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Sporthersteller: Kampf gegen Amazon

Viele Sportartikelhersteller gehen in die Offensive gegen das Online-Warenhaus Amazon. Sie sorgen sich um ihr Image und fürchten einen Preisverfall der Ware. Händler sollen sich neuen Regeln unterwerfen.

Ein Bergsteiger auf den Gipfel des Mount Everest - Profis verlangen kompetente Beratung. Quelle: dpa
Ein Bergsteiger auf den Gipfel des Mount Everest - Profis verlangen kompetente Beratung. Quelle: dpa

In den vergangenen Wochen hat Deuter-Chef Bernd Kullmann Hunderte Briefe verschickt. Der Inhalt der Schreiben war stets derselbe: ein neuer Vertrag für die Händler des Augsburger Rucksackherstellers. Mit ihrer Unterschrift sollen sich die Ladenbesitzer unter anderem verpflichten, keine Ware von Deuter mehr über Onlineplattformen wie Amazon, Ebay oder Zalando zu verkaufen.

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So wie Deuter gehen derzeit zahlreiche Sportmarken in die Offensive, um den Vertrieb ihrer Produkte stärker zu kontrollieren. „Wir wollen, dass die Kunden kompetent beraten werden“, sagt Rolf Schmid, Chef des Bergsportlabels Mammut. In einem Onlinekaufhaus wie Amazon sei dies nicht der Fall. Internethändler mit nachweislich gutem Service bekommen die wetterfesten Jacken und Hosen von Mammut nach wie vor geliefert.

Umsatzkönige im deutschen Sportmarkt

  • Runners Point

    Sieben Prozent mehr als in 2010, und somit 155 Millionen Euro setzte Runners Point in 2011 um.

  • Globetrotter

    Der Outdoor-Ausrüster konnte seine Umsätze von 2010 auf 2011 um 9 Prozent steigern. Rund 250 Millionen Euro setzte Globetrotter im letzten Jahr um.

  • Karstadt

    Rund 440 Millionen Euro nahm Karstadt 2011 im Sportbereich ein. Im Vergleich zu 2010 sind das drei Prozent weniger.

  • Kaufhof

    Auch in der Sportabteilung von Kaufhof gingen die Umsätze zurück. Sie schrumpften von 2010 auf 2011 um sechs Prozent. Mit 500 Millionen Euro macht das Unternehmen unter den Sporthändlern dennoch den dritten Platz.

  • Sport 2000

    Rund 1,49 Milliarden Euro setzte Sport 2000 im letzten Jahr in Deutschland um. Das sind drei Prozent weniger als noch in 2010.

  • Intersport

    Vier Prozent weniger als in 2010 hat Intersport im vergangenen Jahr umgesetzt. Mit 2,7 Milliarden Euro ist das Unternehmen aber immer noch mit großem Abstand an der Spitze.

  • Sonstige

    Die übrigen Sporthändler machten insgesamt zwei Prozent Umsatz weniger als in 2010 und landen zusammen bei 2,34 Milliarden Euro.

Rossignol geht da noch einen Schritt weiter. Reinrassige Online-Anbieter boykottiert der Skihersteller - und mögen sie noch so gut sein. „Bei uns bekommt nur Ware, wer mindestens einen Laden unterhält“, sagt Hilmar Bolle, Deutschland-Chef der französischen Marke. „Bei unseren Produkten spielt die Sicherheit eine große Rolle, deshalb müssen unsere Partner kompetent sein.“ Doch das ist noch nicht alles.

Die Marken fürchten um ihr Image - und dass die Ware auf Seiten von Amazon oder Ebay verramscht wird. „Die große Gefahr ist, dass nur über den Preis gearbeitet wird“, warnt Mammut-Chef Schmid. Ein „wertiges Umfeld“ für seine Produkte sei unverzichtbar, glaubt Deuter-Chef Kullmann. Deshalb liefert er künftig nur noch an Händler, die einen großen Teil der Kollektion in ihren Geschäften zeigen. „Wir wollen ein repräsentatives Sortiment in den Läden haben“, sagt Kullmann.

