warenkompetenz. Dass sie im Schnitt teurer sind als der Branchendurchschnitt, stört offenbar nur wenige. 21 Prozent aller eutschen nennen die lokalen Läden in Bahnhöfen, an Tankstellen oder in branchenfremden Fachmärkten als ihr Stammgeschäft – ein Wert, der sieben mal höher ist als der von Aldi oder Lidl. „Gekauft wird spontan“, hat Infratest-Marktforscher Gabersek beobachtet. „Die Preisstellung ist den meisten egal.“

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