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12.12.2007 

Für die Apotheker stimmt das ja auch. Die Zunftbrüder brauchten jahrhundertelang keine Konkurrenz zu fürchten. Seit der ersten gesetzlichen Trennung der Berufe Arzt und Apotheker im Jahr 1241 durch das Edikt von Salerno des Stauferkaisers Friedrich II. ist die Branche starr reglementiert, die Medikamentenpreise waren stets gesetzlich festgeschrieben. Heute ist im Apothekengesetz das Fremd- und Mehrbesitzverbot verankert, nach dem Apotheken nur von approbierten Apothekern betrieben werden dürfen und ein Apotheker nicht mehr als vier Apotheken betreiben darf. Daneben reguliert die Apothekenbetriebsordnung detailliert, wer in einer Apotheke arbeiten darf, wer was zu tun hat, wie groß eine Apotheke mindestens sein muss, welche Räume, welche Vorschriften bei der Vorratshaltung zu berücksichtigen sind. Es war eine abgeschottete Welt für sich, Veränderungen ließen sich bestens blockieren.

Beispiel rezeptfreie Medikamente: Seit 2004 dürfen die Weißkittel die Preise etwa für Wundsalben oder Schnupfensprays frei kalkulieren – unbehelligt von Reglementierungen durch die Krankenkassen. Doch die Hoffnung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, so den Wettbewerb unter den Apothekern anzuheizen, erfüllte sich nicht. Die Pharmazeuten hielten die Preise starr und den Verbrauchern billigere Pillen vor. Das Bundeskartellamt ermittelt derzeit gegen Bayer: Das Unternehmen soll Apothekern Rabatte gewährt haben, wenn sie die Preise für Aspirin hoch halten. 11 000 Apotheker sollen sich daran beteiligt haben. „Die Apotheker können doch das Wort Wettbewerb gar nicht buchstabieren“, erregt sich einer aus dem Lager der Kettenapotheker über die Zunft. Erst in jüngster Zeit kommt Bewegung in die träge Branche.

Köln-Ehrenfeld, Venloer Straße: Eine so hohe Apothekendichte ist selbst im überversorgten Deutschland selten. Auf den 200 Metern zwischen der Ecke Geisselstraße und dem Ehrenfeldgürtel finden sich insgesamt vier Apotheken; bald soll noch eine fünfte hinzukommen.

Erst im Juni hat Tobias Luckner im Haus Nummer 285 seine DocMorris-Apotheke eröffnet. Ein heller, übersichtlicher Pillenladen, in freundlichem Grün gehalten. „Höhere Gesundheitskosten können Sie sich sparen“ steht auf einem DIN-A1-Schild im Schaufenster. Die Packung Echinacin-SalbeMadaus gibt es um 15 Prozent billiger – für 6,65 Euro gegenüber 7,85 Euro, der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. Die Packung Cetebe ist 40 Prozent preiswerter zu haben. Über 350 Kunden lassen sich täglich in den DocMorris-Pillenladen locken. Die Durchschnittsfrequenz einer deutschen Apotheke liegt bei etwa 250 Kunden. Nun bringt Luckner auch die Nachbarapotheken auf Trab.

„Wir haben die gleichen Preise wie bei DocMorris“, sagt Anita Thießen, Inhaberin der Punkt-Apotheke in Haus Nummer 308c auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Sonderangebote preist sie direkt neben ihrem Eingang an: zehn Stück Aspirin Plus C für 4,45 Euro statt 4,97 Euro; 30 Paracetamol für 1,75 Euro statt zwei Euro. „Wenn die Preise gleich sind, kaufen die Leute lieber in ihrer angestammten Apotheke als bei einem neuen Anbieter“, kalkuliert Thießen. Mehr als 50 Prozent ihrer Kunden seien Stammkunden, die oft auch aus anderen Stadtvierteln kommen. „Doch wenn immer mehr Ketten kommen, werden die Kleinen sukzessive verdrängt“, schwant ihr.

Die Bären-Apotheke, Hausnummer 371, setzt auf ihr spezielles Angebot: Aromatherapie, Homöopathie, Naturheilkunde. Drinnen duftet es nach Kräuterölen, die Pillenschachteln lagern in Holzregalen mit Messinggriffen. „Mir gefällt die ungezwungene Atmosphäre, zum Beispiel dass die Apotheker keine Kittel tragen“, sagt eine jüngere Kundin aus der Nachbarschaft „außerdem werde ich hier immer gut beraten.“

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Wie DocMorris in Deutschland punkten will.

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