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29.02.2008 
Fraport expandiert

Start nach China

von Tanja Kewes und Eberhard Krummheuer

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport plant, sich an weiteren Flughäfen im Ausland zu beteiligen. Mit Investitionen in China möchte das börsenorientierte Unternehmen von dem Luftverkehrsmarkt profitieren, der am schnellsten wächst.

Eine Flugzeug verlässt den Flughafen Frankfurt. Der Betreiber Fraport plant weitere Beteiligungen im Ausland. Foto: APLupe

Eine Flugzeug verlässt den Flughafen Frankfurt. Der Betreiber Fraport plant weitere Beteiligungen im Ausland. Foto: AP

FRANKFURT. "Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits 24,5 Prozent der Anteile am Flughafen von Xian erworben haben, haben wir jetzt eine Absichtserklärung über eine zweite Flughafenbeteiligung in China unterzeichnet und eine dritte mit einem weiteren chinesischen Flughafen ist in Vorbereitung", sagte Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender dem Handelsblatt. Es handele sich um einen Airport der ersten Liga. Einen Namen nannte er noch nicht, weil mit dem Partner Stillschweigen vereinbart worden sei.

Fraport engagiert sich seit einigen Jahren im Ausland. Nach einem missglückten Start in Manila - die Flughafenbeteiligung musste 2001 nach einem Rechtsstreit für Millionen abgeschrieben werden - tragen die Flughafen-Beteiligungen inzwischen mehr als ein Fünftel zum Ergebnis bei.


Tabelle  Infografik: Fraports Beteiligungen an ausländischen Flughäfen


Fraport ist dabei nicht stiller Teilhaber, sondern übernimmt die operative Leitung der Flughäfen. "Das Beteiligungsgeschäft ist für uns längst kein exotischer Bereich mehr", sagte der Fraport-Chef. Im vergangenen Jahr hätten sich gerade die Beteiligungen an den Flughäfen Lima und Antalya sehr erfolgreich entwickelt. Genaue Zahlen will Bender bei der Bilanzpräsentation am Montag nennen.

China ist der Luftverkehrsmarkt, der weltweit am schnellsten wächst. Die Zahl der Flugpassagiere stieg in der Volksrepublik im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf rund 185 Millionen. Um das nationale und internationale Flugaufkommen in den Griff zu kriegen, will die chinesische Zentralregierung bis zum Jahr 2020 rund 100 neue Flughäfen bauen lassen.

Um internationale Standards zu erreichen, sind die Chinesen dabei laut Bender daran interessiert "Flughafen-Know-how einzukaufen". Jenseits von China hat Bender Osteuropa und Indien im Blick. Auf dem Subkontinent ist Fraport bereits am Flughafen von Delhi beteiligt.

"Das Engagement im Ausland ist grundsätzlich zu begrüßen", sagt Analyst Ulrich Horstmann von der Bayern LB. Allerdings stünden den Wachstumschancen auch Risiken gegenüber wie durch die politischen und rechtlichen Unsicherheiten in den Ländern Asiens. Auch dürfte sich Fraport im Ausland nicht verzetteln.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Wir sind einer der bestgerüsteten Airports für die A 380"

Fraport ist der einzige deutsche Flughafenbetreiber, der börsennotiert ist und vom Kapitalmarkt getrieben wird. Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschaftete Fraport bei einem Umsatz von 2,1 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis von 340,2 Mill. Euro. In Deutschland stößt Fraport mit den Flughafen Frankfurt und Hahn an Wachstumsgrenzen.

Der Rhein-Main-Airport hat 2007 trotz einer weitgehenden Auslastung der Kapazitäten bei den Passagieren noch einmal um 2,6 Prozent auf 54,2 Millionen Fluggäste zugelegt und damit zwar eigene Prognosen übertroffen. Doch konnte Frankfurt vom allgemeinem Luftverkehrsboom in Deutschland mit einem Wachstumsschub von sechs Prozent nur teilweise profitieren, da kaum noch zusätzliche Starts und Landungen möglich sind. Die Nummern zwei bis fünf der deutschen Flughäfen, München, Düsseldorf, Berlin-Tegel und Hamburg, profitierten überdurchschnittlich.

Die Einschränkungen im Nachtflugverkehr, die Frankfurt im Zusammenhang mit der Genehmigung der neuen Nord-West -Bahn hinnehmen musste, will Fraport akzeptieren. "Das ist der politische Preis dafür, dass wir künftig tagsüber 50 Prozent mehr Kapazität haben", sagte Bender. Die Klagen von Lufthansa, dem Ferienflieger Condor sowie Tuifly gegen die Nachtflug-Beschränkungen will Bender nicht unterstützen.

Stattdessen rüstet sich der Frankfurter Flughafen für das größte Passagierflugzeug der Welt. Am 16. März wird Fraport in Frankfurt zwischen den Terminals 1 und 2 gemeinsam mit Lufthansa einen Komplex mit zusätzlichen Fluggast-Abfertigungsanlagen eröffnen, die speziell auf das Großraumflugzeug A380 abgestimmt sind. Bender rechnet damit, dass wöchentlich bis zu 25 der Super-Airbusse andocken werden: "Wir sind einer der bestgerüsteten Airports für die A 380".

Einer Kooperation mit anderen deutschen Flughäfen, die jüngst erst wieder durch Investoren wie den Baukonzern Hochtief ins Gespräch gebracht worden war, steht der Fraport-Chef unter der Prämisse des Führungsanspruchs grundsätzlich offen gegenüber. "Wir sind unverändert daran interessiert, Gespräche mit dem Flughafen Köln-Bonn zu führen. Eine Zusammenarbeit könnte interessante Chancen für beide Flughäfen bieten", sagte Bender.

Eine Kooperation ist auch für Michael Garvens, Chef des ehemaligen Regierungsflughafens Köln-Bonn, denkbar. "Eine Kooperation mit dem Flughafen Frankfurt wäre für uns interessanter als zum Beispiel mit Düsseldorf", erklärte Garvens auf Anfrage des Handelsblatts. Das ausgeweitete Nachtflugverbot in Frankfurt etwa könnte nach dem Expressdienst Fedex auch die dort noch aktiven Ferienfluglinien Condor und Tuifly nach Köln-Bonn treiben.

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