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12.12.2007 

„Die Preise für Medikamente werden in Deutschland fallen, weil so viele neue Wettbewerber auf den Markt drängen“, sagt Arnt Tobias Brodtkorb, Partner der Unternehmensberatung Sempora, die den Apothekenmarkt beobachtet. DocMorris-Apotheken bieten rezeptfreie Mittel wie Wundsalben oder Erkältungspräparate bereits heute um fünf bis zehn Prozent billiger an. Und wenn erst Discounter wie Schlecker den Markt aufmischen, dürften die Preise noch einmal ins Rutschen kommen. „Wenn die Ketten kommen, kann es zu Preissenkungen, auch im Sinne von Lockangeboten, kommen“, sagt auch Stefan Etgeton, Fachbereichsleiter Gesundheit und Ernährung beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Allerdings muss man sehen, ob sich auf lange Sicht nicht, ähnlich wie im Energiebereich, große Ketten den Markt regional aufteilen oder – wie beim Benzin – eine abgestimmte Preisentwicklung stattfindet.“ Eine Billiggarantie gibt es also nicht.

Der Verbraucherschützer erwartet von den künftigen Kettenapothekern jedoch in jedem Fall höhere Sorgfalt und Kundenorientierung als von den gegenwärtigen selbstständigen Pharmazeuten: „Wenn ein einzelner Laden einer Kette beim Service oder bei der Qualität der Arzneimittel in Verruf gerät, fällt dies auf die gesamte Marke zurück. Daher haben die Ketten einen viel größeren Anreiz, darauf zu achten.“

Erfahrungen aus liberalisierten Ländern wie Norwegen oder England zeigen sogar, dass sich mit den Ketten Service und Beratung eher verbessern. Bei der britischen Kette Lloydspharmacy gehören in allen Filialen Diabetes- und Bluthochdruck-Untersuchungen zum Standardprogramm. Längst nicht jede deutsche Pharmazie bietet solchen Service an, und meist müssen die Patienten von sich aus danach fragen. In 1400 der 1600 Lloyds-Pillenläden gibt es eigene Diskretionszonen, wo Patienten mit dem Apotheker vertraulich über Potenzprobleme, Fußpilz oder Schwangerschaftsverhütung sprechen können. So etwas bieten auch viele deutsche Apotheken, doch kaum jemand weiß davon. Meist hält noch nicht mal ein Strich auf dem Fußboden andere Kunden auf Abstand, wenn es am Tresen um peinliche Probleme geht.

Die Deutschen brächten den Apothekern dennoch so viel Vertrauen entgegen wie sonst nur Feuerwehrmännern, Piloten oder Krankenschwestern, sagt Heinz-Günter Wolf, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hemmoor bei Cuxhaven und Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Kaum ein anderer Berufsstand sei so angesehen. Wenn die Ketten kommen, werden Tausende der inhabergeführten, selbstständigen Apotheken verschwinden. Deswegen kämpfen die Standeslobbyisten gegen die – ihrer Meinung nach – renditehungrigen Kettenkonzerne, die an der Beratung sparen und Medikamente verkaufen würden wie gekochten Schinken: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“

Tatsächlich dürfte sich der Kampf um Kunden auf rezeptfreie Medikamente konzentrieren. Wenn es hart auf hart kommt, wird aus dem Kunden schnell wieder ein Patient, für den allein die Beratung zählt. Geht es ums Überleben, macht niemand mit der Gesundheit Kompromisse.

„Der unabhängige, freiberufliche Apotheker ist ein besserer Pharmazeut als ein von Befehlen abhängiger Kapitalmaximierer“, sagt Wolf. „Nahezu jede deutsche Apotheke liefert die Medikamente doch auch kostenlos nach Hause, wenn der Patient krank im Bett liegt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Ketten das kostenlos erledigen würden.“ Über Verbesserungen wie mehr Diskretion könne man natürlich reden, sagen die Standesvertreter. Doch alles in allem habe sich das System bewährt.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: „Apotheker können das Wort Wettbewerb gar nicht buchstabieren“

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