Puma arbeitet eng mit Amazon zusammen. Quelle: dapd
Puma arbeitet eng mit Amazon zusammen. Quelle: dapd

„Trittbrettfahrer“, wie er sie nennt, sollen keine Chance mehr haben. Das seien Internetanbieter, die sich nur die Bestseller aus dem Sortiment picken - und damit dem Fachhandel das Leben schwer machen. Die vielen neuen Vorschriften haben ihren Preis. Kullmann rechnet damit, dass von 3800 Händlern hierzulande 1000 wegfallen. Das wird den Umsatz des Mittelständlers erst einmal drücken.

Bereits im Frühjahr hatte mit Adidas die Nummer zwei der Sportbranche angekündigt, den Händlern Vorgaben fürs Geschäft im Netz zu machen. Sie sollen eigene Shops auflegen, die Mindeststandards an Produktinformation und Sortiment erfüllen. Für Ladengeschäfte hat Adidas solche Vorschriften bereits lange. Solch ein selektiver Vertrieb schließt Händler aus, die bestimmte Anforderungen nicht erfüllen. Bis Ende des Jahres gibt Adidas seinen Partnern eine Übergangsfrist. Anschließend soll es Kontrollen geben, ob die neuen Regeln eingehalten werden.

Rechtlich sehen sich die Anbieter auf der sicheren Seite. Es gebe Urteile, die Marken einen besonderen Schutz einräumten und ein solches Vorgehen zuließen, heißt es bei Adidas. Amazon nimmt den Rückzug gelassen. Deutschland-Chef Ralf Kleber glaubt fest daran, mit den Firmen in Zukunft wieder ins Geschäft zu kommen. „Jede Marke muss doch dort sein, wo ihre Kunden sind“, sagt der Manager. Er verspricht: „Wir werden daran arbeiten, die nötigen Bedingungen zu schaffen, um die Anbieter anzuziehen.“

Einzelhandel

Kleber hat allen Grund, die Feindseligkeiten der Branche sportlich zu nehmen. Noch sind alle großen Labels auf seiner Seite zu haben: Viele Händler bieten Turnschuhe, Jogginghosen und T-Shirts fast aller Sportmarken auf der Plattform an. Zudem ist die Branche sich nicht einig. Adidas-Rivale Puma etwa arbeitet eng mit Amazon zusammen und hat einen eigenen virtuellen Laden auf der Internetseite der Amerikaner eingerichtet.

Der Konzern habe damit „eine globale Plattform mit hoher Bekanntheit und Reichweite für die Marke geschaffen“, heißt es bei Puma. Sollte Puma hier Erfolg haben, könnte die Front der Amazon-Gegner womöglich schon bald bröckeln. So will auch Deuter-Chef Bernd Kullmann nicht ausschließen, einmal mit dem Onlinekonzern ins Geschäft zu kommen: „Wir werden unser Vorgehen regelmäßig überprüfen.“

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  • 26.11.2012, 09:10 UhrAndrejVogel

    Ich frage mich, wie alt dieser Deuter-Chef ist. Ich bin vermutlich aus einer jüngeren Generation und möchte das Internet und die Möglichkeit dort einzukaufen, nicht missen.

    Das Einkaufen im Internet ist komfortabel und dazu noch günstig. Das Argument mit der Beratung zieht schon lange nicht mehr. Man kann sich problemlos im Internet schlau machen und ist nach 5 Minuten Info-Zeit schlauer als nach einem Beratungsgespräch im Einzelhandel.

    Klar, dass sich der Deuter-Chef dem Wettbewerb nicht stellen will. So ist es halt viel bequemer für ihn. Man muss kein guter Manager sein und die Zeche soll schon der Kunde mit überhöhten Preisen bezahlen.

    Eine Frechheit! Ich dachte, diese Zeit der arroganten Manager wäre seit dem Versagen von Schrempp passé.

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