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12.12.2007 

In die Engel-Apotheke, Hausnummer 325, kommen jetzt häufig Patienten, die darauf hinweisen, dass die Pillen anderswo billiger sind. Viele Verbraucher haben inzwischen gelernt, Preise zu vergleichen.

Seine Apothekennachbarn kennt DocMorris-Pharmazeut Luckner kaum. Das stört ihn auch nicht besonders, schließlich stammt der 32-Jährige mit der hohen Stirn auch nicht aus Köln-Ehrenfeld, sondern aus Halle an der Saale. Der junge Mann ist als Inhaber seiner Apotheke zunächst einmal rechtlich unabhängig – tatsächlich jedoch eng an seinen Franchise-Geber DocMorris gebunden. Über die grün-weiße Innenausstattung seiner Pharmazie ist in der DocMorris-Zentrale im niederländischen Heerlen längst entschieden worden. Über 50 DocMorris-Filialen gibt es mittlerweile in Deutschland, und sie sehen alle ungefähr gleich aus.

Nach ähnlichem Konzept arbeiten auch die Easy-Apotheken, die sich auf rezeptfreie Präparate spezialisiert haben und auf Discounter-Atmosphäre setzen – neun Filialen gibt es schon in Deutschland. Oder die etwa 50 Avie-Apotheken des Pharma-Unternehmers Edwin Kohl.

1 500 Euro Monatsgebühr zahlen DocMorris-Apotheker wie Luckner an die Zentrale: Sie dürfen dafür den prominenten Namen nutzen und profitieren von den günstigen Einkaufskonditionen des Großabnehmers DocMorris. Zudem erhalten sie Gebietsschutz – die Garantie, dass in der Umgebung keine weitere DocMorris-Apotheke eröffnet.

Einzig die sozialen Kontakte leiden etwas: Abends im Tennisklub, so erzählt einer von ihnen, werden die DocMorris-Apotheker von Standeskollegen oft geschnitten, weil sie mit dem Erzfeind paktieren. Es scheint sich aber zu lohnen: Nach Daten des Marktforschers IMS Health setzen die Apotheker oft mehr als das Doppelte an Packungen ab, nachdem sie ihr altes Apothekenschild abgeschraubt und durch ein DocMorris-Kreuz ersetzt haben.

500 Apotheken will DocMorris-Chef Ralf Däinghaus in den nächsten drei bis fünf Jahren eröffnen und da weniger mit Billigangeboten, sondern mit Service punkten. Sein Vorbild ist die Brillenkette Fielmann: „Da wissen Sie auch genau, was Sie bekommen.“ Sobald es die Gesetze zulassen, dürfte aus den Franchise-Filialen eine straff geführte Apothekenkette entstehen.

Däinghaus, der Gründer mit der markanten Brille, der einst mit einer Versandapotheke startete, geht immer noch als Branchenschreck durch. Ihm gehören aber weniger als zehn Prozent der Anteile. Die Mehrheit an DocMorris (Umsatz: 178 Millionen Euro) hält seit April dieses Jahres der Pharmagroßhändler Celesio. Zum Ärger etlicher Traditionsapotheker, die sich seither nicht mehr von Celesio beliefern lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Ein anderer Pharmagroßhändler scheint auf den Aufbau einer deutschen Apothekenkette gut vorbereitet zu sein.

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