Zwei chinesische Fluglinien werden dem weltweit größten Luftfahrtbündnis Star Alliance beitreten. Damit kann das Bündnis, das von der Lufthansa gegründeten wurde, eine wichtige Lücke in seiner Asien-Präsenz schließen.
PEKING. Am kommenden Dienstag werden in Peking sowohl die nationale Fluggesellschaft Shanghai Airlines als auch die ehemalige Staatslinie Air China endgültig der Star Alliance beitreten. Shanghai Airlines und Air China seien von der Star Alliance umworben worden, „da sie Schanghai und Peking als wichtige Luftfahrtdrehkreuze auf dem chinesischen Festland sehen“, sagt ein chinesischer Luftfahrtexperte. Das Problem im boomenden Luftverkehr Chinas sind vor allem die Start- und Landerechte an den Flughäfen Peking und Schanghai.
Durch die beiden neuen Partner bekommt die Star Alliance nun den wichtigen Vorteil, auch das innerchinesische Netz bedienen zu können. Bisher fliegen gut drei Viertel der Fluggäste auf Inlandsstrecken. Mit den neuen Partnern habe man nun eine klare Strategie für den chinesischen Markt, hatte Jaan Albrecht, Chef der Star Alliance die Wahl der neuen Partner begründet: „Dieser Schritt ist ein echter Schritt für die zukünftige Entwicklung in der chinesischen Luftfahrt.“
„Wir glauben, dass dies eine große Rolle für Chinas Luftverkehr bei der globalen Expansion spielen wird“, erklärt Li Jiaxiang, Präsident von Air China. In diesem Jahr werde sein Unternehmen erstmals mit den Verbindungen nach Europa Gewinn einfliegen. Dies sei ein Ergebnis der neuen Kooperation, die bereits seit über einem Jahr in der Testphase besteht.
Nur durch solche Luft-Bündnisse werde es chinesischen Fluggesellschaften möglich, international anzutreten, so Li. „Keine Airline kann ein weltweites Netz allein aufbauen." Im Gegenzug bekomme die Star
-Allianz
Zugang zum wichtigen Wachstumsmarkt China. Auch bei Shanghai Airlines wird der Beitritt als wichtiger Schritt für die globale Expansion gesehen. Zudem könne so sowohl das Management als auch der Service auf internationale Standards gehoben werden, begründete Firmenchef Zhou Chi den globalen Schulterschluss. „Die Mitgliedschaft gibt uns Zugang zu dem internationalen Markt und wird unseren Service auf internationalen Standard heben“, so Shanghai-Chef Zhou.
Die Fluglinie aus Schanghai ist wie Air China ebenfalls schon seit über einem Jahr in einer Testphase an die Star Alliance angebunden. Doch ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking drängen immer mehr chinesische Fluggesellschaften in eine der großen Luftfahrtallianzen. China Southern Airlines wurde im vergangenen Monat erstes China-Mitglied von Sky Team, einem Bündnis von weltweit elf Carriern, darunter Air France -KLM, Alitalia, die russische Aeroflot und die amerikanische Fluglinie Delta
Airlines.
Die Star Alliance umfasst bisher insgesamt 17 Mitglieder, darunter neben Lufthansa
United Airlines, Air Canada, Scandinavian Airlines, Singapore Airlines und Thai Airlines. Die Fluglinien in der Partnerschaft verfügen zusammen über eine Flotte von knapp 2 800 Flugzeugen und befördern jährlich mehr als 400 Mill. Passagiere. Mit den beiden chinesischen Airlines wird Star Alliance nun auf 19 Mitglieder erweitert. Und ein weiterer Ausbau ist bereits vorgezeichnet. So wurden bereits mit Turkish Airlines und Egypt-Air Abkommen zum Beitritt geschlossen.
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Ein weiterer Beitrittskandidat ist Air India. "Ich gehe davon aus, dass wir im Dezember eine Entscheidung treffen können“, so Lufthansa
-Chef
Wolfgang Mayrhuber vor einem Monat nach Gesprächen mit Air India. Bislang war Indien ein weißer Fleck auf der Weltkarte der Star Alliance. Vor allem für die Expansion in Asien benötigt das Bündnis auch dort dringend auch einen Partner.
Mit den beiden neuen chinesischen Partnern wird zunächst jedoch erst einmal eine wichtige Lücke im größten asiatischen Luftverkehrsmarkt geschlossen. China gilt als besonders stark boomender Markt. In einigen Jahren dürfte das Vielflieger-Reich nach Schätzung von Experten zum zweitgrößten Inlandsmarkt hinter den USA aufrücken. Bis zum Jahr 2020 soll sich die Zahl der Fluggäste auf 210 Mill. Passagiere pro Jahr fast verdoppeln.
Die 1985 gegründete Shanghai Airlines bedient ein dichtes innerchinesisches Flugnetz mit derzeit rund 80 Inlandsrouten. Die Flotte soll sich in den kommenden zwei Jahren auf 100 Flugzeuge verdoppeln. 2010 findet in Schanghai die Weltausstellung statt.
Shanghai Airlines bedient auch Interkontinental-Strecken vom Flughafen Schanghai-Pudong aus. Als neue Routen sind Flüge nach Seattle und Hamburg geplant. Die günstige Kostenstruktur und die Heimatbasis an einem der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftszentren machen Shanghai Airlines zu einem attraktiven Partner für global operierende Flugkonzerne.
Shanghai Airlines betonte jedoch, über das Bündnis sei keine weitere Annäherung geplant. „Wir werden auf jeden Fall in der Zukunft strategische Investoren einladen, aber zuvor müssen wir erst einmal größer und stärker werden“, erklärte das Management vergangene Woche.
Dass mit Shanghai Airlines eine Fluglinie aus der zweiten Reihe der Star Alliance beitreten darf, werten Branchenbeobachter auch als Signal zur weiteren Öffnung des chinesischen Luftverkehrsmarktes. Die entscheidende Rolle bei derlei Fragen spielt die staatliche chinesische Luftfahrtbehörde CAAC.

